Das „Comedy for future“-Festival im Mai in Berlin.
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Das „Comedy for future“-Festival im Mai in Berlin.

TV-Kritik

„Comedy for future“: Stand-Up-Comedy aus dem Leichenhaus

  • Moritz Post
    VonMoritz Post
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Das ZDF zeigt Aufzeichnungen des „Comedy for future“-Festivals. Doch der komische Funke mag nicht überspringen.

Berlin – Das Sommerloch ist da! Und wenn die Produktionsteams von der „heute Show“ um Oliver Welke und Jan Böhmermann mit der Crew des „ZDF Magazin Royal“ in die Sommerpause gehen, dann schlägt alle Jahre wieder am Freitagabend im ZDF zur allerbesten Sendezeit die Stunde der Lacher aus der Konserve. Nun wollen wir aber fair sein: Die Aufzeichnungen, die das ZDF in diesem Sommer zum Start ins Wochenende ausstrahlt, sind immerhin keine alten „Pelzig hält sich“-Folgen mit Frank-Markus Barwasser aus dem vergangenen Jahrzehnt. Heute Abend läuft die zweite Folge. Ein Besuch im Biergarten lohnt jedoch mehr. Denn von der deutschen Stand-Up-Comedy-Szene dürfen wir wirklich gar nichts mehr erwarten.

Das ZDF bietet seinem Publikum in diesem Jahr unter dem Titel „Comedy for future“ Aufzeichnungen vom gleichnamigen Kabarett-Festival, das Ende Mai in Berlin im Schillertheater aufgezeichnet wurde. In einer Pressemitteilung lässt der öffentlich-rechtliche Sender wissen, dass das „Comedy for future“-Festival sich „für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen“ einsetze und hierfür Humor nutze, „um in Dialog zu treten“. Doch wenn wir ehrlich sind, mag der komische Funke für Nachhaltigkeit so recht nicht überzuspringen.

„Comedy for future“ (ZDF): Anspruch, nach vorne zu blicken

Dabei möchte das Stand-Up-Format doch mit dem Zeitgeist gehen: Wurde vor zehn Jahren noch die Erweiterung „Reloaded“ in Titeln von Veranstaltungen verwendet, die vor fünf Jahren dann durch das noch weniger kreative Zahlenanhängsel „2.0“ abgelöst wurde, geht nun also der Trend zu „… for future“. Allein hilft das der deutschen Stand-Up-Comedy nicht. Das „Comedy for future“-Festival gibt sich den Anspruch, nach vorne zu blicken, ist letztlich aber nur eine Veranstaltung zur Selbstvergewisserung der eigenen Unzulänglichkeiten in der Pointenproduktion.

„Comedy for future“ (ZDF)

Die Sendung finden Sie außerdem in der ZDF-Mediathek.

Denn wer gedacht hat, dass nun jungen Menschen die große Bühne geboten wird, der irrt. Durch das Programm führt der im ZDF beinahe unvermeidbare Olaf Schubert. Ein Mann, 54 Jahre alt und den Sendeplatz am Freitagabend sehr gewohnt. Und der moderiert unter anderem an: Abdelkarim, ein Mann, 40 Jahre. Johann König, ein Mann, 50 Jahre. Tobias Mann, ein Mann, 45 Jahre. Eckhard von Hirschhausen, ein Mann, 54 Jahre. Deren Durchschnittsalter liegt zwar im Schnitt unter dem des ZDF-Publikums. Diese Künstler haben mit der einer „Comedy for future“ aber so viel am Hut, wie der Papst mit der Ehe für alle. 

„Comedy for future“ (ZDF): Kein richtungsweisendes Programm

Richtungsweisend ist am Freitagabend im ZDF-Programm wirklich nichts: Von den acht gezeigten Künstler:innen des „Comedy for future“-Festivals ist lediglich eine Person eine Frau, Helene Bockhorst. Und wenig überraschend ist sie die tatsächlich komischste Akteurin der beiden Aufzeichnungen. Die sieben Herren im Bunde hingegen spulen ihre Programme gewohnt runter. Und man kann ihnen sicherlich keine Niveaulosigkeit vorwerfen, wie wir sie von den Privatfernsehen-Comedians des Schlages Chris Tall und Mario Barth kennen. 

Trotzdem haben wir für Abdelkarims Eröffnungspointe doch nur noch Kopfschütteln und ein lautes Stöhnen übrig. Denn der Duisburger beginnt sein Kurzprogramm mit folgender Pointe: „Wenn irgendjemand nicht beim Bekämpfen des Klimawandels mitmacht, dann die Deutsche Bahn.“ Uff… Na klar. „Die Bahn…“.  „Comedy for future“ hatten wir uns dann doch ein wenig anders vorgestellt. Dass der Zusammenschnitt des Comedy-Festivals durch das ZDF auch noch dazu führt, dass sich Pointen in einer 30 Minuten kurzen Sendung doppeln, setzt die Krische auf den Scheißhaufen.

„Comedy for future“ (ZDF): Tote deutsche Stand-Up-Szene aus dem Leichenhaus

Ja. Das Sommerloch stellt die TV-Sender immer wieder vor die Herausforderung, das Lachbedürfnis seines Publikums zu befriedigen. Dafür aber jedes Mal die nicht erst seit gestern tote deutsche Stand-Up-Szene aus dem Leichenhaus rauszuzerren, muss auch nicht sein. Gerade bei den hohen Temperaturen. Zugutehalten kann man den Programmmacher:innen des ZDF, dass sie nicht auf die dumme Idee gekommen sind, auch noch Poetry-Slammer:innen auf die Bühne zu stellen. Doch wenn es in Deutschland keine jungen, queeren und lustigen Menschen gibt, die für die Comedy für die „Fridays for Future“-Generation machen kann, dann empfiehlt sich beispielsweise der Blick nach Österreich: Auf den Bühnen dort treiben Stand-Upper:innen wie Tereza Hossa oder Josef Jöchl ihr Unwesen – und sind dabei tatsächlich witzig. Vielleicht wären die beiden ja was für das kommende Jahr, liebes ZDF? Dann bitte aber ohne den depperten Zusatz „… for future“. (Moritz Post)

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