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Naomi Campbell zickt in gewohnter Weise in "Empire" auf ProSieben.
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Naomi Campbell zickt in gewohnter Weise in "Empire" auf ProSieben.

„Empire“, ProSieben

Der Boss, die Macht und das Musikgeschäft

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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In den USA verzeichnet die Premium-Soap „Empire“ erstaunliche Zuschauerzahlen. Jetzt startet die mit Sex und Emotionen aufgeladene Erfolgsserie über die Fehde um ein modernes Musikimperium bei ProSieben.

Veronica (Veronika Bozeman) legt sehr viel Gefühl in ihre R & B-Ballade, aber Lucious Lyon (Terrence Howard) lässt die Plattenaufnahme stoppen. Der frühere Rapper und jetzige Entertainment-Mogul ist nicht zufrieden. „Ich möchte, dass du singst, als ob du morgen sterben würdest“, fordert er und erntet einen genervten Augenaufschlag. Auch der Toningenieur und Lyons Lebens- und Arbeitspartnerin Anika Calhoun (Grace Gealey) wissen nicht so recht, worauf der Chef hinaus will. Mit einem psychologischen Trick spornt er die Sängerin zur Höchstleistung an. Und muss sich viel Mühe geben, seine Rührung vor den anderen zu verbergen.

Die sollen nicht wissen, dass Lucious die gewünschte Stimmung besser nachvollziehen kann, als ihm lieb ist. Er leidet an einer unheilbaren degenerativen Nervenkrankheit. Nach Meinung seiner Ärztin bleiben ihm noch ungefähr drei Jahre. Die will er nutzen, um die Zukunft seines Imperiums zu sichern. Er ruft eine Art Wettbewerb aus unter seinen drei ungleichen Söhnen. Krawattenträger Andre (Trai Byers), der Älteste, ist seit langem im Unternehmen engagiert. Er nimmt übel, dass er nicht gleich mit der Führung betraut wird. Jamal (Jussie Smollett), ein hochbegabter, charismatischer Musiker, wird seiner Homosexualität wegen vom Vater verachtet. Lieber kümmert der sich um die Karriere seines Jüngsten, Hakeem (Bryshere Y. Gray alias Yazz), der als Rapper reüssieren möchte. Das verwöhnte Früchtchen, das immer wieder Skandale provoziert, scheint von allen dreien am wenigsten geeignet, den „Empire“-Konzern zu leiten.

Es brodelt bereits mächtig in Lyons kleinem Reich, aber dann wird auch noch seine Exfrau Cookie (Taraji P. Henson) nach siebzehn Jahren aus der Haft entlassen. Sie platzt wie ein wütender Racheengel ins Leben ihrer Familie und fordert unverblümt ihren Anteil an „Empire“, denn sie hatte seinerzeit Lucious gemanagt und ihm zu den Erfolgen verholfen, die ihm die spätere Karriere als Unternehmer erst ermöglichten. Und sie kennt einige Geheimnisse aus Lucious Vergangenheit, deren Bekanntwerden der einstige Drogengangster, der inzwischen sogar den US-Präsidenten zu seinen Freuden zählt, um jeden Preis verhindern möchte. Notfalls greift er wieder zum Mittel der Gewalt.

Der Saisongewinner

„Empire“, eine fiebrig aufgeladene Glamoursaga um die Auseinandersetzungen innerhalb des Lyon-Clans und die bisweilen wenig zimperlich ausgetragenen Konkurrenzkämpfe in der Musikindustrie, ist in den USA der Überraschungserfolg des Jahres. Die Floskel „die Erfolgsserie aus den USA“ findet hierzulande oft Verwendung, besagt aber wenig, denn im Fernsehgeschäft bemisst sich Erfolg an den jeweiligen Geschäftsmodellen. Um die Verhältnisse zu illustrieren: Für den Abokanal AMC war die Serie „Mad Men“ ein Gewinn, weil sie ein wohlhabendes, gebildetes Publikum anzog und damit für die Werbetreibenden interessant wurde. Den quantitativen Quoten nach wäre sie als Flop verbucht worden – die letzte Folge „Mad Men“ brachte zwar noch einmal einen Aufschwung, wurde aber nur von 3,3 Millionen Zuschauer gesehen. „Game of Thrones“, ebenfalls bei einem Abokanal beheimatet, verzeichnete jüngst zum Staffelfinale 8,1 Millionen Zuschauer. Der absolute Publikumsrenner in den USA ist „Navy CIS“ beim landesweiten Senderverbund CBS – dort erreicht man schon mal stolze 18 Millionen Zuschauer.

So weit ist „Empire“, ebenfalls eine frei empfangbare Network-Serie, zwar noch nicht, ist aber als Gewinner der Saison nahe dran und hat eine Besonderheit zu bieten: Die Zuschauerzahlen sind von Folge zu Folge gestiegen. Im Normalfall ist es umgekehrt – Pilotfilme ziehen viele neugierige Zuschauer an, danach pendeln sich die Quoten bestenfalls auf niedrigerem Niveau ein. Oder stürzen ab.

In den USA spekulieren Medien und Metier über die Ursachen dieses unerhörten Vorgangs. Die vom Sender initiierte umfassende Nutzung der sozialen Medien durch alle Beteiligten spielt sicher mit hinein. Hinzu kommt, dass „Empire“ dem gleicht, was im Kino ein „exploitation movie“ genannt wird: Autoren und Regie überziehen, wo immer es geht, beuten jede Emotionen nach Kräften aus, arbeiten mit schillernden Oberflächenreizen, vor allem mit sexuellen Darstellungen, so weit sie die Beschränkungen der frei empfangbaren Sender eben zulassen. Beispiel: Als ein Freund der Familie Lyon ermordet wird, bittet Andre die stellvertretende Bürgermeisterin um Informationen zum Stand der Ermittlungen. Die erwartet im Gegenzug eine sexuelle Gefälligkeit – und beugt sich gleich herausfordernd über ihren Schreibtisch. Später wiederholt sich die Szene mit Andres eigener Frau.

Stelldichein der Pop-Prominenz

Bezeichnend für das Frauenbild dieser Serie – die weiblichen Figuren treten vorrangig als intrigante Biester, allzeit willige Objekte oder leichtgeschürzte Staffage in Erscheinung. Diese grelle Übersexualisierung darf man als strategische Maßnahme im Konkurrenzkampf mit den Abo- und Web-Anbietern werten, die in Sachen Gewalt- und Sexdarstellung weniger strikten Regeln unterliegen und eben mit solchen, bisweilen exzessiv ausgereizten spekulativen Mätzchen Stammkunden zu gewinnen suchen.

Verwunderlich bleibt die Tonart schon, denn die Serie wurde von Danny Strong und Lee Daniels konzipiert, die zuvor unter anderem mit Arthouse-Kinofilmen wie „Precious – Das Leben ist kostbar“ und „Der Butler“ hervorgetreten sind. Auch „Empire“ war zunächst für die Leinwand gedacht, wurde dann aber auf Lee Daniels Betreiben in ein Serienkonzept umgemünzt. Sonderlich originell ist es nicht, es wird remixt und gesampelt. Die Exposition orientiert sich an dem 1968 verfilmten Bühnenstück „Der Löwe im Winter“, weitergeführt als Pastiche aus bekannten Motiven: Den von geistigem Verfall bedrohten Machtmenschen gab es 2011 in „Boss“, den schwarzen Ex-Gangster, der ehrbar werden möchte, aber von seiner Vergangenheit eingeholt wird, 2014 in „Power“. Und die Hoffnungen, Niederlagen und trüben Machenschaften in der Musikindustrie beschreibt Callie Khouri – inklusive der Problematik schwuler Künstler in einer homophoben Branche – in ihrer Serie „Nashville“ seit 2012 um einiges präziser, sensibler und wahrhaftiger.

Wie in „Nashville“, gibt es in „Empire“ Auftritte namhafter Popmusiker; als Gaststars oder längerfristig Mitwirkende sind unter anderem Gladys Knight, Rita Ora, Patti LaBelle, Courtney Love und Snoop Dog zu sehen. Für die zahlreichen Musikeinlagen zeichnet im wesentlichen Produzent Tim Mosley alias Timbaland verantwortlich. Der Soundtrack wird in Kürze auch in Deutschland veröffentlicht.

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