Chiara und ihr Vater Armando auf der Fahrt durch die italienische Parteienlandschaft.
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Chiara und ihr Vater Armando auf der Fahrt durch die italienische Parteienlandschaft.

TV-Kritik "Warum Armando Berlusconi wählt"

Craxi ist an allem Schuld

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
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Silvio Berlusconi ist Italiens Ministerpräsident. Warum wählen die Italiener einen notorischen Lügner und Betrüger? Maria Chiara Malta, hat darüber einen kleinen vergnüglichen Film gedreht. Von Arno Widmann

Silvio Berlusconi ist Italiens Ministerpräsident. Er ist es jetzt länger als irgendein anderer in den letzten 50 Jahren es war. Warum wählen die Italiener Berlusconi, einen notorischen Lügner und Betrüger?

Maria Chiara Malta, 1977 in Rom geboren, hat darüber einen kleinen vergnüglichen Film gedreht. "Armando und die Politik" heißt er. Mit Armando ist nicht der holländische Künstler gemeint, der seit 1979 auch in Berlin einen Wohnsitz hat, sondern der Vater von Chiara Malta.

Sie zeigt, wie die Debatte zwischen Gramsci und Bordiga über die Arbeiterräte ihren Platz auf dem Bücherregal von Armando Chiara räumen muss und statt ihrer Silvio Berlusconis Reden dort Einzug halten.

Der Sozialist Armando Malta beruft sich auf die ehemaligen Craxi-Anhänger, auch sie Angehörige der Sozialistischen Partei, die heute - der Film stammt aus dem Jahre 2008 - in der Berlusconi-Regierung sitzen.

Es war Bettino Craxi, dem es gelang, die Jahrzehnte lange Vorherrschaft der Christdemokraten zu brechen. Derselbe Craxi, der Berlusconi - obwohl das gesetzlich verboten war - Genehmigungen für mehr als eine Fernsehanstalt erteilte. Craxi wurde in zahlreichen Fällen aktive und passive Bestechung nachgewiesen. 1994 entzog sich Craxi der italienischen Justiz. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahre 2000 in Tunesien.

Das alles kommt in dem Film nicht vor. Die Sozialisten erscheinen darin als die natürlichen Gegner Berlusconis. Eine Szene des Films ist mir im Gedächtnis geblieben. Ein Opa blickt zu seinem Enkel und sagt zu ihm: Mein Schatz, mein Liebling. Und geht weg. Ohne einen Blick zurück.

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