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Kurt Cobain in „Montage of Heck“.
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Kurt Cobain in „Montage of Heck“.

„Kurt Cobain – Montage of Heck“

Chronik eines angekündigten Todes

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Der sensationelle Dokumentarfilm „Kurt Cobain – Montage of Heck“ von Brett Morgan öffnet erstmals den Nachlass des „Nirvana“-Musikers, der die Begleiterscheinungen des Erfolgs verachtete.

Je schmaler das veröffentlichte Werk eines früh verstorbenen Künstlers, desto größer ist die Sehnsucht nach dem Drumherum. Eine Kreativität, der ein Album wie Nirvanas „Nevermind“ entspringen kann, stellt man sich vor wie das Herz eines ganzen Orkans, und so ist es wohl auch gewesen. Darum herum wehte erst ein Wind, und dann ein Sturm. Er wehte Innerstes nach Außen und verwob es mit diversen Einflüssen zu einem einzugartigen Dokument künstlerischer Selbstfindung. Und was von diesem Orkan niederprasselte, das ist ein weithin ungehobener Schatz.

Als der Dokumentarfilmer Brett Morgan mit dem Segen der Familie den gemieteten Lagerraum betreten durfte, in dem sich Kurt Cobains Nachlass stapelt, war er im ersten Augenblick enttäuscht. Ein paar Kubikmeter Tagebücher, Notizhefte, ein paar Gemälde füllten kaum mehr als eine Ecke der Lagerfläche. Dann aber stieß er auf gut hundert Audiokassetten, frühe Soundcollagen, Mixtapes, akustische Gedankensplitter, frühe Songs. Wie von selbst, so scheint es, fügte sich danach ein Porträtfilm zusammen, wie es ihn so über keinen zweiten Künstler gibt.

„Montage of Heck“, „Höllencollage“, der Titel des ersten Bandes gab den Titel vor. Nur wenige Interviews mit dem engsten Familien- und Freundeskreis ergänzen das Material. Die visuelle Ebene bestimmen Zeichnungen von Cobain, die mittels digitalem Compositing vielleicht etwas zu aufwändig aufbereitet werden. Es gibt keinen Grund, sie aussehen zu lassen wie „Gregs Tagebuch“ in der Schülerfilmserie. Doch dies schmälert nicht die Seriosität der Aufarbeitung.

Auch wenn man nicht anders kann, als dabei an das Cobain’sche Trauma zu denken: Seine Verachtung jener scheinbar unvermeidlichen Begleiterscheinungen des Erfolgs, die sich wie eine Wegwerf-Verpackung vor das Kunstwerk stellen. Geradezu empörend ist die Vermarktungsstrategie des Films, die auf einen Mehrwert durch Verknappung setzt: „Nur für kurze Zeit im Kino“ steht auf dem Plakat, und das ist nicht übertrieben. In Frankfurt läuft der Film lediglich am heutigen Donnerstag, wenn auch in zwei Sälen. Dabei war Cobain selbst, so erfährt man im Film einmal, glücklich, wenn er mit seiner Band im Probenraum spielte und das einzige Publikum aus zwei Nachbarn bestand, die sich über den Lärm beschwerten.

Kurt Cobain gehörte zu einer Künstlergeneration, die an der Schwelle zur Digitalisierung bereits über weitreichende audiovisuelle Mittel verfügte. Homevideos überführen Intimität in private Inszenierungen, die wohl nie auf ein Publikum abzielten. Dennoch entschloss sich Tochter Frances Bean Cobain als Mitproduzentin, auch jene Baby-Aufnahmen von ihr freizugeben, die ihre Eltern unter Drogeneinfluss zeigen.

Es ist schwer, in diesen Bildern etwas anderes zu sehen, als die Chronik eines angekündigten Todes. Und doch dokumentieren sie zugleich die Wucht einer Liebesbeziehung, über die Witwe Courtney Love heute noch ebenso liebevoll reflektiert.

„Montage of Heck“: Diese 132 Minuten sind ein Höllenritt und kratzen zugleich an der Himmelstür: Wie viel tiefer könnte man noch eindringen, wenn man sich die Zeit nähme, in einige dieser Fundstücke einzutauchen? Die ideale Ergänzung dazu ist ein älteres, wenig bekanntes Filmporträt, Al Schnacks „Kurt Cobain: About a Son“, das dem Musiker selbst das Wort gibt – im Interviewschatz des Journalisten Michael Azerrad. Und das dazu assoziative Bilder findet, deren Diskretion man sich für „Montage of Heck“ immer wieder wünscht.

Kurt Cobain – Montage of Heck . USA 2014. Regie: Brett Morgan. Dokumentarfilm, 132 Min.

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