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General Pang, Teil eines üppige Schlachtengemäldes.

"The Warlords"

Blutsbrüder

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Peter Chans historisches Epos füllt die Leinwand mit barocken Tableaus von ungewöhnlicher Wucht.

Die wahren Fans der alten Kung-Fu-Filme ahnten es immer: Die besten waren so gut, dass sie auch ohne Kampfszenen funktioniert hätten. Allerdings hätten sie dann wohl nicht in Deutschland die Nachfolge der Italo-Western angetreten. Ganze Kinos lebten in den siebziger Jahren vom Eastern-Boom, und Chang Ches herrliches frühes Epos "Die Blutsbrüder des Gelben Drachen" von 1973 war daran maßgeblich beteiligt. Nur die Filmkritik bemerkte damals nichts vom Zauber der Heldensagen aus Fernost, die den männlichen Teil der Arbeiterklasse in Begeisterung versetzten.

Lange wurde am aufwändigen Remake des Klassikers gearbeitet, und als es jetzt nach sechs Drehbuch-Fassungen endlich gedreht wurde, fehlen tatsächlich die Kampfkunst-Szenen. Und siehe da, die auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte um die Ermordung des Generals Ma Xinyi im Jahre 1870 durch seinen Freund Zhang Wenxiang trägt noch immer.

Ein altmodischer Schrifttitel führt ein in die finsteren Umstände des Bürgerkriegs, der ebenso viele Todesopfer gefordert habe wie der Zweite Weltkrieg. Nun muss ein Film ohne Kung-Fu gottlob nicht unbedingt ohne Blutbäder auskommen. Als einzigem Überlebenden einer verheerenden Schlacht folgt der Film dem Schicksal des Generals Pang (Jet Li), der, völlig entkräftet, von einer schönen Bäuerin gerettet wird, in die er sich verständlicherweise verliebt.

Als er bald darauf auch noch maskuline Freundschaft findet und sich einem Räuberduo anschließt, schlägt das Schicksal erbarmungslos zu: Einer von beiden ist Zhao (Andy Lau), der Ehemann der Schönen. Dieser - abgesehen von seinem mörderischen Beruf - herzensgute Mann steht seinem Blutsbruder Pang fortan treu zur Seite. Auch als der machtbesessene Ex-General darauf besteht, für den Kaiser und gegen einen alten Rivalen in den Krieg zu ziehen.

Der Stolz der chinesischen Filmindustrie ruht auf international vermarktbaren historische Actionfilmen. Üblicherweise inszeniert sie Zhang Yimou in staatstragender Eleganz. Für "The Warlords" stand er offensichtlich nicht zur Verfügung, was einem fast vergessenen Erneuerer des Hongkong-Kinos zum Comeback verhalf. Peter Chan ist es, der nach einer glücklosen Hollywoodkarriere dem eingefahrenen Genre nun eine eigentümliche Färbung gab.

Trailer "The Warlords"

Offenbar beeinflusst von Akira Kurosawa, füllt er die Leinwand mit barocken Tableaus von ungewöhnlicher Wucht: Alle Kriegsszenen enden mit Leichenbergen. Als schließlich General Oang beschließt, ein Heer von Kriegsgefangenen zu ermorden, weil er sonst seine Truppe nicht mehr ernähren kann, verlagert sich das Heldenepos in einen diskursiven Film über Moral in der Politik. Dass Chan überhaupt diese Fragen stellen kann, ist weit mehr, als im Kino seiner Heimat zu erwarten wäre.

Mit dem alten Hongkong-Kino aber darf man Chinas neuen Hang zu historischen Actionstoffen nicht verwechseln. Welches Feuer haben diese Genrefilme noch vor einem Jahrzehnt entfacht, wie brachten sie bei ihren Berlinale-Premieren im Internationalen Forum die Säle zum kochen. Jetzt regiert der gute Geschmack, und nicht einmal in den Liebesszenen springt ein Funke zu viel herüber. Ein unangenehmer Beigeschmack von Ehrgeiz und Kunstwollen umweht heute eine Filmform, die nur für den Spaß erfunden schien.

The Warlords, Regie: Peter Ho-Sun Chan. Mit Jet Li, Andy Lau, Takeshi Kaneshiro. VR China 2007, 110 Minuten (16 Minuten fehlen gegenüber der chinesischen Fassung).

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