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Hauptsache Action ist das Motto im Film "James Bond 007: Ein Quantum Trost". Daniel Craig spielt den britischen Geheimagenten.
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Hauptsache Action ist das Motto im Film "James Bond 007: Ein Quantum Trost". Daniel Craig spielt den britischen Geheimagenten.

Filmkritik

Die Bond-Identität

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Marc Forsters ambitionierter 007-Film "Ein Quantum Trost" bricht mit der Tradition. Bei Regisseur Mark Forster können die Fans lange auf die altbekannten Rituale warten.

Alfred Hitchcock bemerkte früh, dass Markenzeichen auch lästige Nebenwirkungen haben können: Die Kurzauftritte des Regisseurs in seinen Filmen waren bald so populär, dass viele Zuschauer nur noch darauf warteten. So legte er sie meist vorsichtshalber an die Filmanfänge, um nicht lange von der Handlung abzulenken.

Nicht von ungefähr ließen auch die schönsten Rituale der 007-Filme nie lange auf sich warten: Beginnend mit Song und Trickvorspann über die Ausstaffierung mit neuestem Gefährt und technischem Schnickschnack bis hin zur vielzitierten Kurzvorstellung: "Bond, James Bond".

Bei Regisseur Mark Forster können die Fans nun lange warten. Es gibt keinen Schnickschnack und keine Visitenkarte. Dass es überhaupt den Song-Vorspann gibt, wenn auch leider nicht aus der Kehle der unpässlich gewordenen Erstbesetzung Amy Winehouse (sondern von Jack White und Alicia Keys), ist nur ein Quäntchen Trost. Denn auch danach ist vieles anders als gewohnt.

Mit der ausbleibenden formellen Vorstellung gibt Bond, James Bond, gleich einen Gutteil seiner Identität an Miss Moneypennys Garderobe ab. Was immer auch die Identität eines Geheimagenten wert ist. Denn ist nicht ein guter Spion einer, an den man sich eben nicht so leicht erinnert?

Daniel Craig ist immerhin der erste Bond, der überhaupt wie ein Geheimagent aussieht. Er ähnelt deutlich dem bekanntesten Agent der Welt, Ex-KGB-Mann Wladimir Putin. So jemanden gegen einen Monopolisten für Energie-Reserven kämpfen zu sehen, ist allerdings ein irritierender Anblick. Ein falscher Öko-Unternehmer, der sich in Wahrheit elementare Ressourcen aneignet, ist diesmal sein Gegenspieler, erstaunlich blass gespielt von dem französischen Charakter-Star Mathieu Amalric ("Schmetterling und Taucherglocke").

Wie lästige Abstecher auf einer fremdbestimmten Geschäftsreise wirken diesmal die Spielorte. Zwar werden noch immer ein paar bekannte Touristenziele den kalkulierbaren Risiken imposanter Stunt-Szenen ausgesetzt: der Gardasee, die Marmorbrüche von Carrara oder - wer wollte da je hin - die pompösen Bregenzer Opernfestspiele.

Doch nur ganz selten geschieht etwas Lässig-Bravouröses, etwas, das Beifall verdient - wie ein kleiner Moment, in dem Bond einen Gegner mit einem leichten Handschlag vom Motorrad fegt. Sehenswürdigkeiten aus Fleisch und Blut scheinen noch weniger zu reizen - Sex ist kein Thema im neuen Bond. Mehr noch als im Vorgängerfilm "Casino Royale" ist Daniel Craigs Martini-resistenter Agent der Bond, der stets verneint.

Ian Flemings gleichnamige Kurzgeschichte, von dem nur der Titel übernommen wurde, zeigte den Helden lediglich als wenig interessierten Adressaten einer Party-Anekdote. "Ein Quantum Trost" handelt von einem Helden, dem das Spektakel, das er um sich herum entfacht, nicht das mindeste bedeutet. Mit dem Tod seiner Geliebten - die tragische Liebesgeschichte von "Casino Royale" setzt der Film als bekannt voraus - hat Bond auch jene Eigenschaft verlorenen, die ihn bislang mehr als alles andere charakterisierte: seinen Narzissmus.

Man kann lange darüber streiten, welche Bond-Darstellung bisher die beste war: Selbstverliebt aber waren sie alle. Und weil sich 007 nun selber nicht mehr mag, können wir uns am ganzen "Bond" auch nicht so recht freuen.

Marc Forsters Agent kämpft diesmal weder für Ihre Majestät noch irgendeine andere weltliche oder moralische Autorität. Er kämpft allein für sich und die Rache an jenen skrupellosen Mächten, die ihm im Vorgängerfilm die Liebe seines Lebens raubten.

Und wenn die Liebe fehlt, ist bekanntlich alles grau in grau. Die abwesende Vesper Lynd spürt man in jeder Szene. Alles, was ihre Darstellerin Eva Green in den letzten Film einbrachte an Charme, Abenteuerlust und Sinnlichkeit, ist diesem "Bond" verloren.

Aber liegt in diesen drei Attributen nicht, ganz allgemein gesprochen, überhaupt das eigentliche Bond-Rezept? Charme, Abenteuerlust, Sinnlichkeit: Das Trio glänzt durch Abwesenheit. So ist das eben, wenn man trauert: Alles fehlt. Das Leben, die Schönheit, sogar die Sonnenwärme kann man selbst an einem exotischen Spielort wie Haiti nicht mehr spüren. Dieser Film ist wie das Lied von Bill Withers: "Ain\'t No Sunshine When You\'re Gone".

Marc Forster hat sich vor allem ein abstraktes, künstlerisches Problem vorgenommen: Die Darstellung von stumpfer, unverarbeiteter Trauer. Ein Gefühl, dem nichts Ruhmreiches anhaftet und das, wenn es einen gefährlichen Agenten befällt, die ganze Welt unter sich begraben kann. Davon erzählte allerdings auch schon, unendlich virtuoser, der jüngste Batman-Film "The Dark Knight". Wieder geht es um einen allgemeinen Werteverlust.

Wenn sich die britische Regierung aus ökonomischen Interessen weigert, einen skrupellosen Energie-Monopolisten zu bekämpfen, hat nicht nur James Bond ein Loyalitätsproblem. Aber der Regierungsangestellte ist von diesem Werteverfall noch stärker betroffen als der Freiberufler Batman. Kein Wunder, dass er seinen Job in diesem Film erst einmal hinwirft.

Und wie in der Batman\'schen Finsternis gibt es auch im endlosen moralischen Nebel von "Ein Quantum Trost" vor allem eines: Action. Die kurze Laufzeit von 105 Minuten - es ist der bislang kürzeste Bond - lässt wenig Raum für Dialoge.

Man fühlt sich wie in der dritten Fortsetzung der "Bourne-Identität": atemlos und ohne Ziel. Und das ist dann auch der Vergleich, der diesen überaus ambitionierten Film endgültig zurück auf den Teppich holt: Auch wenn der Mehrwert, das besondere Flair der Bond-Serie nichts als Angeberei gewesen sein sollte, war diese Pose doch die einzig angemessene. Ein Bond ohne seine Bond-Identität ist nur ein Actionfilm wie jeder andere.

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