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Theaterregisseur Arnold (Owen Wilson, re.) ganz brav auf der Couch mit Call-Girl Izzy (Imogen Poots).

„Broadway Therapy“

Der Couch-Trip

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Peter Bogdanovich gelingt mit der feinen Screwball-Komödie „Broadway Therapy“ ein glänzendes Comeback. Wer sich über die Unglaubwürdigkeit der komödiantischen Verwicklungen aufregt, hat das Prinzip einer solchen „Komödie der Irrungen“ nicht verstanden.

Wer eine Lektion in Vergänglichkeit sucht, ist in Hollywood genau richtig. Zum Beispiel Peter Bogdanovich: Kaum ein amerikanischer Filmemacher wurde in den frühen siebziger Jahren mehr bewundert. Nacheinander kamen damals „Die letzte Vorstellung“, „Paper Moon“ und „Is’ was, Doc?“ heraus, jeder einzelne davon gut genug, einen Regisseur bekannt zu machen. Und der erste in dieser Reihe wohl sogar unsterblich.

Heute kann man in der Filmmetropole über den endlosen „Walk of Fame“ laufen und vergeblich nach einem Stern für den Mann suchen, der als größter Fan das alten Hollywood galt und zugleich als dessen beste Hoffnung.

Doch drei Flops in Reihe reichten damals aus, dass der Regisseur aus dem Bewusstsein der amerikanischen Filmöffentlichkeit nahezu verschwand. Und doch war auch in den letzten vier Jahrzehnten immer wieder mit Bogdanovich zu rechnen – nicht nur in der Rolle eines Psychotherapeuten in der Serie „Die Sopranos“, der eine Couch für die Mafiosi-Analytikerin Dr. Melfi bereit hielt.

Dem feinsinnigen, etwas Dandy-haften Brillenträger glaubte man die Rolle gern. Gewiss hat der Mann, der 1985 seinen Bankrott erklären musste, weil er monatlich 75 000 Dollar verdiente aber 200 000 Dollar ausgab, selbst genug Zeit bei Seelenklempnern zugebracht. „Broadway Therapy“, so der „deutsche“ Titel seines Regie-Comebacks „She’s Funny that Way“ knüpft da nahtlos an – und erklärt das Hinterzimmer dieser Komödie kurzerhand zum Hauptschauplatz.

Owen Wilson spielt einen erfolgreichen Regisseur namens Arnold Albertson, der sich gegenüber Prostituierten als unverhoffter Wohltäter präsentiert und diese reich beschenkt. Doch mit einem Remake der Romanze „Pretty Woman“ gibt sich Bogdanovich nicht zufrieden. Nach einer für beide Seiten höchst erfüllenden Liebesnacht schenkt Arnold Albertson der jungen Isabella (Imogen Poots) 30 000 Dollar für ein besseres Leben. Wiedersehen möchte er sie dafür nicht. Als ob das in einer „Screwball Comedy“ so einfach zu vermeiden wäre – Bogdanovich ist zum Genre von „Is’ was, Doc?“ zurückgekehrt.

Lange dauert es nicht, dann steht man sich gegenüber. Denn Isabella will sich bei einem Casting ihren Traum von einer Schauspielkarriere erfüllen, und brilliert in der Rolle einer Prostituierten derart, dass der Star des Stücks ihre Besetzung durchsetzt – es ist die Ehefrau des Regisseurs. Die sogenannte „Broadway-Therapie“ findet dann in der Praxis einer von Jennifer Aniston gespielten Psychologin statt, wo sich die Nachwuchs-Aktrice Beistand holt. Und zugleich das Begehren des Ehemanns entfacht, zufällig des Dramatikers, der das Stück verfasst hat.

„Manche Menschen füttern gerne die Eichhörnchen mit Nüsschen“, erklärt Regisseur Albertson sein ungewöhnliches Mäzenatentum gleich zu Beginn, „andere verfüttern lieber Eichhörnchen an die Nüsse.“ Lange ist es her, dass man mit Filmzitaten Flirt-Erfolge feiern konnte. Spätestens, wenn stolz ein Klassiker der dreißiger Jahre als Quelle genannt wird, erntet man nur noch Achselzucken.

Auch Bogdanovich, der große Cinephile unter den New-Hollywood-Veteranen, ist da vorsichtig geworden. Zwar lässt er in seiner Komödie Wilson lässig aus einem Lubitsch-Film zitieren. Doch die Quelle, „Cluny Brown auf Freiersfüßen“, hebt er sich für den Abspann auf. Hätten wir’s erkannt? Hauptsache, es gelingt Bogdanovich, eine Atmosphäre zu schaffen, die gut genug zu den smarten Sätzen passt.

Wie ein Woody-Allen-Film fühlt sich seine charmante Komödie an, nicht zuletzt weil sie sich aus Lebensbeichten in Rückblenden erschließt: Isabella erzählt in einem Fernsehinterview die Geschichte von ihrem Gönner, der so unauffällig aus dem Leben seiner Begünstigten verschwinden will wie eine Mary Poppins. Doch New York ist Dorf, und es dauert nicht lange, bis die Eichhörnchen seine Heldentaten von den Bäumen pfeifen.

Als das Festival von Venedig diesen Film vor einem Jahr nur außer Konkurrenz präsentierte, schien aus Bogdanovichs Rückkehr nur ein Comeback zweiter Klasse zu werden. Die meisten US-amerikanischen Kritiker beeilten sich, die Erfüllung der Prophezeiung zu kolportieren: Eine Rückkehr des 76-Jährigen in alter Frische darf anscheinend nicht passiert sein.

Dabei ist schon die Tatsache, dass dieser hübsche Film zustande kam, ein Liebesbeweis. Bogdanovichs jüngere Bewunderer Wes Anderson und Noah Baumbach teilten sich die Produktion, Quentin Tarantino übernahm einen Überraschungsauftritt. Und wer sich über die Unglaubwürdigkeit der komödiantischen Verwicklungen aufregt, hat das Prinzip einer solchen „Komödie der Irrungen“ nicht verstanden. Und dass Hollywood in den dreißiger Jahren derartige Perlen am Fließband produzierte (und zugegeben auch noch edlere) macht diese hier umso seltener.

Broadway Therapy. USA 2014. Regie: Peter Bogdanovich. 93 Min.

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