Black Panther Party Arte
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Black Panthers stellen sich bei einer Versammlung im DeFremery Park im Ghetto von West Oakland auf.

Bürgerrechtsbewergung

Black Panthers (Arte): Doku erinnert an „Law and Order“-Zeiten in den USA

  • vonHans-Jürgen Linke
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Die militante Gruppierung „Black Panther Party“ kämpft in den 1960er-Jahren in den USA für Gleichberechtigung. Arte beschäftigt sich mit der Bewegung in einer Dokumentation.

  • Die „Black Panther Party“ war ein Teil der Bürgerrechtsbewegung in den 1960ern in den USA.
  • Die Arte-Doku zeigt: Die militante Gruppe war schon weiter als „Black Lives Matter“ heute.
  • Mit Donald Trump steht wieder ein US-Präsident für Law-And-Order-Politik und gewaltsame Problemlösung.

Sonnenbrille, schwarze Lederjacke, soldatisches Auftreten, gern mit einer Schusswaffe dekoriert – die Mitglieder der Black Panther Party strahlten seinerzeit für viele Menschen einen nicht unbeträchtlichen Sex Appeal aus. Die Panthers sahen sich nicht nur als Teil der Bürgerrechtsbewegung, nicht nur als eine Organisation, die bedürftigen Kindern ein Gratis-Frühstück verschafft und für das Recht auf Arbeit, Bildung und würdiges Wohnen eintritt. Sie sahen sich als die Avantgarde der Revolution.

Ihr Auftreten war selbstbewusst, zuweilen arrogant und oft von intellektueller und rhetorischer Brillanz, und ihre Devise war: Damit jeder Schwarze im Lande frei sein kann, muss sich das ganze System verändern.

Doku auf Arte über die Black Panthers und die optimistischen 1960er-Jahre

Das waren die optimistischen 1960-er Jahre. Überall gärte Revolution. Alte leninistische Revoluzzerphrasen wurden neu entdeckt, neue Avantgarden betraten die unordentlichen historischen Bühnen, auf denen Drogenkonsum, Kommunismus, bewaffneter Kampf, Marcuse und Marx und Mao eine diffus brodelnde Masse bildeten, die gegen Ausbeutung und den Vietnam-Krieg und für freie Popmusik für alle waren.

In Stanley Nelsons aufregend präziser, von markanten Musik-Splittern untermalter Dokumentation sieht man unter anderem, wie ein schwarzer Panther in einer dieser in rotes Plastik haltbar eingebundenen sogenannten Mao-Bibeln blättert. Aber die Worte des Vorsitzenden brachten niemanden wirklich weiter, jedenfalls nicht in Richtung der amorphen emanzipatorischen Vorstellungen, die in der Bewegung im Schwange waren.

Black Panthers auf Arte zeigt: Panther waren weiter als Black Lives Matter heute

Immerhin zeigt der Rückblick, dass die Panther in mehrfacher Hinsicht einige Schritte weiter waren als die gegenwärtige Black-Lives-Matter-Bewegung. Sie hatten ein breites Problembewusstsein entwickelt und in ihren Communities Fuß gefasst. Und sie waren offenbar zu einer echten Bedrohung für den rassistischen Konsens der damaligen weißen Mehrheitsgesellschaft geworden.

Jedenfalls war die Antwort der Mehrheitsgesellschaft auf die Panther kriegerisch. J. Edgar Hoover, der berüchtigte Reaktionär und FBI-Chef, erklärte die Black Panther Party zur größten Bedrohung der nationalen Sicherheit und ergriff entsprechende Maßnahmen: geheimdienstliches Ausspionieren und Unterwandern, gewaltförmige Verfolgung und Inhaftierung etlicher Führungsfiguren inklusive windiger Schauprozesse und in der Regel beweisloser Verurteilungen waren die wichtigsten Maßnahmen des Staates zur Zeit des Law-And-Order-Präsidenten Richard „Tricky Dick“ Nixon.

Black Panthers auf Arte: Staat schreckte nicht vor Bekämpfung der Gruppe zurück

Auch vor weiteren Eskalationen schreckte der Staat nicht zurück: Am 4. Dezember 1969 wurde Fred Hampton, ein lokaler Exponent der Panthers in Chicago, von einem Mordkommando der Polizei erschossen. Natürlich war die offizielle Sprachregelung, das sei in Notwehr geschehen. Die Tatort-Analyse aber zeigte, dass alle Einschusslöcher von außen nach innen gingen, außer einem einzigen ungezielten Schuss, der sich aus dem Schrotgewehr von Hamptons Leibwächter löste, als dieser erschossen wurde.

Was kann man aus einer solchen Dokumentation lernen? Dass die sechziger Jahre eine Zeit des Aufbruchs waren und dass in den USA in Law-And-Order-Zeiten gewaltsame Problemlösungen durch staatliche Organe immer denkbar sind. Drücken wir unseren transatlantischen Freunden die Daumen zum 3. November. (Hans-Jürgen Linke)

Black Panthers. Arte, Dienstag, 20. Oktober 2020, Teil 1: 20:15 Uhr, Teil 2: 21:05 Uhr und in der Arte-Mediathek.

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