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Streaming

„Bridgerton“ auf Netflix: Ein schwarzer Duke bricht alle Rekorde und löst bittere Kontroverse aus

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Kritiker:innen der Netflix-Serie „Bridgerton“ akzeptieren Fiktion nur, solange sie nicht ihr Verständnis der Gesellschaftsordnung aufgrund von Hautfarbe sprengt.

Los Angeles - Wir schreiben das Jahr 1813 im vorviktorianischen London. Die Upperclass will ihre Töchter an angemessene Upperclass-Männer verschachern, damit die wieder Söhne und Töchter kriegen, die dann wieder debütieren, und so weiter. Die gähnende Langeweile der Rahmenhandlung von „Bridgerton“ ist aber nichts gegen die inhaltslose Haupthandlung (Achtung, Spoiler!): Die junge Debütantin Daphne Bridgerton und Simon Basset, Duke of Hastings, verlieben sich ineinander. Sie heiraten. Sie will Kinder, er nicht. Sie ist deshalb traurig. Also kriegen sie doch welche. The End.

Zur Info

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick. Mehr zu Netflix und Co.: fr.de/naechste-folge

Kein Thematisieren von Motiven, erst recht keine Innenschau oder ein Hinterfragen der Bedürfnisse der Charaktere. Insbesondere Simons durchaus gerechtfertigte Einwände gegen das Fortführen der toxischen Adelslinie werden nicht näher besprochen. Darüber, warum Daphne Bridgerton eigentlich unbedingt Kinder haben muss, gibt es nichtmal eine Debatte. „Bridgerton“ bricht dennoch alle Rekorde. Laut Netflix hatten nur einen Monat nach der Veröffentlichung bereits 82 Millionen Haushalte die Serie gesehen. Das wäre dann das bisher erfolgreichste Seriendebüt auf Netflix.

Rege-Jean Page als Duke Simon Basset und Phoebe Dynevor als Daphne Bridgerton.

„Bridgerton“ auf Netflix : Fans wollen fiktive Welt - aber bitte weiß

Der Grund, warum viel, und auch negativ, über „Bridgerton“ diskutiert wird, ist aber nicht die dünne Geschichte: Es gibt Menschen, die es stört, dass in der Netflix-Serie Schwarze Menschen vorkommen, die keine Diener oder Hausmädchen sind – sondern Ladys, Lords und sogar die Königin von Großbritannien.

Wir sehen also eine fiktive Geschichte in einer fiktiven Welt, in der es keinen Rassismus, keine Diskriminierung oder Unterdrückung nach Hautfarbe gibt. Nun wünschen sich einige Zuschauer und Zuschauerinnen zwar eine fiktive Geschichte, die sich um die anrüchig-sexy-verkrampfte Gesellschaft des vorviktorianischen Englands dreht. Sie sind aber nur mit der Fiktion einverstanden, wenn die rein weiße High Society des 19. Jahrhundert realistisch abgebildet wird. Auf den Tanzbällen, auf denen sich die jungen Leute umwerben, spielt das Streichquartett nicht Mozart, sondern Taylor Swift und Billie Eilish. Aber man liest merkwürdigerweise keine Beschwerden darüber, dass dies die Grenzen der Fiktion sprenge.

Die Kritik an „Bridgerton“ auf Netflix ist teilweise berechtigt

Aber die Kritik an der Darstellung einer utopischen, nicht-rassistischen britischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert hat durchaus einen berechtigten Aspekt: Kann diese fiktive Darstellung einer Geschichtsperiode gerade den vielen jungen Zuschauern und Zuschauerinnen nicht allzu leicht als Realität erscheinen? Es ist wichtig, dass die brutale Geschichte des Kolonialismus nicht hinter einer verklärten Darstellung in Vergessenheit gerät.

Golda Rosheuvel als Königin Charlotte.

Aber: „Bridgerton“ selbst bringt die Problematik zumindest am Rande zur Sprache. In der vierten Folge der Netflix-Serie sagt Lady Danbury zu Simon Basset: „Wir waren zwei verschiedene Gesellschaften, die nach Hautfarbe getrennt waren, bis sich ein König in eine von uns verliebte.“ Der Duke of Hastings entgegnet: „Der König mag seine Königin gewählt haben und vielleicht hat er uns von exotischen Wesen, als die sie uns sahen, zu Adeligen und Hoheiten erhoben, doch bei anderer Stimmung könnte er genauso gut seine Meinung ändern.“

„Bridgerton“ auf Netflix: Kritik ist unhaltbar und ist tendenziell rassistisch

„Bridgerton“ hat es großartig umgesetzt, mehr Diversität ins TV zu bringen. Und die Kritik derer, die mit einem angeblich unrealistischen Szenario argumentieren, bleibt im Kontext einer fiktiven Serie unhaltbar und ist tendenziell rassistisch, da die Kritikerinnen und Kritiker Fiktion offensichtlich nur so weit zu akzeptieren bereit sind, als sie nicht ihr Verständnis der Gesellschaftsordnung aufgrund von Hautfarbe sprengt. Wenn ein Schwarzer Mann als Duke über die Vorstellungskraft geht und die Geschichte kaputt macht, sollte man die eigene Einstellung vielleicht einmal hinterfragen.

Es wäre aber eine schöne Idee gewesen, das Grauen des Kolonialismus zu Beginn jeder Folge in einem Disclaimer zu erwähnen. Schaden kann das nämlich nie. (Sonja Thomaser)

Rubriklistenbild: © Imago Images

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