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Lance Armstrong im Jahr 2010.
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Lance Armstrong im Jahr 2010.

Ausgebremst – Die Lance Armstrong Story

Blutbeutel an der Wand

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Der WDR stimmt die Sportfans auf die am Wochenende beginnende nächste Tour de France ein ­ mit einem Porträt des größten Betrügers der Radsportgeschichte: Lance Armstrong.

Bei der Tour de France 2004 wähnt sich der deutsche Radfahrer Andreas Kloeden vor der Ankunft in Le Grand Bornand schon als Etappensieger – da überholt ihn kurz vor der Ziellinie nach einer unglaublichen Aufholjagd noch Lance Armstrong. Die Szene war typisch für den  Amerikaner in seiner Verbissenheit, unbedingt siegen zu wollen. Und sie war typisch für einen mit EPO aufgeputschten Sportler. Denn damit hat man soviel Sauerstoff, dass man sich für unbesiegbar hält ­ und es auch wird, wie Lance Armstrong gezeigt hat: Sieben Mal gewann er die Tour de France. Und jedesmal war er gedopt.

Der Autor Alex Holmes hat in einer gelungenen gut zweistündigen Dokumentation den Weg des Texaners vom hoffnungsvollen Jungprofi zum größten Betrüger des Radsports nachgezeichnet, eine Geschichte, die einer dieser vielen besinnungs- und ahnungslosen Sportreporter während eines Rennens als „Märchen“ preist.

Es war ein Lügenmärchen. Der lebendig gestaltete Film beginnt mit einer Befragung Armstrongs im Jahre 2005, wo er unter Eid die Unwahrheit sagt. Was er noch fast ein Jahrzehnt lang tut. Wenn es das Wort Chuzpe nicht schon gäbe, für Armstrong müsste es erfunden werden. So eisern, wie er sich auf dem Rad gab, wenn er jeden Konkurrenten niederrang, so standhaft log er auch. Ein Anwalt der von ihm betrogenen Versicherungsfirma nennt ihn einen „klinischen Soziopathen.“

Dabei haben so viele Menschen in seiner Umgebung Bescheid gewusst. Der Autor führt als Hauptzeugen Armstrongs ehemaligen Kollegen Frank Andreu und dessen Frau an. Sie waren befreundet, bis Andreu, im bei der Tour so erfolgreichen  U.S.Postal Team nicht mehr genügend  dopte: Er weigerte sich etwa, Bluttransfusionen zu machen.

Nachdem er im Gesamtklassement nur 111. wurde, flog er aus dem Team. Tyler Hamilton, später dabei, machte mit. Er erzählt, wie die Radfahrer in einem keinen französischen Hotel am Mont Ventoux Transfusionen erhielten: „Die Blutbeutel waren an der Wand befestigt.“ David Walsh, Sportredakteur der Sunday Times  und Buchautor („LA confidential – Die Geheimnisse des Lance Armstrong“ war früh auf den Spuren des Betrugs; er macht deutlich, dass es Armstrong von Anfang an vor allem um  eines ging: Geld.

Es müsse sich doch auszahlen, wenn man auf seine Freizeit verzichte, ist vom jungen Radsportler am Beginn seiner Karriere zu hören. Es hat sich ausgezahlt, rund 100 Millionen Dollar solle der Texaner verdient haben. Den Tag seines so überraschenden Geständnisses bei der Talkshow-Königin Oprah Winfrey nannte Armstrong selbst einen „75 Millionen Dollar Tag“.

Bis dahin hatte er gelogen, betrogen, getäuscht und nicht davor zurückgeschreckt, ehemalige Freunde und Kollegen und überhaupt möglichst alle, die an seinen Worten zweifelten, unter Druck zu setzen oder zu verunglimpfen. Toursieger Greg Le Mond, der früh an Betrug glaubte, verlor nach eigenen Angaben eine Firma im Wert von 20 Millionen Dollar Umsatz – während Armstrong sich vor die Kameras stellte und behauptete, er  sage die Wahrheit, denn „nichts sei so wichtig, dass man die Unterstützung von Millionen Menschen verliere“.

Da hatte er seine Krebsstiftung ins Leben gerufen und im Laufe der Zeit 50 Millionen dieser kleinen gelben Plastikbänder verkaufen können. Er nannte US-Präsident Bill Clinton seinen Freund, John Kerry erklärte ihm zum Helden; Prominente umschwirrten ihn wie Motten  das Licht. Selbst eine Untersuchung des FBI konnte ihm nichts anhaben. Es war die US-Anti-Doping-Agentur unter Travis Tygart, die das Lügengebäude schließlich zum Einsturz brachte. Armstrong selbst erklärte bei Oprah Winfrey lapidar: „Es wurde alles zu groß.“ Es waren vor allem seine Lügen, die zu groß wurden. 

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