Die Altmeister Hallervorden und Fuchsberger mischen den Laden auf.
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Die Altmeister Hallervorden und Fuchsberger mischen den Laden auf.

TV-Kritik „Die Spätzünder 2“

Uns bleibt immer noch Püree

Im Grunde hat die Fortsetzung der gleichermaßen vergnüglichen wie nachdenklichen Seniorenkomödie „Die Spätzünder“ die gleiche Geschichte noch mal erzählt. Sehenswert ist sie trotzdem. Nicht zuletzt wegen einem ernsthaften Dieter Hallervorden.

Von Tilmann P. Gangloff

In Teil eins hatte der Unmut der alten Herrschaften einer tyrannischen Heimleiterin gegolten, aber diesmal waren die Karten neu gemischt, denn Nachfolgerin Marina (Ursula Strauss) hatte für ihre Schutzbefohlenen nur das Beste im Sinn. Deshalb hat sie das Heim zu einem nach allen Regeln der esoterischen Kunst eingerichteten Hort der Glückseligkeit umgestaltet. Aus Sicht der Alten aber war das alles zuviel des Guten, zumal Marina auch die Küche revolutioniert hat: Weil sich alte Leute leicht verschlucken, gab es nur noch pürierte Kost. Aber immerhin in Form eines Schweins, wenn das Püree in seiner früheren Wesensform ein Schnitzel war.

Natürlich war auch Rockmusiker Rocco (Jan Josef Liefers) wieder mit von der Partie. Im ersten Teil hatte er für die Senioren noch das Tor zur Welt repräsentiert, weil er mit Degenhard Schagowetz (Joachim Fuchsberger) und seinen Leidensgenossinnen und -genossen (unter anderem Bibiana Zeller und Hans-Michael Rehberg) Musik machte. Als „Rocco und die Herzschrittmacher“ erntete die Rentnerband landesweiten Ruhm. Aber der Trend hat sich offenbar überlebt. Es gab keine Engagements mehr, und als die Alten ihr Heim zur autonomen Republik ausriefen, konfrontierte sie das Schicksal erneut mit der finsteren Gegenspielerin von einst.

Neustart mit Rapper Sido

Mitunter wirkten die Dialoge etwas thesenhaft, weshalb sie selbst bei einem alten Hasen wie Fuchsberger deklamiert klangen, aber ansonsten knüpfte die Fortsetzung in Sachen Temperament und Hingabe der Darsteller nahtlos an den ersten Teil an. Außerdem ist das Ensemble vortrefflich ergänzt worden. Um Lisa Kreuzer als Althippie Sandra, die ihr Zimmer umgehend in eine Kifferhöhle verwandelte - und vor allem um Dieter Hallervorden, der hier ähnlich ernst wie in dem aktuellen Kinofilm „Sein letztes Rennen“ agierte. Er spielt einen Sternekoch, der vom Sohn aus seinem Restaurant gedrängt worden ist und nun im Heim grantelnd auf den Tod wartet.

Mit seiner Hilfe schmiedete Degenhard einen Plan, wie man aus der Seniorenresidenz einen florierenden Betrieb machen könnte. Jetzt brauchten die „Herzschrittmacher“ bloß noch das nötige Startkapital. Am Ende sorgte Rapper Sido dafür, dass alles gut wurde.

Abgesehen von den wenigen Szenen, in denen die Senioren allzu papierne Zeilen über Pflegenotstand und Unterforderung aufsagen mussten, hat Uli Brée, Stammautor von Regisseur Wolfgang Murnberger, wieder wunderbare Dialoge geschrieben. Den witzigsten Satz hatte Lisa Kreuzer, als Sandra die Bedenken gegen Degenhards Szenario in Anspielung auf „Casablanca“ vom Tisch wischte: „Uns bleibt immer noch Püree.“

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