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Die Runde bei „Markus Lanz“ im ZDF diskutiert über Wege zur Pandemiebekämpfung.
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Die Runde bei „Markus Lanz“ im ZDF diskutiert über Wege zur Pandemiebekämpfung.

Talk im ZDF

Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): Virologin hat düstere Prognose für den Sommer 2021

  • Delia Friess
    VonDelia Friess
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Im ZDF wird bei Markus Lanz über die richtige Corona-Strategie diskutiert. Eine Virologin ist empört. Die TV-Kritik.

Hamburg - Thema bei „Markus Lanz“ am Donnerstagabend (01.04.2021) im ZDF waren wieder einmal die Wege der Corona-Pandemie-Bekämpfung – aber auch die Uneinigkeit von Bund und Ländern in Pandemie-Zeiten. Der Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei „Anne Will“ am Sonntag (28.03.2021) hallte noch Tage danach in der Sendung „Markus Lanz“ im ZDF nach: So ging es auch immer noch um die Krise der Union und das Ringen von Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) um die Kanzlerkandidatur der Union.

In der Runde bei Markus Lanz saß am Donnerstag (01.04.2021) der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der im Vorfeld der ZDF-Sendung vor hohen Inzidenzen warnte, aber bei neuen Corona-Maßnahmen „die Bevölkerung mitnehmen“ möchte. Dann war da noch der FDP-Politiker und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, der Ausgangsbeschränkungen zuvor als „lebensfern“ kritisierte und die Vertrauensfrage für Angela Merkel fordert. Weitere Gäste bei Lanz waren die Virologin Prof. Dr. Melanie Brinkmann und die Journalistin Anja Maier.

Markus Lanz (ZDF): Michael Kretschmer (CDU) spricht von Impfungen als „Nebenkriegsschauplatz“

Die Runde startet mit der gegenseitigen Beteuerung, sich auch mit dem Impfstoff von Astrazeneca gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Als Kubicki einwirft, dass er sich auch mit Sputnik V oder dem chinesischen Impfstoff impfen lassen würde, verweist Kretschmer auf die Verfahren der EMA. Der ZDF-Moderator Markus Lanz wirft Kretschmer förmlich um die Ohren, dass die EMA Astrazeneca für alle Altersgruppen empfehle und Deutschland und die Stiko mit ihrer Empfehlung eigene Wege gingen. Ob Deutschland jetzt nicht mehr zur EU gehöre und wie Horst Seehofers Weigerung, sich mit Corona-Impfstoff Astrazeneca impfen zu lassen, einzuschätzen sei, fragt Lanz. Kretschmer versucht zu kontern, dass es sich beim Thema Impfungen um einen „Nebenkriegsschauplatz“ handeln würde - und dass bis Ende Mai mit genügend Impfdosen zu rechnen sei. Ein eher kläglicher Versuch des Ministerpräsidenten, die Fehler in der Impfkampagne zu verteidigen.

Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): Michael Kretschmer hofft auf Sommer wie 2020

„Die Bevölkerung muss mitgenommen werden“, betont Kretschmer bei Markus Lanz und verweist auf volle Parks und feiernde Jugendliche. Man müsse jetzt durch Aufklärung der Menschen eine Bewusstseinsänderung erreichen, auf Kontaktminimierung setzen und dies mit umfangreichem Testen ergänzen, so der CDU-Politiker. Bei vielen Menschen sehe er Erschöpfung, sie bräuchten Hoffnung auf einen Sommer wie 2020. Kretschmer schiebe der Bevölkerung den „Schwarzen Peter“ zu, wirft ihm Lanz daraufhin vor. Die Menschen würden irre werden, weil sie nicht das Gefühl hätten, dass die Regierung einen professionellen Plan habe, meldet sich FDP-Politiker Kubicki zu Wort.

Die Runde bei „Markus Lanz“ im ZDF diskutiert über Wege zur Pandemiebekämpfung.

Auch die Virologin Melanie Brinkmann beklagt das Fehlen eines gemeinsamen Zieles: Sei es, die Intensivstationen nicht mehr zu belasten, was ein „bescheuertes und absolut falsches Ziel“ sei, die von ihr präferierte Niedrig-Inzidenz-Strategie oder sogar die Durchseuchung der Bevölkerung. Es werde zu kurzsichtig gedacht. Deutschland hätte mit seiner Ziellosigkeit den schlechtesten Weg gewählt.

Kretschmer fragt die neben ihm sitzende Virologin, ob und wie man einen ähnlichen Sommer auch 2021 erreichen könne. Dies sei nur durch Kontaktreduzierung zu erreichen, erklärt die Virologin. Die Nachfrage von Kretschmer wirkt leider etwas unglücklich, nämlich etwa so, als habe der Ministerpräsident sich das erste Mal von eine:m Virolog:in zu dieser Frage beraten lassen. Die aufgebrachte Virologin Melanie Brinkmann aber erklärt, dass wir im Sommer mit der Pandemie nicht durch seien. Selbst wenn 70 Prozent der Deutschen geimpft sein werden, sei so schnell nicht mit einem Ende der Pandemie zu rechnen, da das Virus auf der ganzen Welt grassiere.

Markus Lanz (ZDF)Position
Michael KretschmerCDU, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen
Wolfgang Kubicki FDP, Bundestagsvizepräsident, Rechtsanwalt
Prof. Dr. Melanie BrinkmannVirologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Anja Maier Journalistin u.a. Zeit Online

Markus Lanz (ZDF): Wütende Virologin macht Prognosen für den Sommer und 2022

Brinkmann kritisiert, dass einfache Schritte wie das Tragen von Masken in Schulen nicht eingehalten werden, wie ein Einspielfilm aus Sachsen noch veranschaulicht. Die Virologin empört sich, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Mutante B.1.1.7 aus Großbritannien nicht von der Politik auf den Weg gebracht wurden, als noch die Möglichkeiten dazu da waren. Und das, obwohl die Wissenschaft bereits frühzeitig auf die Gefahren der Mutante, die zuerst in Großbritannien nachgewiesen wurde, hingewiesen hatte.  Das Kranken- und Pflegepersonal sei schon im letzten Jahr an seine Grenzen gestoßen, kritisiert die Wissenschaftlerin.

ZDF-Talk zu Corona: Markus Lanz wirft Kretschmer Populismus vor

Zu einem späteren Zeitpunkt der Sendung kommt die Runde bei Markus Lanz dann noch einmal auf die Impfstrategie der EU zurück. Kretschmer behauptet, dass Deutschland nicht den Weg wie Israel oder Großbritannien gegangen sei, die sich „vorgedrängelt“ hätten. Deutschland sehe deshalb jetzt nicht zu, wie in Nachbarländern die Menschen reihenweise sterben. Kubicki widerspricht, und auch Lanz wendet empört ein, dass diese Argumentation Populismus sei. Es entbrennt eine Diskussion darüber, warum Deutschland nicht wie die USA mehr Geld und in Impfstoffproduktionsstätten investiert habe.

Markus Lanz stichelt dann bei Kubicki mit Fragen zu seinen Rücktrittsforderungen an Jens Spahn (CDU), Peter Altmaier (CDU) und der Vertrauensfrage für Merkel. Ob die Vertrauensfrage in einer unruhigen Zeit gut für das Land sei, will Lanz wissen. Das setze ja voraus, dass Angela Merkel sie verlieren würde, versucht Kubicki sich aus der Affäre zu ziehen. Wenn Unionspolitiker offen das Vertrauen in die Kanzlerin infrage stellten, sollte sie sich der Frage stellen. Vergleichbar mit einem Unternehmen, würde er jemanden entlassen, die oder der einen schlechten Job gemacht habe, resümiert Kubicki und nennt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Markus Lanz (ZDF): Journalistin kritisiert Kommunikation in der Corona-Pandemie

Auch die Rhetorik in der Corona-Pandemie war Thema in der Sendung von Markus Lanz. Die Journalistin Anja Maier hatte in einem Kommentar im „Weser Kurier“ die Kommunikation der politischen Entscheidungsträger als „Politiklyrik“ und als „wortreiches Weiterreichen von Verantwortung“ an die Kanzlerin kritisiert. Bei Lanz sagt sie nun, dass es im Superwahljahr 2021 nicht nur um Pandemie-Bekämpfung, sondern auch um Wahlkampf ginge. Daraus resultiere eine schiefe Kommunikation und es gäbe kein „Wir“. Dass aus unterschiedlichen Richtungen Unterschiedliches kommuniziert werde, sei „Idiotie“. Durch den Brandbrief mit einem Appell zur Einigkeit an die Ministerpräsident:innen hätten sich Söder und Kretschmann jedoch als „Musterschüler“ aufgespielt, kritisiert Maier.

ZDF-Talk „Markus Lanz“: Markus Söder und Kretschmann spielen sich als Musterschüler auf

Kubicki sagt, dass er angesichts der hohen Infektionszahlen in Bayern auf Ratschläge von Markus Söder verzichten könne. Hier kommt ein interessanter Aspekt in die Debatte, der auch in den vergangenen Lanz-Sendungen der Woche zu kurz kam: Dass sich Söder als der Macher in der Krise darstellt und ob dies überhaupt berechtigt ist.

Da Söder im Gegensatz zu Laschet in Umfragen vorne liegt und die Kanzlerin bei „Anne Will“ offen den CDU-Chef kritisierte, witterte Lanz schon Anfang der Woche ein „Brodeln in der Union“. Ob auch Kretschmer von Söder gefragt wurde, sich anzuschließen, will Lanz (ZDF) wissen. Er habe diesen Brief nicht geschrieben und halte Mut nicht für das richtige Mittel in der Pandemie. Bei der zweiten Nachfrage von Lanz bejaht Kretschmer und ergänzt, dass einige gefragt wurden, andere nicht, aber relativiert, dass man mit Spaltungen und Vorwürfe nun nicht weiterkäme.

Ein TV-Genuss war die Sendung von Markus Lanz im ZDF – trotz des ernsten Themas - deshalb, weil der Moderator keinen seiner Gäste mit seinen stichelnden Fragen schont. (Delia Friess)

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