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Christine Kaufmann ist tot.

Schauspiel-Legende

Christine Kaufmann ist tot

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Sie war ein Kinderstar, wurde in Hollywood gefeiert, später zur "schönsten Großmutter Deutschlands" ausgerufen: Christine Kaufmanns Leben hatte viele Facetten. Nun ist sie gestorben.

Wie nur wenige Kinderstars blieb Christine Kaufmann bruchlos erfolgreich. Im jungen Erwachsenenalter wurde sie zum Weltstar, ohne ihre Jugendlichkeit je ganz ablegen zu müssen. Dieser Vorsprung, den sie vor ihren Altersgenossinnen hatte, war mehr als ein Überschuss an Schönheit.

Indem Christine Kaufmann aus ihren frühen Erfahrungen schöpfte, gelang es ihr später, Krisen zu überwinden und gleichsam zu reifen, ohne zu altern. Schon als Teenager blickte sie über den Tellerrand des Adenauer-Kinos, in den frühen Siebzigern gehörte sie zu den wenigen etablierten Filmschauspielerinnen, die die Kunst von Autorenregisseuren wie Werner Schroeter und Peter Zadek für sich zu schätzen wussten.

Dazwischen legte sie den Grundstein zu einer ungewöhnlich vielseitigen Schauspielkarriere, die sie vom Heimatfilm der Fünfziger über den italienischen Sandalenfilm nach Hollywood und schließlich zu Fassbinder und zum modernem Theater führte – und wieder zurück zur großen Fernsehunterhaltung, wie sie in den achtziger Jahren nirgendwo besser in Deutschland gemacht wurde als in ihrer Heimatstadt München. Insbesondere dann, wenn Helmut Dietl Regie führte, der sie unter anderem in „Monaco Franze“ besetzte.

Und wenn sie zwischendurch in Talk Shows auftauchte, wo sie allerhand neugierige Fragen zu ihrem bewegten Leben parieren musste – etwa zu ihrer fünfjährigen Ehe mit Hollywoodstar Tony Curtis – war ihr die Bewunderung all jener sicher, die mit ihr gealtert waren. Christine Kaufmann war ein Vorbild für Menschen, die sich dem Muff der Nachkriegszeit entzogen hatten, ohne gleich Barrikaden zu erklimmen.

Gleichermaßen mädchenhaft wie intelligent, war sie der lebende Beweis, dass es auch im restriktiven Filmgeschäft der Fünfziger und frühen Sechziger weibliche Stars geben konnte, die ihre Identität nicht im Besetzungsbüro abgeben mussten. Vorausgesetzt, man fand im damaligen Unterhaltungsfilm überhaupt lohnende Herausforderungen.

An der Seite Romy Schneiders

1958 spielte sie an der Seite Romy Schneiders im Remake von „Mädchen in Uniform“, der internationale Durchbruch gelang ihr im Folgejahr im prächtigen Ausstattungsfilm „Die letzten Tage von Pompeji“, an dem sich Sergio Leone als Co-Autor und Mitregisseur die ersten Sporen verdiente.

Anspruchsvoller als ihre Rolle einer jungen Christin, die ausgerechnet der historische Vulkanausbruch vor dem Märtyrerinnentod bewahrt, war ihr Part in „Stadt ohne Mitleid“: An der Seite von Kirk Douglas spielt Kaufmann in diesem ungewöhnlichen Militärdrama und Gerichtsfilm ein Vergewaltigungsopfer. Gedreht in Forchheim und Bamberg, wirkt Gottfried Reinhardts schweizerisch-amerikanische Koproduktion noch heute durchaus modern und führt in ein moralkonservatives Westdeutschland, wie man es sonst nur aus Defa-Filmen kennt. Die Stimmung des Kalten Krieges ist dagegen in „Tunnel 28“ festgehalten, Robert Siodmaks Drama, in dem die 17-jährige Kaufmann 1962 eine DDR-Flüchtige spielt.

Als sie im selben Jahr im Abenteuerfilm „Taras Bulba“ spielte, lernte sie Tony Curtis kennen. Doch anstatt nun eine unsichere Hollywoodkarriere anzustreben, zog sie sich vorübergehend zurück und widmete sich ihrer jungen Familie. Werner Schroeter erzählte gern, wie er Christine Kaufmann und ihre beiden Kinder geradezu im Alleingang vor Hollywood bewahrte. Tatsächlich trug er wohl eher künstlerisch zu ihrer Rettung bei: Mit Rollen in seinem Film „Der Tod der Maria Malibran“ (1971) und einer Bochumer „Salomé“-Produktion.

Auch wenn ihr in späteren Jahren ähnlich anspruchsvolle Rollen versagt blieben, blieb sie im Fernsehen präsent, nun als  vielleicht attraktivste Großmutter der Nation. Am 28. März erlag Christine Kaufmann 72-jährig in München ihrer Leukämieerkrankung.

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