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ZDF Magazin Royale: Böhmermann kritisiert TUI-Doppelmoral im Ukraine-Krieg

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Von: Lukas Zigo

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Moderator Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale.
Moderator Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale. © Screenshot/ZDF

Jan Böhmermann behandelt in der Jubiläumsausgabe des ZDF Magazin Royale die Vergangenheit des Tui-Konzers und dessen Vorgängerunternehmen, der Preussag AG.

Köln – Die Jubiläumsausgabe Nummer 50 des ZDF Magazin Royale eröffnet Jan Böhmermann mit einem für seine Sendung ungewohntem Showelement. Eine zu in der Sendung gewinnbare „Traumreise powerd by Tui“ gibt uns einen Vorgeschmack auf das Hauptthema der Sendung. Doch bevor es an den aufdeckenden, zumal investigativ aufwendigen Teil geht, führt der geübte Radiomoderator Jan Böhmermann dem Publikum in der Form eines Song-Intros die Gerhard Schröder entzogenen Altkanzler-Privilegien vor.

SendungZDF Magazin Royale
BesetzungJan Böhmermann, Miguel T Robitzky
GenreLate-Night-Show, Satire, Comedy
AusstrahlungsturnusJeden Freitag, 23.00 Uhr

Daraufhin geht der „Zertifizierte US-Profiler und Analyst“ Miguel T Robitzky in der ersten Ausgabe des Formats „Bube, Dame, König Täter“ auf den Geisteszustand von Barbara Schöneberger ein. Die „verdächtig unverdächtigen“ soll dieses Format unter die Lupe nehmen und so begeben wir uns auf eine Reise durch die Instagram-Post Schönebergers. Anhand einiger, zugegebenermaßen merkwürdigen, Video-Beiträge der Moderatorin kommt Robitzky zu dem Ergebnis, Schöneberger sei zu 7 Prozent Schwamm, zu 20 Prozent Schokohase und zu ganzen 73 Prozent Serienmörderin. Nach dieser wissenschaftlich einwandfreien Analyse widmet sich Böhmermann dem Hauptthema der Sendung.

ZDF Magazin Royale: Böhmermann kritisiert die Vergangenheit des Tui-Vorgänger­konzerns Preussag AG

Zunächst geht er auf die 4.3 Milliarden Euro Steuergelder ein, welche die Tui-Gesellschaft während der Corona-Pandemie gerettet haben. Hauptaspekt des Beitrags ist jedoch die Vergangenheit der Tui AG. Genauer gesagt der Preussag, wie die Firma vor 20 Jahren noch hieß.

Das am 9. Oktober 1923 als Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft (PBHAG) Unternehmen war neben der Produktion der Bomben, die am ersten Kriegstag des Zweiten Weltkrieges auf Polen fielen, wohl auch an Kriegsverbrechen im Irak beteiligt. Wenig ruhmreiche Umsatzrekorde erzielte das Unternehmen im Kriegsjahr 1943. Darüber hinaus soll die Preussag sowohl tonnenweise Chemikalien zur Herstellung chemischer Kampfstoffe an den Irak geliefert haben, als auch beim Bau von entsprechenden Kampfstoffanlagen geholfen haben.

ZDF-Magazin Royale: Kriegsverbrechen im Irak

Dabei geht es um einen Angriff des damaligen Diktators Saddam Hussein auf das irakische Dorf Halabdscha. Der als Quelle dienende Spiegel-Artikel vom 15. März 2013 nennt den Angriff auf kurdische Minderheiten im Jahr 1988, bei dem 5000 Menschen qualvoll erstickt seien, den schlimmsten Einsatz von Giftgas seit dem Ersten Weltkrieg.

Das Unternehmen reagierte darauf in einer Stellungnahme, indem es die Schuld von sich wies, und auf eine Gruppe Mitarbeiter abwälzte. Diese habe ohne Wissen des Unternehmens die „Water Engenierring Trading GmbH“ kurz W.E.T gegründet, und damit eigene Geschäfte im Irak betrieben. Nachdem die Preussag AG davon erfahren hatte, will sie die Arbeitsverhältnisse mit den betroffenen Mitarbeitern beendet haben. Es kommt auch Aras Abid zu Wort, ein Aktivist der Halabja Victims Society, er berichtet über den schrecklichen Angriff und bittet um ein Bewusstsein darüber in der deutschen Bevölkerung.

ZDF-Magazin Royale: Ukraine und Schildkröten – Böhmermann über Tuis Doppelmoral im Ukraine-Krieg

Auch beleuchtet Böhmermann die Eigentümerverhältnisse des Unternehmens. So ist der Konzern zu 34 Prozent in der Hand des russischen Oligarchen und Multimilliardärs Alexej Mordaschow, dieser hatte Tui 2021 vor dem drohenden Bankrott gerettet. Der kremlnahe Oligarch hat seine Tui Aktien noch gerade rechtzeitig bevor die Sanktionen griffen, an die Firma Ondero Ltd. auf den Britischen Jungferninseln übertragen. Diese soll sich im Besitz seiner Ehefrau befinden.

Das ist von besonderem Interesse, da das Unternehmen unter dem Motto „Helping Hands for Ukraine“ Geld für die Ukraine sammelt. Das Unternehmen, das eingehende Spenden für die Ukraine verdoppeln will, befindet sich zu 34 Prozent in der Hand eines russischen Oligarchen, respektive seiner Frau. Darin erkennt Böhmermann eine Doppelmoral sondergleichen.

ZDF-Magazin Royale: Böhmermann macht, ohne viel Neues aufzudecken, auf Missstand aufmerksam

ZDF-Magazin Royale

Die Late-Night-Show mit Jan Böhmermann läuft jeden Freitag um 23.00 Uhr im ZDF. Hier können Sie die Folge in der Mediathek sehen.

Weder setzt die Folge Maßstäbe in Bezug auf Recherche, noch wird neues oder unbekanntes zum Thema hinzugetragen. Dennoch trifft Böhmermann mit seiner Sendung einen harten Kern. Die weltweiten Machenschaften deutscher Firmen finden in der Bevölkerung wenig Beachtung. Im Falle der Tui AG sind die Ereignisse jedoch bekannt und die als Quellen hinzugezogenen Artikel aus Spiegel, Tagesspiegel oder Standard machen das deutlich. (Lukas Zigo)

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