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„Nazis keulen“: Böhmermann entlarvt FPÖ – und zeigt Merz Denkfehler auf

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Jan Böhmermann moderiert das ZDF Magazin Royale. Neben ihm ist eine Grafik mit der Schrift FPÖ und rot-weiß-roten österreichischen Fahnen eingeblendet.
Jan Böhmermann zieht im ZDF Magazin Royale Vergleiche zwischen der Sprache der FPÖ und der Nazis. (Screenshot) © ZDF

Jan Böhmermann macht sich über die FPÖ lustig und zeigt dabei deren Radikalisierung auf. Die Stärke des ZDF Magazins liegt aber im Deutschlandbezug. Die TV-Kritik.

Im Kampf gegen Extremist:innen von rechts nimmt Jan Böhmermann kein Blatt vor den Mund. Wenig überraschend ist es also, dass sich der Satiriker mit dem Thema befasst, nachdem die Investigativjournalist:innen von Correctiv das Potsdamer Treffen von AfD-Politikern und anderen rechtsradikalen Akteur:innen und deren Deportationsfantasien befasst. Zu laut sind die Demonstrationen, zu groß ist die Empörung über die menschenverachtenden Ideen.

Böhmermann mischt sich jedoch auf eine andere Art in die Diskussionen rund um die Rechtsextremist:innen und den Umgang mit ihnen ein. „Ich bin im Europafieber“, sagt der Moderator zu Beginn des ZDF Magazin Royales und schaut in der Folge auf sein Lieblingsland: Österreich.

Jan Böhmermann blickt auf Österreich und die FPÖ: „Rechtsextreme Vertreibungsfantasien auf Platz eins“

Was mit der Deutschland-Brille ein wenig untergeht: Auch in Österreich sind die Rechtsaußen stark. Die FPÖ liegt wenige Monate vor der Nationalratswahl im Herbst in Umfragen bei etwa 30 Prozent – und ist stärkste Kraft. Und das mit einer offensiven Kampagne zu „Remigration“, also genau den, wie Böhmermann es ausdrückt, „Vertreibungsfantasien“ gegen die in Deutschland Millionen Menschen auf die Straße gehen.

„Bei uns im durch und durch antifaschistischen Deutschland steht die AfD weit abgeschlagen auf Platz zwei. Rechtsextreme Vertreibungsfantasien aber sind in Österreich auf Platz eins“, sagt Böhmermann. Der südliche Nachbar hat gewissermaßen einen Vorsprung.

Böhmermann zeigt im ZDF Magazin Royale Irrweg einzelner Akteure im Kampf gegen Rechtsaußen auf

Daraus lassen sich Schlüsse für den Umgang mit der AfD ableiten. Genau hier liegt die Stärke dieses ZDF Magazin Royales. Böhmermann erweitert den Blick auf Österreich, um die Irrwege einzelner Leute im Kampf gegen Rechtsextremismus aufzuzeigen. Das sind vor allem Neoliberale und Konservative. Also Leute, die zwar von der Radikalität der AfD abgeschreckt sind, ein bisschen Rassismus aber grundsätzlich in Ordnung finden und sich selbst etwas mehr nationalistische Folklore wünschen.

SendungZDF Magazin Royale
ModeratorJan Böhmermann
TitelDie FPÖ und ihr Volkskanzler
Hashtag der Woche#ImmerWieder
Termin16. Februar 2024
Online verfügbar bis15. Februar 2025

Konkret nennt Böhmermann dabei zwei Akteure: zuerst CDU-Chef Friedrich Merz. Dabei zeigt Böhmermann den Ausschnitt aus einer ARD-Talkshow von Caren Miosga. Im Ausschnitt erklärt Merz: „Diese Nazi-Keule, die bringt uns nicht weiter, wenn wir das Problem lösen wollen.“ Gegen Ende des ZDF Magazins zitiert Böhmermann noch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Das Blatt aus der Schweiz fordert eine möglichst schnelle Regierungsbeteiligung der AfD, denn sonst würde sie noch stärker. Die These: In der Regierung entzauberten sich die Rechtsaußen sich entweder; oder sie entradikalisieren sich.

ZDF Magazin Royale präsentiert Radikalisierung der FPÖ

Böhmermann präsentiert keine neuen Erkenntnisse, wie etwa im ZDF Magazin zu den rechten Polizist:innen in Frankfurt der Fall war. Er zeigt die Entwicklung der FPÖ in den letzten Jahren dar, darunter die illegale Razzia beim österreichischen Verfassungsschutz unter dem jetzigen FPÖ-Chef Herbert Kickl als Innenminister. „Wenn man Nazis an die Macht lässt, dann machen sie halt Nazi-Sachen“, folgert Böhmermann daraus, nur um seine Wortwahl sarkastisch zu hinterfragen: „Also würde ich jetzt sagen, wenn mir Friedrich Merz nicht die Nazi-Keule verboten hätte.“

Auf Merz und seine Ablehnung der viel bemühten „Nazi-Keule“ kommt Böhmermann immer wieder zurück, während er die FPÖ und deren aktuellen Vorsitzenden Herbert Kickl vorstellt. Böhmermann macht sich dabei über die Inszenierung des Politikers bei den Wahlkampfveranstaltungen lustig und parodiert etwa die schrille Ankündigung Kickls.

Entscheidender ist jedoch die Inszenierung Kickls durch die FPÖ als „Volkskanzler“. Gemeinsam mit der Art der Auftritte entsteht ein Personenkult um Kickl, was den Reinhold Lopatka von der ÖVP dazu veranlasst hat, die FPÖ als „Führerpartei“ zu bezeichnen. Böhmermann konzentriert sich auf den Begriff „Volkskanzler“. Böhmermann kommt der Begriff „Volkskanzler“ bekannt vor, spielt jedoch ahnungslos – bis ein Bild von Adolf Hitler eingeblendet wird. Auch der hat sich so genannt.

„Noch nicht gleich Hitler“: Böhmermann zieht Parallelen zwischen FPÖ-Chef und Nazis

„Jetzt regen sich wahrscheinlich die CDU-Mitglieder:innen unter ihnen auf, die FDP ist empört, Neid in der AfD“, sagt Böhmermann und kehrt zu seiner Schelte zurück. „Nein, Sie haben vollkommen recht. Nur, weil jemand spricht wie Goebbels, ist er ja noch nicht gleich Hitler.“

Böhmermann macht jedoch weiter. Er zeigt eine fragwürdige Aussage Kickls, wonach sich das Recht der Politik zu beugen habe, nicht umgekehrt die Politik dem Recht. Nun unterliegt auch die Politik dem Recht. Böhmermann denkt für Kickl jedoch weiter und denkt den „Volkskanzler“-Ansatz weiter: „Dann führt der Volkskanzler eben sein Volksrecht ein in Österreich. Und wer dagegen verstößt, der kommt vor den Volksgerichtshof.“ Neben Böhmermann erscheint ein Video von Roland Freisler.

ZDF Magazin Royale in der Mediathek

Das ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann vom Freitag, 16. Februar 2024, ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Kurz gesagt: Böhmermann zeigt auf, dass es eben doch Parallelen zwischen den heutigen Rechtsaußen und den historischen Nazis gibt. Die Gegenwart bedient sich der Methodik, Sprache und Inszenierung der Vergangenheit. Wenn „Nie wieder“ eben genau das bedeuten soll, müssen die Parallelen aufgezeigt werden, trotz Gejammer über die vermeintliche „Nazi-Keule“. Genau das zeigt das ZDF Magazin Royale am Beispiel der FPÖ auf. Und mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Österreich, aber auch der Wahl des Europäischen Parlaments im Juni, leistet er dabei auch Aufklärungsarbeit.

„Streck den Arm für Österreich“: Böhmermann parodiert FPÖ-Folklore

Apropos Inszenierung: Das Highlight des ZDF Magazin Royale ist zweifelsohne Böhmermanns Parodie der FPÖ-Hymne, bei der er die Folklore der Rechtsaußen ins Lächerliche zieht und gleichzeitig party-nationalistische Verblendung offenlegt. Etwa durch Zeilen wie „dieses Lied ist für das Land, das geil wird, wenn es vergisst, was es früher einmal war und was es morgen wieder ist“ oder „hast du auch ein Gedächtnis wie der Goldfisch im Teich? Dann mach’s nochmal und streck den Arm für unser Österreich“.

Zeilen, die genauso gut auch zu Deutschland passen. Darauf spielt auch Böhmermann an – gewohnt ironisch: „Gut, dass wir in Deutschland schlauer sind als die Trottel da unten in Österreich, oder?“ Auch darauf gibt es eine historische Antwort. Bleibt noch Böhmermanns Schlusswort, das zurzeit auch als Wort zum Sonntag taugt: „Nicht immer die Nazi-Keule rausholen, sondern vielleicht einmal paar Nazis keulen.“ (Max Schäfer)

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