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Botox oder Spreckröllchen?

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Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Bei Maischberger geht es um die Frage, ob und wie viele ärztliche Eingriffe für die Schönheit legitim sind. Der Konsens unter den Gästen: Der Schönheitswahn stresst, jede Falte gehört zum Leben.

Von Timo Lehmann

Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Die mit Botox und Silikon, gekürzten Zehen und implantierten Haaren, oder doch lieber die mit natürlichen Falten und Speckröllchen? „Der Alles-ist-machbar-Körper: Jeder kann schlank, jeder kann schön“ hieß das Thema der Runde in Menschen bei Maischberger am späten Dienstagabend. Zu Gast waren sechs Zwerge: Mediziner, Trainer, dick und dünn, operiert und konserviert.

Die fernsehbekannte Millionärin Carmen Geiss („Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie“) ließ sich mit 22 Jahren das erste Mal die Brüste operieren. Mit einem maßvollen Einsatz von Skalpell und Spritze für die ästhetische Verfeinerung hat die 49-Jährige kein Problem. „Ich schaue mir ja auch gerne attraktive Menschen an.“ Ausschlaggebend sei aber immer sie selbst. „Mein Mann war gegen die Operation meiner Oberweite.“ Auch an einen Stümper war sie schon geraten, das „Baumarktbotox“ musste sie deshalb später wieder aus ihren Lippen rausnehmen lassen.

„Schönheit geht von Innen nach Außen“, findet Michaela May und lehnt deshalb jede Schönheitsoperation ab. Auch das Negative zeichne sich im Gesicht fest, jede Falte gehört zum Leben. Auch mit den zwei, drei Kilo mehr im Alter hat sich die Schauspielerin abgefunden. Sie sieht vor allem bei jungen Menschen die Gefahr, sie könnten einem falschen Ideal hinterherlaufen.

„Wenn die Seele verletzt ist, hilft auch keine Operation.“ Der Wissenschaftsjournalist Dr. Werner Bartens rät ebenfalls ab. Ein Großteil der Unzufriedenen könne auch nicht mit einem operativen Eingriff geholfen werden, vielmehr sei die Psyche ausschlaggebend. Oftmals liege bei den Kunden – keine Patienten, wie er betont – eine Körperbildstörung vor. Auch noch so viele Operationen würden da nicht helfen.

Für die Vielfalt an möglichen Körperverbesserungen und als Vertreter der ausführenden Ärzte bereicherte der Chirurg Dr. Dietmar Löffler die Runde. Das Rundumpaket, inklusive Fettabsaugung und Penisvergrößerung, kostet beim Schönheitschirurgen 45.000 Euro. 1.500 bis 2.000 Euro kostet es, wenn sich jemand einen Zeh verlängern will. Nicht aber bei Dr. Löffler: „Machen wir nicht. Wadenimplantate hatten wir auch erst ein Mal.“

Wie sieht es mit dem Trend zur Haartransplantation bei Männern aus? Jürgen Klopp, Christian Lindner und andere Promis machten es vor. „Ich finde Geheimratsecken immer noch sexy“, meint Bartens.

Große Einigkeit, wenig Kontroversen – so richtig kuschelig wurde es, als Natalie Rosenke ins Gespräch einstieg. Rosenke ist Dickenaktivistin, setzt sich also für die Rechte von Dicken ein. Der ganze Schönheitswahn stresse und das sei ungesund, meint sie und stört sich am „Kanon der Vorurteile gegenüber Dicken“. Verständnis kommt aus der ganzen Reihe, auch vom Fitnesscoach Patric Heizmann.

Heizmann betonte, es komme auf das Wohlfühlen an. „Es gibt dicke Fitte, und schlanke Unfitte.“ Von jeder Form von Diät rät er ab. Auch Carmen Geiss versteht die Diskussion um die Kilos nicht. Wenn man sich dick wohlfühle und selbstbewusst damit umgehe, sei doch alles wunderbar. Der BMI (Bodymaßindex) sei inzwischen übrigens überholt, klärte Bartens auf: „Übergewicht sollte in Idealgewicht umbenannt werden.“ Ob er damit den nächsten Trend setzt?

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