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Der erfolglose Versicherungsmakler Lester Nygaard, gespielt von Martin Freeman, kommt das Chaos gerade recht.

„Fargo“, ZDF neo

Blut unter dem Schnee

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Das einst von den Coen-Brüdern genial in Szene gesetzte Kleinstadt-Drama „Fargo“ wurde zu einer erfolgreichen Serie und kommt nun bei ZDF neo.

Lester Nygaard ist wütend. Eben hatte seine Gattin ihn mit Vorwürfen überschüttet: wegen der polternden Waschmaschine, seines handwerklichen Ungeschicks, des schmalen Bankkontos. Er sei für nichts zu gebrauchen, eben ein Schwächling. Nygaard flüchtet hinaus in die Kälte, verpackt unter einer Wollmütze, hinaus auf die verschneiten Straßen Bemidjis. Hier in dieser US-amerikanischen Kleinstadt  im Bundesstaat Minnesota arbeitet er für eine Versicherung. Auf dem Weg zum Büro, grüßt er, wiewohl in trüben in Gedanken,  Passanten, wünscht einen schönen Tag: Bitte lächeln, stets freundlich zugewandt sein; das fordert diese Bemidji-Welt immerzu.

„Fargo“ heißt die Serie, sie trägt somit den gleichen Titel wie der 1996 erschienene, mit Lob überschüttete Kino-Krimi der Coen-Brüder (sieben Oscar-Nominierungen, ein Oscar für das beste Orginaldrehbuch). Noah Hawley schrieb die auf drei Staffeln angelegte Serie, die im Frühjahr 2014 auf dem US-amerikanischen Fernsehsender FX erstmalig zu sehen war, und im Herbst des Jahres unter anderem einen Emmy gewann. Nun ist sie auch im öffentlich-rechtlichen deutschen TV angekommen, bei ZDF neo.

Wie schon im Kinofilm – Ethan und Joel Coen nahmen wohl auch Einfluss auf die Produktion der Serie – hat das „Fargo“-Produzenten-Team eine Szenerie mit einem schneereichen Ödnis-Setting, spröden Sprechakten, gierigen Geschäftsmännern, skrupellosen Machern, dummen Polizisten, klugen Polizisten und humorvollen Gangstern entworfen – die sich in einer Atmosphäre schneeweißer Düsternis begegnen. Martin Freeman, bekannt durch seine Performance als Watson in der BBC-Serie „Sherlock“, verkörpert diesen Lester Nygaard. Zusammen mit Lorne Malvo, der von Billy Bob Thornton gespielt wird, bildet er im Laufe der ersten Staffel ein Aktionszentrum, das auf weiß-eisigen Straßen rast und dabei die Gefahr des Abrutschens in Kauf nimmt. So ist es Malvo, der die Bemidji-Welt ins Wanken bringt, und es ist Nygaard, dem das gerade recht kommt: Seine verschüttete Seele, die ihn geduckt leben ließ, wird mittels Malvos zorniger Drängelei und einem Hammer befreit.  

Ähnlich geht es in der zweiten Staffel weiter. Zwar ist der Cast neu besetzt (Kirsten Dunst wird zum Beispiel eingewechselt), doch auch nun, im Jahre 1979, blickt man durch einen Schneeschleier auf lebensauslöschende Praktiken und Polizisten, die diesem Blut-Spuk ein Ende setzen wollen - umrahmt wird die Handlung von gleichermaßen witzigem wie und finsterem Geschwätz – Ankündigung meistens von Unheil. Einmal sieht man zum Beispiel in einen „Waffle Hut“ bei Nacht. Eine Frau trinkt einen Milchshake, ein schnurrbärtiger Kleinganove spricht sie an. Es geht um Schreibmaschinen, Insektenvernichtungsspray und eine ernste, juristische Sache. Das Gespräch endet mit einem „Scheiße verdammt“.

Die Fargo-Welt  wurde vor zwanzig Jahren geschaffen. Es ist ein filmischer Ort, wo Eis, Schnee, Daunenjacken und Pelzmützen Tragödien ummanteln. Tragödien, die aus dem Alltag hervorbrechen und das gewöhnliche Dasein als einen Zustand beschreiben, der vor Ungewissheiten strotzt.

„Fargo“, ZDF neo, 10 Folgen ab Donnerstag, 3. November, 23 Uhr. Der Trailer im Netz: ZDF Mediathek, die Folgen sind jeweils nach der Ausstrahlung in der funk-App von ARD und ZDF verfügbar.

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