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Eine Labortechnikerin in der Impfstoff-Forschungs- und Entwicklungsgruppe von Pfizer arbeitet in New York an der Entwicklung des Corona-Impfstoffs.
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Eine Labortechnikerin in der Impfstoff-Forschungs- und Entwicklungsgruppe von Pfizer arbeitet in New York an der Entwicklung des Corona-Impfstoffs.

Dokumentation

Corona: „Der Wettlauf um den Impfstoff“ - Arte geht auf Spurensuche

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Informativ und spannend: Filmteams von BBC und CNN verfolgten die Entwicklung eines Anti-Covid-Vakzin von Beginn an mit der Kamera.

Über vier Millionen Menschen aller Altersklassen sind bislang weltweit infolge einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-Virus verstorben. Tendenz: steigend. Eine Impfung beugt einer Ansteckung vor, und sollte diese doch erfolgen, dämpft sie den Verlauf einer etwaigen Erkrankung erheblich. Hingegen wird aus den USA vermeldet, dass über 99 Prozent der Covid-Toten in jüngerer Zeit nicht geimpft waren.

Auch in Deutschland gibt es Impfskeptiker. Eiferer und Geschäftemacher mal ausgenommen, vielmehr Personen, denen die Schnelligkeit der Vakzinentwicklung nicht geheuer ist. Der Dokumentarfilm „Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“, eine Gemeinschaftsproduktion der BBC und CNN Films mit Arte France – allesamt renommierte Namen –, kommt insofern zur rechten Zeit.

Unter der Regie von Catherine Gale (auch Produktion) und Caleb Hellerman haben mit ihren Teams die Entwicklung der Corona-Impfstoffe – es gibt bekanntlich mehrere Wirkungsweisen – von Anbeginn begleitet. Der neunzigminütige Film auf Arte räumt mit Missverständnissen, Gerüchten und Irrtümern auf.

„Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“ (Arte): Forschungsbeginn im Schlafanzug

Am Anfang steht eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse, die zur Entdeckung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 aus der Gruppe der Corona-Viren, führten. Mit Dr. George Fu Gao, dem Direktor des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle, stand ein Zeitzeuge der ersten Stunde zur Verfügung, der nicht nur früh die vom Virus ausgehende Gefahr erkannte und die Daten international zugänglich machte, sondern anschließend auch an der Entwicklung des chinesischen Impfstoffs beteiligt war. Ein Glücksfall fürs Filmteam von „Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“: Seine erste Sichtung einer Abbildung des Virus am Computer war zufällig von Überwachungskameras aufgenommen worden.

Die dank hochmoderner Verfahren sehr schnell vorgenommene Entschlüsselung des Virus war quasi der Startschuss für die Suche nach einem Vakzin. Die Filmautoren dokumentieren die wissenschaftlichen Bemühungen in den USA, in Großbritannien, Australien, China, Deutschland, wo das Mainzer Unternehmen Biontech eine Kooperation mit dem US-Konzern Pfizer und einem chinesischen Partner einging. Die an der Universität Oxford tätige Professorin Teresa Lambe berichtet in der Arte-Produktion, dass sie sich gleich am Morgen nach der Veröffentlichung der Virensequenz am 10. Januar 2020 noch im Schlafanzug auf die neue Aufgabe stürzte.

Dr. Selorm Avumegah bei der Arbeit im Labor der University of Queensland in Brisbane, Australien.

„Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“ auf Arte: Die Professorin schläft im Stehen

Schon an diesem Punkt zeichnet sich ab, warum die Vakzine schneller zur Einsatzreife gebracht werden konnten als früher. Alle beteiligten Virologinnen und Virologen hatten bereits auf dem Gebiet gearbeitet. Um es blumig auszudrücken: Die Rakete stand startbereit auf der Rampe. Man musste nur noch das Ziel eingeben.

In den diversen Forschungsinstituten wurden verschiedene Methoden untersucht. Man kann den menschlichen Körper anstiften, das eindringende Virus selbst zu bekämpfen, oder das Virus direkt angreifen. Den Filmemachern von BBC, CNN und Arte gelingt es hervorragend, die nicht unkomplizierten biologischen Vorgänge für Laien anschaulich zu machen.

Die Wissenschaftler werden im Arte-Film „Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“ gleichsam zu Hauptfiguren einer spannenden Geschichte. Rückschläge liegen in der Natur der Sache, auch ungeplante Unterbrechungen finden Eingang in den Film. Desgleichen Enttäuschungen, Erschöpfung, Ängste. Auch die Übermüdung. Der australische Molekularbiologe Keith Chappell wird von der Angst vor Fehlern wachgehalten, seine chinesische Kollegin Wu Guizzen, politisch unter Druck, schläft bisweilen im Stehen, Professorin Katie Ewer in Oxford bekommt ihre Kinder kaum noch zu sehen. Während der Dreharbeiten stirbt ihre Mutter an den Folgen der Corona-Infektion. Überstunden, Wochenendarbeit, Erschöpfung belasten alle Beteiligten. Umso größer die Freude, als die ersehnte Nachricht eintrifft, dass das mühsam hergestellte und mehrfach getestete Produkt wie erhofft – oder sogar besser – funktioniert.

Professor Keith Chappell ist molekularer Virologe an der University of Queensland. Seine Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Impfstoffen und das Verständnis von medizinisch und ökologisch bedeutsamen Viren.

Andere Beteiligte kommen im Film „Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“ auf Arte ebenfalls zu Wort, beispielsweise der Wissenschaftsjournalist Ian Haydon aus Seattle, der sich als Testperson zur Verfügung stellte und das Erlebte mit der Kamera festhielt.

Immer wieder eingeblendet werden Interviews mit den Wissenschaftlern, darunter auch Kizzmekia Corbett vom National Institut of Health in den USA, eine ausgewiesene Expertin für Corona-Viren, die an die Presse ging, um allgemein und als Afroamerikanerin speziell unter Schwarzen für die Impfung zu werben.

BBC, CNN und Arte: „Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“ - Warnung vor fahrlässigem Verhalten

Virologen sind keine Zauberkünstler; die Erschaffung des Impfstoffes war kein Hokuspokus, sondern ein in sich schlüssiger und nachvollziehbarer Prozess. Für die Sorgfalt vor der Freigabe garantieren die wissenschaftlichen Gepflogenheiten. Forschungsergebnisse werden publiziert, in Fachzeitschriften mit qualifizierten Redaktionen. Diese Periodika sind keine Meinungsblätter, sondern veröffentlichen nur überprüfbare, mit wissenschaftlichen Methoden erlangte Daten.

Es gibt Kontrollverfahren, gegenseitigen Austausch. Pfizer testete das Biontech/Pfizer-Vakzin in 150 Studienzentren auf fünf Kontinenten. Auch das ein Faktor, der zur schnellen Produktionsreife des Impfstoffs beitrug.

„Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“, Dienstag, 20.7.2021, 20:15 Uhr, Arte

„Corona: Der Wettlauf um den Impfstoff“ (Arte) ist hochaktuell. Statistiken aus dem Juni und die jüngsten Mutationen des Virus konnten noch berücksichtigt werden. Die Wissenschaftler forschen weiter und warnen ausdrücklich vor fahrlässigem Verhalten, denn Viren sind Überlebenskünstler und reagieren auf veränderte Bedingungen. „Die Arbeit geht weiter“, sagt die britische Professorin Teresa Lambe.

Ein über alle Maßen empfehlenswerter Film, auch für die Verwendung im Unterricht geeignet, wenn man von dem sprachlichen Fauxpas „ausgebremst“ in der Übersetzung einer Erläuterung von Teresa Lambe – hier falsch als Synonym für „bremsen“ verwendet – mal absieht. Auch etwas, dessen Verbreitung man eindämmen sollte. (Harald Keller)

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