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„Blinded“: Bei ARD One am Dienstag (09.03.21) um 21:45 Uhr. Bea (Julia Ragnarsson)
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„Blinded“: Bei ARD One am Dienstag (09.03.21) um 21:45 Uhr. Bea (Julia Ragnarsson)

Geblendet vom großen Geld

„Blinded“ (ARD): Schwedische Serie über Bankenskandale - mit realem Hintergrund

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Mit „Blinded“ präsentiert der ARD-Spartenkanal One einen achtteiligen schwedischen Finanzkrimi, der auf einem realen Bankenskandal beruht.

  • Ab Dienstag (09.03.2021) läuft auf ARD-One die Serie „Blinded“.
  • Die aufstrebende Journalistin Bea Farkas kommt einem fragwürdigen Finanzgeschäft auf die Schliche.
  • Hauptdarstellerin Julia Ragnarsson ist aus der Fernsehserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ bekannt.

Köln – Fast schon eine vergessene Erinnerung: Wenn früher eine Bank zum Schauplatz eines Kriminalfilms wurde, dann meist mit maskierten Banditen, die mit vorgehaltener Waffe die Herausgabe der Bargeldbestände forderten. Dieser Verbrechenszweig ist mehr oder minder ausgestorben, außerdem anstrengend, gefährlich und weit weniger lukrativ als das, was in den Etagen oberhalb der Kassenhallen vor sich geht. Dinge, die auch nicht immer im Einklang mit den Gesetzen stehen.

Tom Wolfe erschloss dieses Terrain mit dem zunächst ab 1984 in Fortsetzungen veröffentlichten Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“. Oliver Stone brachte das Milieu der Börsenspekulanten 1987 mit „Wall Street“ und fiebriger Verve auf die Kinoleinwand. Vielschichtiger und nuancierter verhandelte Andrew Maclear als Schöpfer und Headautor der britischen Fortsetzungsserie „Capital City“ aus dem Jahr 1989 das Geldmarktfieber der ausgehenden 1980er-Jahre.

„Blinded“ (ARD): Fortgesetzte Bankenkriminalität

In Deutschland gab es 2017 „Bad Banks“, aus Schweden stammt die Serie „Blinded“, die von der ARD für den Spartensender One und die Mediathek eingekauft wurde. „Blinded“ (ARD) basiert auf dem Roman „Fartblinda“ – im Original auch Titel der Serie – der Finanzjournalistin Carolina Neurath. Gewisse Übereinstimmungen mit realen Ereignissen sind sicherlich kein Zufall. Hauptfigur von „Blinded“ ist die junge Journalistin Bea Farkas (Julia Ragnarsson), die eine Affäre mit dem verheirateten Peder Rooth (Matias Varela) unterhält. Rooth leitet die Geschäfte der privaten ST Bank. Das Geldhaus hat gerade den jüngsten Quartalsbericht veröffentlicht und demnach alle Erwartungen übertroffen. „Wir sind solide und wir verdienen Geld“, heißt es gegenüber der Öffentlichkeit.

Bea Farkas aber fällt auf, dass die Ergebnisse der Trading-Abteilung im Bericht nur vage beschrieben werden. Ausgerechnet sie wird von ihrem Redakteur beauftragt, Peder Rooth zu interviewen. Ihre kritischen Fragen sorgen für eine erste Missstimmung zwischen dem heimlichen Paar. Farkas’ Argwohn erhält durch anonyme Mails neue Nahrung. Demnach sind die Kreditverluste der Bank weitaus höher als offiziell verlautbart. Peder Rooth habe vor der Presse gelogen.

Intrigen und Gewissensnöte bei „Blinded“ in der ARD

Bea Farkas bleibt dran am Thema in „Blinded“ (ARD). Der Konflikt mit ihrem Liebhaber, der schon ernsthaft in Erwägung gezogen hatte, Frau und Kinder zu verlassen, ist unvermeidlich und stürzt sie in immer neue Gewissensnöte. Die Frage, ob das journalistische Ethos die Oberhand gewinnt über die emotionale Bindung, zieht sich durch alle acht Folgen. Weitere Handlungsstränge widmen der Serienschöpfer Jesper Harrie und seine Kollegen den Intrigen und Machenschaften innerhalb der Bank, sie blenden auch in den privaten Bereich gleich mehrerer Figuren.

Peder Rooths Ehefrau Sophie (Julia Dufvenius) ist sich der Treue ihres Gatten nicht mehr sicher, der spiel- und drogensüchtige Trader Henrik Beijer (Oskar Thunberg) verliert seine Familie. Der junge homosexuelle Bankangestellte Adam Berg (Björn Elgerd), ein Studienfreund von Bea Farkas, hat das Geld seines Partners ohne dessen Wissen in Anleihen investiert, Carl Rehnskiöld (Edvin Endre), der Sohn des Bankbesitzers, leidet an Zerebralparese und an der Verachtung seines Vaters. Die achtteilige, in sich abgeschlossene Serie „Blinded“ (ARD) – im kommenden Sommer beginnen die Dreharbeiten zur eigenständigen zweiten Staffel – bietet ein dicht gewobenes Geschehen. Manchmal mit abrupten Sprüngen, was die Motivation einzelner Figuren für ihr Tun anlangt. Vertiefungen bei einigen Hauptfiguren, dafür Straffung einiger Nebenlinien wären der Erzählung zugute gekommen.

RolleDarsteller:in
Bea FarkasJulia Ragnarsson
Peder RoothMatias Varela
Otto RehnskiöldClaes Månsson
Sophie RoothJulia Dufvenius
Carl RehnskiöldEdvin Endre
Henrik BeijerOskar Thunberg
Adam BergBjörn Elgerd

Rebellische Schreibkraft und überzeugende Figuren bei „Blinded“ (ARD)

Die Hauptdarstellerin Julia Ragnarsson verfügt in „Blinded“ (ARD) über stechend blaue Augen und wurde für die Rolle der Bea Farkas grellblond gefärbt. Farkas trägt lieber Lederjacke und Jeans als das Business-Kostüm, zuweilen erinnert sie optisch an Courtney Love. Zu den Eigenschaften der jungen Journalistin gehören beruflicher Ehrgeiz, eine rebellische Attitüde, aber auch Mitempfinden und emotionale Verletzlichkeit. Eine bewusst widersprüchlich angelegte Figur, von der vielseitigen Julia Ragnarsson, die zuvor in Deutschland unter anderem in Produktionen wie „Die Brücke – Transit in den Tod“ und „Springflut“ zu sehen war, überzeugend verkörpert.

Bea Farkas’ Herkunft aus kleinen Verhältnissen wird gelegentlich überbetont. Sie fährt mit der Straßenbahn, ihr Liebhaber mit einem rassigen Sportwagen zur Arbeit. Sie wohnt in einer tristen Mietskaserne mit defektem Fahrstuhl, er in einer Luxusvilla. Subtiler dann schon, dass Farkas’ freundschaftlichen Umgang mit Obdachlosen und anderen Außenseitern pflegt. Von diesen Zwischentönen hätte es mehr geben dürfen.

„Blinded“ in der ARD

Schwedischer Banken-Krimi in acht Teilen, am 9., 16. und 23.3. um 21:45 Uhr auf One (wahlweise im schwedischen Originalton) und ab 9.3. in der ARD-Mediathek.

„Blinded“ (ARD): Fesselndes Finale, beruhend auf einer wahren Geschichte

Den Autoren ist es gelungen, die unterschiedlichen Bankgeschäfte, die letztlich zu einer schwerwiegenden Krise führen, auch Laien zu vermitteln, ohne die Erzählung in „Blinded“ (ARD) zu lähmen. Die Spannung steigt sogar im Verlauf der Geschichte und mündet zum Abschluss gar in einem klassischen Thriller-Showdown.

Die geschilderten Ereignisse haben ein reales Vorbild, über das Carolina Neurath im Alter von 26 Jahren ein Sachbuch geschrieben hatte, ehe sie mit „Fartblinda“ ihren ersten Roman vorlegte. Der reale Finanzskandal betraf die private, an der Börse notierte HQ Bank. Die Bank hatte im Wertpapierhandel Milliarden an Schwedischen Kronen verloren und die Verluste in ihren Berichten verschleiert. Nach Bekanntwerden der Manipulationen wurde die Banklizenz eingezogen. (Harald Keller)

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