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Tatort „Liebeswut“ aus Bremen heute im Ersten: Zu viel – oder zu wenig

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Von: Sylvia Staude

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Moormann, Schaballa (und seine Mutter) staunen über eine alte Dachluke. Radio Bremen/Claudia Konerding
Bremen-Tatort „Liebeswut“: Moormann, Schaballa (und seine Mutter) staunen über eine alte Dachluke. © Radio Bremen/Claudia Konerding

Ein etwas angestrengter Bremen-Tatort über Menschen, die nicht im richtigen Maß lieben.

Bremen - Ist es inzwischen Einstellungsvoraussetzung für Kriminalkommissarinnen und -kommissare, dass sie üble Flashbacks oder ein wenigstens mittelgroßes familiäres Trauma vorweisen können? Jetzt ist, in ihrem dritten Tatort-Einsatz, Jasna Fritzi Bauer dran – aber war Liv Moormann nicht gerade noch die Stabilität und Resolutheit in Person? Trotz oder vielleicht ja gerade wegen ihrer geringen Körpergröße?

Jetzt lösen ein rotes Tüllkleid, das die Tote trägt, und ein eisschleckender, fleckigen Feinripp tragender Koloss, Aljoscha Stadelmann als Gernot Schaballa, wüste Flashbacks in ihre Kindheit aus (haben wir uns verhört, oder sagt Stadelmann tatsächlich zweimal „Fritzi“ zu, äh, „Liv“?) Liv Moormann erinnert sich nicht, was damals passiert ist. Dann erinnert sie sich doch.

Tatort am Sonntag: Thematische Liebes-Zange mit verschiedenen Liebes-Varianten

In blutiges, waberndes Rot getränkt ist der Vorspann von „Liebeswut“, dazu philosophiert Moormann: „Die falsche Dosis Liebe, die reißt uns alle in den Abgrund.“ Um am Ende des Films anzulangen bei „Auch zu wenig Liebe verfolgt dich für immer.“ Martina Mouchot, Buch, und Anne Zohra Berrached, Regie, bemühen sich also um eine thematische Liebes-Zange mit allerlei Liebes-Varianten.

Zu denen am Rande auch gehört, dass Kollegin Linda Selb, Luise Wolfram, unfähig ist zu Empathie. Aber, sieh an, sie übt, durchaus gewissenhaft: man sieht sie Liv vorsichtig anfassen, streicheln, zart auf den Oberarm klopfen – und spürt dabei die Ratlosigkeit, welche Geste in dieser heiklen Situation (Kollegin verzweifelt) die richtige ist.

Bremen-Tatort: Eine der hübschesten Szenen überhaupt

Es ist eine der hübschesten Szenen in einem Tatort, der sich ansonsten ein bisschen zu sehr anstrengt, der raunt, bauscht, bedeutungshubert – dies aber immerhin mit vollem atmosphärischem, horrormäßigem Einsatz.

Eine Tote liegt in ihrem (roten) Hochzeitskleid auf dem Bett, sie hat sich wohl selbst erschossen. Hinter ihr eine Riesenschrift an der Wand, dort ist vom Teufel die Rede, der aus der Wand spricht, flüstert: „er wird sie hohlen“ (sic). Sie? Etwa die beiden Kinder der Frau, die lange vor der Schule auf die Mutter warteten, die dann spurlos verschwunden sind? „Statistisch gesehen“, kombiniert Selb, „erschießen sich Frauen nicht.“ Und: „Das ist ’ne Nachricht an uns, ein Arbeitsauftrag.“

Tatort in der ARD: Widersprüche und ein verdächtiger Vater

Man kann den zwei Ermittlerinnen im Folgenden nicht vorwerfen, diesen Arbeitsauftrag nicht ernst zu nehmen. Beide verdächtigen den Vater, Thomas Kramer (Matthias Matschke), der inzwischen die halb so alte Jaqueline geschwängert hat (Milena Kaltenbach als Dummchen – aber ist sie das wirklich?). Kramer verstrickt sich, wie es so schön heißt, in Widersprüche.

Darsteller:in:Rolle:
Luise WolframLinda Selb
Jasna Fritzi BauerLiv Moormann
Matthias MatschkeThomas Kramer
Aljoscha StadelmannGernot Schaballa
Ulrike KrumbiegelSybille Dobeleit
Dirk MartensJoachim Conradi\t
Thomas SchendelBurkhard Dobeleit
Milena KaltenbachJaqueline Deppe
Ella BielekeTherese Kramer
Ava BielekeConstanze Kramer\t
Lotta HerzogLiv Moormann (als Kind)\t
Quelle: daserste.de

Als nächstes verdächtigt Selb den Hausmeister der Schule, Conradi (Dirk Martens), eine in der Tat unheimliche, unheimlich herumschleichende Gestalt. Während Moormann, siehe Flashbacks, sicher ist, dass Schaballa dieser durch die Wand flüsternde Teufel ist. Und immer noch rätseln sie, was die Tote ihnen sagen wollte.

Bremen-Tatort: Wer muss hier wegen der Liebe sterben?

Wer liebt zu viel? Zu wenig? Wer liebt falsch? Wer weiß aus der Liebe keinen Ausweg mehr? Wer muss hier deswegen noch sterben?

Zu viele, bis es zuletzt auch der „Teufel“ ist. Können sich die doch eigentlich so patenten und blitzgescheiten Ermittlerinnen Selb und Moormann also nächstes Mal bitte wieder auf ihre Arbeit konzentrieren? Jetzt, wo Liv Moormann sich erinnert hat, dass sie einfach zu wenig geliebt wurde. Jetzt wo wir gesehen haben, dass sogar Linda Selb in Sachen Mitgefühl lernfähig ist. (Sylvia Staude)

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