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Christian Lindner will beim ZDF-Sommerinterview vor der Bundestagswahl 2021 noch einmal um Wähler:innen werben.
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Christian Lindner will beim ZDF-Sommerinterview vor der Bundestagswahl 2021 noch einmal um Wähler:innen werben.

TV-Kritik: Sommerinterview

Christian Lindner: Kichern von Armin Laschet wird zur „Nebensächlichkeit“

  • Melanie Gottschalk
    VonMelanie Gottschalk
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Christian Lindner will die FDP bei der Bundestagswahl 2021 wieder ganz nach oben bringen. Beim ZDF-Sommerinterview verkündet er wichtige Ideen.

Berlin - In sechs Wochen findet die Bundestagswahl 2021 statt. Die Spitzenpolitiker:innen wollen sich in der heißen Phase des Wahlkampfs den Wähler:innen deshalb unbedingt noch einmal von ihrer besten Seite präsentieren, um ihrer Partei noch einen letzten Schub nach oben zu verpassen. Die alljährlichen Sommerinterviews im ZDF sind da eine gute Gelegenheit. Christian Lindner hat mit seiner FDP schwere Jahre durchgemacht, am 26. September 2021 soll sich das ändern. Doch ein bisschen Überzeugungsarbeit wird er noch leisten müssen.

Die Wähler:innen dürften nämlich noch skeptisch sein, ob die FDP das mit dem Regieren wirklich kann. An diesem Sonntag (15.08.2021) sollte Christian Lindner die Menschen im ZDF-Sommerinterview deshalb überzeugen, dass die gescheiterten Jamaika-Verhandlungen vor vier Jahren ein großes Missverständnis waren, denn: Das waren sie doch, oder? Sicher ist eines, die FDP will wieder Mitregieren, das machte Lindner schon auf dem Parteitag 2020 klar.

Christian Lindner (FDP) will Debakel von 2017 vergessen machen

Christian Lindner will das Debakel von 2017 dabei unbedingt vergessen machen. Damals hatten CDU, FDP und Grüne über eine gemeinsame Koalition verhandelt, am Ende scheiterten die Gespräche aber, die Freien Demokraten ließen sie platzen. Lindner sagte damals – die FDP war nach vier Jahren Abstinenz wieder in den Bundestag gewählt worden – seinen berühmten Satz: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren.“

Es war damals leichtsinnig von Christian Lindner, die Gespräche schnell platzen zu lassen und ganz ehrlich: Was wäre das für eine Rückkehr gewesen? Um es mal mit einem Fußball-Vergleich zu versuchen: Eine Mannschaft, die aus der zweiten Liga in die Bundesliga aufsteigt und direkt Deutscher Meister wird – das hätte ihrem piekfeinen Trainer Lindner sicher gut zu Gesicht gestanden.

NameChristian Wolfgang Lindner
ParteiFDP
PositionBundesvorsitzender
Alter42 Jahre
GeburtsortWuppertal

Dann wäre da auch noch die Klimakrise. Kinder und Jugendliche demonstrieren Woche für Woche gegen den Klimawandel und dessen Folgen. FDP-Chef Christian Lindner gefiel das offenbar nicht, weshalb er sich im März 2019 zu einer kritischen Aussage hinreißen ließ: „Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen.“ Das sei vielmehr „eine Sache für Profis“. Die Aussagen der Schüler:innen klingen jedoch oft ziemlich professionell.

Christian Lindner will FDP unbedingt in die Regierung heben

Entsprechend angekratzt war das Image von Christian Lindner lange auch in seiner eigenen Partei. Doch für die Bundestagswahl 2021 hat er nun zur Attacke geblasen, will die FDP unbedingt in die Regierung heben – und würde dafür sogar Zugeständnisse machen, ganz anders als damals. Die Wähler:innen müssen aber mitmachen.

Was schon vor dem ZDF-Sommerinterview klar ist: Wortreich wird es sicher, Christian Lindner versucht nämlich gerne, seine Widersprüche in einem Regen von Worten zu ertränken. Und so beginnt es dann auch, das ZDF-Sommerinterview, mit vielen Worten. Bevor es thematisch richtig los geht, gibt‘s erstmal ein bisschen Smalltalk. Da geht es um Berlin, die Wahlheimat von Lindner und um „Nebensächlichkeiten“ wie das Kichern des Armin Laschet in einer ernsten Situation. Ob das die Wähler:innen ebenfalls als Nebensächlichkeit bezeichnen würden, ist zu bezweifeln, Umfragen zeigen Gegenteiliges. Wäre wohl cleverer gewesen, hätte Lindner gesagt, dass das vielleicht nicht ganz richtig war.

FDP-Vorsitzender Christian Lindner setzt auf Themen statt auf Sympathien

Dann wird es thematisch ernst. Natürlich geht es um Afghanistan, wo die Taliban nach dem Abzug der internationalen Truppen auf dem Vormarsch ist. Da liegt für ihn das Hauptaugenmerk auf einem drohenden Zustrom von Geflüchteten: „Wir müssen jetzt sehen, dass wir etwas schaffen, damit es nicht erneut zu einem Flüchtlingsstrom kommt wie 2015.“ Wie genau das ablaufen soll, sagt er dann aber nicht. Das wäre ja die spannende Frage gewesen. Doch Moderator Theo Koll hakt nicht mehr nach, er muss in dem kurzen Interview auch viele Themen abarbeiten.

Apropos Themen: Auf die kommt es Christian Lindner an, nicht auf Sympathien oder Ähnliches. Und da sieht er sich der CDU am nächsten. „Die CDU ist dabei, sich nach links zu verschieben. Wir sind schon links genug und die FDP ist dafür da, eine weitere Verschiebung nach links zu verhindern.“ Deshalb hofft Lindner, dass es mit der Koalition diesmal klappt – mit der Union. „ Mir fehlt die Fantasie, wie Rot oder Grün der FDP ein Angebot machen könnten. Sie stehen der Linkspartei ja viel näher.“ Lindner ist sich dabei sicher, dass die CDU den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten wird. Glaskugelgucken zählt offenbar zu seinen Hobbies, oder er hat es sich beim Sternschnuppenregen ganz fest gewünscht. Geht es schief, hockt die FDP vielleicht wieder in der Opposition und Lindner wird nicht Finanzminister, wie er es sich wünscht.

Klar war Lindners Haltung zur Corona-Pandemie: Für doppelt Geimpfte, Genesene und negativ Getestete dürfe es keine Einschränkungen mehr geben. „Wir sollten Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren.“

Christian Lindner (FDP) versucht bei der Klimakrise die Fassung zu wahren

Ja und dann ist da – wie bereits oben erwähnt – auch immer noch die Klimakrise. Ein Einspieler zeigt, dass das nicht gerade das Paradethema der FDP ist. War es noch nie und ist es immer noch nicht. Als die Kamera wieder auf Christian Lindner blendet, versucht dieser, die Fassung zu wahren. „Ich finde meine Position in diesem Beitrag gar nicht wieder“, sagt er dann auch etwas schnippisch. Dass er Schüler:innen riet, das Thema lieber den Profis zu überlassen, dazu sagt er nichts, was vielleicht auch besser ist.

Dass der Porschefahrer Lindner sich beim Thema Mobilität und Klimaschutz nicht auf den Abschied vom Verbrenner-Motor festlegen will und wieder einmal als Alternative die synthetischen Kraftstoffe ins Spiel bringt, verwundert dann auch wenig. Zudem möchte er, dass Deutschland „Technologieweltmeister“ wird – mit „Erfindergeist“, nicht mit Tempolimits. Und dann ist der Spaß auch schon vorbei. Was bleibt also von Christian Lindner, der wie immer in einem schicken Anzug und perfekt sitzender Krawatte auf die Wähler:innen und Moderator Koll einredete? Keine Steuererhöhungen, kein Geflüchtetenstrom, keine Corona-Einschränkungen für doppelt Geimpfte, Genesene und negativ Getestete, keine Tempolimits und die Hoffnung, dass wir schon in wenigen Jahren „Technologieweltmeister“ sind. (msb)

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