„Konsequent gegen Corona – können wir schon lockerlassen?“ lautete das Thema im TV-Talk von Maybrit Illner.
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„Konsequent gegen Corona – können wir schon lockerlassen?“ lautete das Thema im TV-Talk von Maybrit Illner.

TV-Talk Illner

Corona-Talk bei Maybrit Illner: Christian Lindner offenbart mal wieder seine Ignoranz

  • Daland Segler
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Maybrit Illners Thema war „Konsequent gegen Corona – können wir schon lockerlassen?“ Zu Gast im ZDF waren auch Christian Drosten und Christian Lindner. 

  • Maybrit Illner* spricht mit ihren Gästen erneut über die Corona-Krise*
  • Zu Gast waren Christian Drosten, Christiane Hoffmann, Ranga Yogeshwar, Christian Lindner und Markus Söder im ZDF*.
  • Thema sind mögliche Lockerungen 

Die Corona-Pandemie als Lehrmeisterin: Fast täglich beschert sie uns neue Erkenntnisse – vor allem darüber, was wir nicht von ihr wissen. Jetzt haben wir also gelernt, dass es auf die Reproduktionszahl ankommt, die uns die Kanzlerin so klar zu erklären wusste: Je höher diese Zahl als eins liegt, desto früher wird das Gesundheitssystem überlastet. Derzeit liegt sie etwa bei eins, also ein Infizierter steckt einen anderen an. Aber wissen wir wirklich, ob sie bei eins liegt? 

TV-Talk von Maybrit Illner zu Corona: Markus Söder mit Mundschutz in Weiß-Blau

Christian Drosten, Institutsdirektor der Virologie an der Charité Berlin und in der Beliebtheitsskala der Experten zu Recht Nummer eins, wies bei Maybrit Illner erneut darauf hin, wie wenig wir über das Virus mit Sicherheit sagen können. Warum zum Beispiel Familien offenbar nicht die größten Infektionsherde sind, ob Kinder vielleicht weniger „spreader“, also Verteiler des Virus sind als erwartbar. Oder ob es nicht vielleicht sogar eine „unerkannte Immunität“ in der Bevölkerung gibt. 

„Konsequent gegen Corona – können wir schon lockerlassen?“ lautete Illners Thema, und Bayerns Landeschef Markus Söder (CSU), bekam per Zuschaltung Gelegenheit, sich als der große Vorsitzende – nein, natürlich: Vorsichtige und sein Land (also sich) als besonders gut aufgestellt zu präsentieren. 

Corona-Talk bei Maybrit Illner: Spiegel-Autorin will „Angela Merkel beim Einkauf mit Maske sehen“

Einen Gag konnte Söder auch beisteuern, indem er einen Mundschutz mit weiß-blau-bajuwarischem Rautenmuster hervorzog. Die Maske ist ja ein weiteres Beispiel für den allgemeinen Lernprozess. Anfangs von Gesundheitsminister Jens Spahn noch als unnötig erachtet, gilt die Maske inzwischen als notwendig*, und die Regierenden haben das Tragen nur deshalb nicht zur Pflicht gemacht, weil es nicht genügend Material gibt. Aber nun gilt ein „Gebot“, den Mundschutz in öffentlichen Räumen zu tragen.

Christiane Hoffmann, Autorin im Hauptstadtbüro des Spiegel, fehlte die „Leidenschaft in der Empfehlung“. Sie möchte „Angela Merkel beim Einkauf mit Maske sehen“. 

Christian Drosten zeigt im Illner-Corona-Talk, dass er weiter denkt als bis zur nächsten Petrischale

Dass Fachleute wie Christian Drosten weiter als bis zur nächsten Petrischale denken, bewies er mit seinem Rat, dass die Verkehrsbetriebe Masken anbieten sollten, für einen Euro das Stück, quasi mit dem Ticket. Eine Tragepflicht, so Drosten, würde wohl „etwas helfen“. Söder deutete an, wenn das Gebot nicht befolgt werde, könnte es dazu kommen. 

ZDF-Runde von Maybrit Illner zu Corona: Ranga Yogeshwar empfiehlt eine App

Maybrit Illner hakte bündig die aktuellen Themen ab: Ob es richtig sei, die älteren Kinder zuerst in die Schule zu schicken. Ja, wusste Wissenschaftsjournalist und Moderator Ranga Yogeshwar: Die hätten mehr Disziplin, und Lehrer gehörten tendenziell auch zur älteren und damit gefährdeten Generation. 

Maybrit Illner, ZDF, 16. April, 22.30 Uhr. Mediathek

Haben wir die Zeit seit Ausbruch der Pandemie gut genutzt, wollte die Gastgeberin wissen. Yogeshwar bemängelte die fehlende Schnelligkeit, die eine Folge der fehlenden Digitalisierung sei. Noch seien manche Gesundheitsämter nur per Fax zu informieren. Die Nutzung von Smartphones habe in anderen Ländern Erfolge gezeitigt, eine App würde helfen: „Da müssen wir mit Volldampf rangehen.“ 

Der Illner-Corona-Talk: Christian Lindner sieht kein Problem beim Datenschutz 

Den Datenschutz sah in der Runde niemand als Problem, auch FDP-Chef Christian Lindner nicht. Man müsse gar nicht so viel am Datenschutzgesetz „herumschrauben“. Er könne sich auch eine um diverse Gesundheitsdaten erweiterte Anwendung vorstellen. 

Lindner, schon früh ein Verfechter einer Lockerung, kritisierte den Beschluss der Konferenz vom Mittwoch. Man hätte beim Handel, in der Gastronomie und bei der Bildung „mehr machen können“. Und offenbarte wieder einmal seine Ignoranz. Denn wir stehen immer noch eher am Anfang der Pandemie in Deutschland. 

Experten warnen in der Corona-TV-Runde bei Illner vor Ignoranz: „Das ist nicht nur eine kurze Nummer“

Zwar werden Politiker (wie jetzt wieder Markus Söder) nicht müde, die Disziplin der Bevölkerung und die vergleichbar gute Situation in Deutschland zu betonen. Aber was Virologe Drosten (und später bei Lanz die „Quarks“-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim noch deutlicher) erläuterte: Die Erkrankungen bei Älteren und damit auch die schwereren Fälle würden zunehmen, und „die niedrige Sterblichkeit wird nicht immer so bleiben“. Oder wie Ranga Yogeshwar formulierte: „Das hier ist nicht nur eine kurze Nummer.“

Von Daland Segler

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Eine Woche später wurde bei Maybrit Illner über Lockerung der Corona-Maßnahmen geredet. Einigkeit herrschte auch hier nicht.

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