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Charles Sobhraj – Wenn Serienmörder in Serien morden

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Von: Martin Benninghoff

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Streamingdienste machen mit True-Crime-Serien Kasse. Serienmörder Charles Sobhraj, Spitzname „Die Schlange“, ist indes freigelassen worden.

In Zeiten erfolgreicher Streamingdienste kommt dem Begriff „Serienmörder“ eine doppelte Bedeutung zu. Der 1989 in Texas hingerichtete Ted Bundy, der 1994 in Illinois exekutierte John Wayne Gacy, zuletzt Jeffrey Dahmer: Ihnen allen wurde ein kritikwürdiges Denkmal gesetzt, in True-Crime-Serien und flankierenden Dokumentationen.

Der schwächelnde US-Anbieter Netflix konnte mit der Geschichte des Serienmörders Dahmer jüngst sogar den Abo-Schwund stoppen: Der Thriller über den 1994 von einem Mithäftling erschlagenen Gewalttäter ist einer der absoluten Straßenfeger des Streamingdienstes.

Der freigelassene Charles Sobhraj auf dem Weg von Kathmandu nach Frankreich.
Der freigelassene Charles Sobhraj auf dem Weg von Kathmandu nach Frankreich. © AFP

„Die Schlange“: Mini-Serie auf Netflix veröffentlicht

Auch die mörderische Geschichte von Charles Sobhraj und dessen Freundin Marie-Andrée Leclerc passt in diese Reihe erfolgreicher Produktionen, in diesem Fall der BBC. In Deutschland wurde die Mini-Serie auf Netflix veröffentlicht. Der 78 Jahre alte Sobhraj, dessen Lebensgeschichte auch zu mehreren Büchern inspirierte, ist am Freitag (23. Dezember) nach 19 Jahren Haft in einem nepalesischen Gefängnis freigekommen.

Die Entscheidung war vom Obersten Gericht des Himalaya-Staates getroffen worden. Sobald alle Passdokumente und Flugtickets vorliegen, soll er nach Frankreich abgeschoben werden. Der in Vietnam geborene Sobhraj mit französischer Staatsbürgerschaft saß seit 2003 in Kathmandu in Haft, nachdem er wegen des Mordes an zwei US-amerikanischen Touristen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Zuvor hatte er jahrelang in Indien eingesessen. Mindestens ein Dutzend Morde werden mit ihm in Verbindung gebracht, in Indien, Nepal, Thailand, Malaysia.

Serienmörder Charles Sobhraj: Jagd auf Rucksackreisende

Seinen filmreifen Spitznamen „Die Schlange“ hatte sich der Mörder durch seine perfide Listigkeit erworben. In vielen Fällen freundete er sich mit seinen Opfern an, meist jüngeren und unbedarften Rucksack-Touristinnen und -Touristen, bot ihnen Schlafplätze und sorgte für sie, nachdem er seine Opfer unter Drogen gesetzt hatte. Er nahm ihnen die Pässe ab, tötete seine Opfer und reiste unter falscher Identität weiter. So konnte er häufig entkommen.

Gar nicht erst zum Täter werden lassen: Adrian Raines äußerst lesbares, aber nicht immer widerspruchsfreies Sachbuch „Als Mörder geboren“ wagt sich zu einer steilen These vor.

Sobhrajs Verbrechensgeschichte ist nicht nur Gegenstand von Sachbüchern und der Mini-Serie, sondern auch der Bollywood-Produktion „Main Aur Charles“. In „Die Schlange“ verkörpert der Franzose Tahar Rahim den Serienmörder, mit Föhnfrisur und betonter Lässigkeit – als ob der Verbrecher das Zeug zum Popstar hätte.

Sobhraj hat seinen gruseligen „Ruhm“ immer wieder zu Geld gemacht. Schon zwischen der Haft in Indien und Nepal hat er sich für Interviews fürstlich bezahlen lassen. Seinen aktuellen „Marktwert“ kann er nun wieder in Freiheit austesten. (Martin Benninghoff)

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