Julia Roberts und Paul Giamatti als Claire Stenwick und Richard Garsik in Duplicity.
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Julia Roberts und Paul Giamatti als Claire Stenwick und Richard Garsik in Duplicity.

"Duplicity"

Checkpoint Charade

  • vonMichael Kohler
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"Duplicity - Gemeinsame Geheimsache" ist ein Wirtschaftskrimi im Gewand einer Agentenfarce. Wenn es nur zwischen Julia Roberts und Clive Owen mehr knistern würde. Von Michael Kohler ( mit Trailer)

In Zeiten, in denen aus Wirtschaftsfragen rasch eine Staatsaffäre wird, sehen so vielleicht die wahren Gipfeltreffen aus: Auf einer entlegenen Startbahn stehen sich zwei Privatjets mitsamt Besatzungen gegenüber, Männer und Frauen in gediegener Geschäftskleidung, grimmig entschlossen zu wer weiß was.

Eine Weile hält der peitschende Regen die Delegationen auf Distanz, dann stürzen die erregten Wortführer aus ihrer jeweiligen Phalanx hervor. Grimassierend und fuchtelnd bewegen sie sich im Zeitlupentempo der Kamera aufeinander zu, um vor den Augen ihrer entsetzten Angestellten in den asphaltierten Ring zu steigen.

In seinem düsteren Debütfilm "Michael Clayton" ließ Tony Gilroy eine große Firma mit harten Bandagen und wenig Skrupeln um Profite kämpfen. Nun ist er ins Komödienfach gewechselt und inszeniert den Kapitalismus augenzwinkernd als Fortsetzung des Kalten Kriegs. Bei der Eröffnungsszene auf dem Flugfeld würde man vielleicht an Staatsbesuche oder Agentenaustausch denken, wenn das Ganze nicht eine derart ins Endlose gedehnte Slapstick-Einlage wäre.

"Duplicity - Gemeinsame Geheimsache" ist ein Wirtschaftskrimi im Gewand einer Agentenfarce, bei dem man sich durchaus mit Vorfreude fragt: Wenn es auf der Vorstandsebene schon so zugeht, wie beharken sich dann erst die Untergebenen?

"Duplicity", TrailerUSA 2009

Paul Giamatti und Tom Wilkinson spielen das eine Komödienpaar des Films. Als Führer rivalisierender Kosmetikkonzerne lassen sie nichts unversucht, einander ihre kostbaren Geschäftsgeheimnisse abzujagen, werben gestandene Spione von deren staatlichen Arbeitgebern ab und öffnen so ungewollt dem zweiten, aus Julia Roberts und Clive Owen gebildetem Komödienpärchen die Tür.

Während ihrer Zeit als Spesenritter ihrer Majestät bzw. der CIA haben sich die beiden an einen gewissen Lebensstil gewöhnt und wollen diesen auch nach ihrer Pensionierung behalten. Also lassen sie sich von einem der Konkurrenten rekrutieren, überlegen sich für den geeigneten Moment eine gewiefte Ausstiegsstrategie und arbeiten insgeheim auf eigene Rechnung.

Tony Gilroy erzählt diese Hintergrundgeschichte in kunstvoll eingestreuten Rückblenden, die sich erst nach und nach erschließen und vor allem Zweifel säen sollen: Können die beiden Agenten einander wirklich trauen oder steht am Ende einer als betrogener Betrüger da?

Das Genre erfindet Gilroy damit nicht neu, was auch gar nicht schlimm wäre, wenn es zwischen Roberts und Owen nur etwas vernehmlicher knistern würde. Doch da ist (wie schon in "Hautnah") leider beinahe nichts, und da auch die Hatz nach der neuen Weltformel nicht halb so grandios konstruiert ist, wie Gilroy zu glauben scheint, wünscht man sich nach einer Weile den guten alten James Bond oder wenigstens die angemessen zynischen Versteckspiele eines Steven Soderbergh herbei.

Duplicity, Regie: Tony Gilroy, USA, 125 Minuten.

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