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„Warum habe ich nur so viele Jahre verschwendet?“, fragt BoJack Horseman nach gelungenem Entzug.

„BoJack Horseman“

Kommt ein Pferd in die Entzugsklinik ...

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„BoJack Horseman“ erkennt in der finalen Staffel seine radikale Freiheit an – und wird clean. Die Serienkolumne „Nächste Folge“.

In „BoJack Horseman“ geht es um nichts Geringeres als die Bedeutungslosigkeit des Seins, schwere Depression und die Verantwortlichkeit für das eigene Handeln. Man erwartet vielleicht nicht direkt, dass sich eine bunte, fröhlich anmutende anthropomorphe Animationsserie mit derart schweren Fragen beschäftigt. Aber genau das tut „BoJack Horseman“.

Zurzeit läuft auf Netflix der erste Teil der finalen Staffel, der zweite Teil folgt im Januar 2020. Nach sechs Staffeln ist nun also Schluss. Ein herber Verlust, denn „BoJack Horseman“ ist eine der besten Serien der letzten Jahre, mit viel Humor, politisch hintergründigem Plot und der Beschäftigung mit tiefenpsychologischen Problemen.

BoJack, das titelgebende Pferd, ein abgehalfterter TV-Star, ist ein depressives Alkoholiker-Wrack und trifft oft schlechte Entscheidungen, mit denen er sich und anderen Menschen schadet. Verantwortung weist er aber von sich, als er darauf hingewiesen wird: „Ich bin für mein eigenes Glück verantwortlich? Ich kann nicht mal für mein eigenes Frühstück verantwortlich sein!“

„BoJack Horseman“: Es liegt alles an ihm selbst

Es geht um das Thema radikale Freiheit, die Jean-Paul Sartre zum Gegenstand seiner Philosophie machte: „Der Mensch ist dazu verurteilt, frei zu sein.“ Es gibt für Sartre praktisch keine Lebenssituation, in der der Mensch nicht die Wahl hätte und damit nicht für sein Handeln verantwortlich wäre.

Aus dieser Sichtweise ergibt sich für BoJack natürlich ein Problem, denn er schiebt sein Handeln immer auf äußere Umstände, die ihn angeblich zu dem gemacht haben, was er ist. „BoJack, hör einfach auf“, sagt sein Freund Todd einmal zu ihm: Alles , was bei ihm falsch liefe, läge nämlich nicht am Alkohol, den Drogen oder den traumatischen Sachen, die ihm im Laufe seiner Karriere oder als Kind passiert seien: „Es liegt an dir, klar? Das bist alles du.“

Man ist die Person, die man ist. Es gibt kein „Tief drinnen“, das man wirklich ist, das unter den schlechten Taten schlummert, an das BoJack so verzweifelt glauben will, und sein Dasein nur deshalb noch erträgt. Man ist die Summe seiner Taten.

Aber radikale Freiheit bedeutet dann auch, dass man die Freiheit hat, anders zu handeln.

„BoJack Horseman“ hört in Staffel 6 auf, der Spielball seiner Traumata zu sein

Im ersten Teil der letzten Staffel begegnen wir einem veränderten BoJack. Nachdem die Serie fünf Staffeln lang seinen Strudel Richtung Abgrund gezeigt hat, schafft er dank Entzugsklinik nun den Wandel. Er hört auf, der Spielball seiner Traumata zu sein, sie als Rechtfertigung für seine schlechten Taten zu benutzen, und übernimmt Verantwortung. „Warum habe ich nur so viele Jahre verschwendet?“, fragt er an einer Stelle.

Die Frage die sich stellt, ist, was passiert, wenn seine schlimmsten Taten der Öffentlichkeit und seinem Umfeld bekannt werden. Denn darauf steuern die letzten Folgen „BoJack Horseman“ nun zu. BoJack hatte fast Sex mit der 17-jährigen Tochter einer alten Freundin, ist Mitverantwortlich für den Tod seiner Serientochter und würgte eine Kollegin fast zu Tode. Dadurch ergibt sich ein Zwiespalt für die Zuschauer*innen, die eigentlich nicht wollen, das BoJack etwas Schlechtes widerfährt. Aber ist es nicht sogar besser, wenn er mit seinen Taten von außen konfrontiert und tatsächlich juristisch und von anderen Menschen zur Verantwortung gezogen wird? Schon alleine im Hinblick auf Gerechtigkeit seinen Opfern gegenüber?

Er selbst hat Konsequenzen aus den Taten gezogen. Dank Entzug, Therapie und der Anerkennung der radikalen Freiheit und der Verantwortung, die sich daraus ergibt, ergreift er die Möglichkeit, sein Handeln zu ändern.

Man wünscht sich, dass er es schafft. Denn dann hätte die Serie eine sehr positive Message. Nämlich, dass es immer die Möglichkeit gibt, sich zu ändern und das Leben auf die Reihe zu kriegen.

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