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„Black Panther“-Star Florence Kasumba: „In der deutschen Filmbranche tut sich zum Glück schon etwas“

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Florence Kasumba bei der Deutschlandpremiere.
Florence Kasumba bei der Deutschlandpremiere von „Black Panther: Wakanda Forever“. © dpa

Auch wenn der Unterschied manchmal ernüchternd ist - trotz Hollywooderfolg spielt Florence Kasumba immer noch gern in deutschen Produktionen mit. Im Interview spricht sie über ihre Anfänge beim Musical, die Freude am vielen Reisen und die emotionalen Dreharbeiten für „Black Panther: Wakanda Forever“

Frau Kasumba, „Black Panther: Wakanda Forever“ ist inzwischen die fünfte Produktion, in der Sie als Dora Milaje-Kämpferin Ayo zu sehen sind. Was das Marvel- Universum angeht, müssten Sie mittlerweile also absolute Expertin sein, oder?

Nö, ich bin da ganz basic. Ich bin jetzt mittendrin in diesem Universum und genieße das auch. Aber es ist nicht so, dass ich besondere Expertise hätte. Ich kenne natürlich Team Wakanda, weil ich die Drehbücher kenne, aber ansonsten bin ich genauso Zuschauer wie alle anderen auch und freue mich immer, wenn die nächste Produktion herauskommt. Als wir im Sommer 2021 „Black Panther: Wakanda Forever“ gedreht haben, startete gerade „Black Widow“. Da haben wir ein Kino gemietet und uns den Film zusammen als Team angeschaut. Das war für uns, als würden wir unsere Cousins und Cousinen sehen, richtig familiär.

Die „Black Panther“-Familie musste mit dem Tod von dem früheren Hauptdarsteller Chadwick Boseman einen tragischen Verlust verkraften. Wie schwierig war es für Sie, überhaupt an der Fortsetzung ohne ihn zu arbeiten?

Total schwer, aber immerhin befand ich mich eben innerhalb dieser Familie. Wir haben gemeinsam getrauert und durften uns gemeinsam verabschieden. Vor den Dreharbeiten hat man uns zu Chadwicks letzter Ruhestätte geflogen, wo wir als seine Filmfamilie einen Tag hatten, an dem wir Abschied nehmen konnten. Trotzdem war die Arbeit natürlich nicht immer einfach, ich bin ja keine Maschine. Es gab Tage, die waren locker flockig, andere waren vor allem Action-lastig, und an anderen war man irgendwie nur traurig. Der Zusammenhalt im Team war dabei wichtig, denn natürlich kam es vor, dass man mal geweint hat oder der Dreh unterbrochen wurde, damit jeder ein wenig auftanken konnte. Es gab immer jemanden, der gespürt hat, wenn es dem Gegenüber nicht gut ging und man eine Pause brauchte. Diese Zeit konnten wir uns zum Glück bei diesem Film nehmen, weil wir alle gleichermaßen durch Chadwicks Tod traumatisiert waren.

Ihre Rolle im Film ist vergleichsweise klein. Wie verleiht man einer Figur wie Ayo trotzdem Kontur und Persönlichkeit?

Die Frage ist natürlich: was ist eine kleine Rolle? Ich habe im Mai 2021 angefangen, für den Film zu trainieren und zu drehen, und bin nun in diesem August mit der Arbeit fertig geworden. Ich habe noch nie für einen Film mehr als ein Jahr lang gearbeitet. Das ist für mich keine kleine Rolle. Selbst wenn in der Geschichte, die erzählt wird, vielleicht andere Vorrang haben und es nicht darum geht, wer in der sechsten Reihe in wen verliebt ist.

Aber für sich selbst beantworten Sie eben solche Fragen zu Ihrer Figur natürlich trotzdem?

Auf jeden Fall. Schon alleine, weil wir natürlich auch vieles gedreht haben, was jetzt nicht im Film drin ist. Und ich kenne inzwischen ja auch die „World of Wakanda“-Comics. Obwohl ich es auch sehr mag, dass zum Beispiel Ayo und Aneka und ihre Beziehung zueinander im Film nun durchaus anders sind als in den Comics. Das liebe ich auch so an Marvel: die haben mich 2015 kennen gelernt – und über die Jahre genau geguckt, was ich der Figur mitgeben kann, und sie entsprechend weiterentwickelt.

Als „Black Panther“ 2018 in die Kinos kam, war das nicht nur ein erfolgreicher Superhelden-Film, sondern hatte nicht zuletzt aufgrund der mehrheitlich Schwarzen Besetzung in den USA eine enorme kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutung. Wie haben Sie die Rezeption im Vergleich dazu hier in Deutschland erlebt?

Mich hat das damals schon ein bisschen ernüchtert. Ich kam im Januar 2018 aus den USA zurück, wo der Film enorm gehyped wurde. Überall hingen Poster, und meine Kollegen machten Witze darüber, dass nicht einmal sie selbst Tickets kaufen können, weil alle Screenings für die Startwoche sofort ausgebucht waren. Hier in Berlin war dagegen überall nur Werbung für „Red Sparrow“ mit Jennifer Lawrence zu sehen, obwohl dessen Kinostart erst ein paar Wochen nach „Black Panther“ war. Ich habe das nicht verstanden. Bis mir jemand sagte, dass auf unserem Plakat einfach zu viele Schwarze Menschen zu sehen seien. Das fand ich schon krass. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Film hier erst so wirklich ernst genommen wurde, als er schließlich drei Oscars gewann. Auch deswegen war es eine gewisse Genugtuung, eine Fortsetzung zu drehen und zeigen zu können, wie groß das Interesse daran ist.

Zur Person

Florence Kasumba (46), geboren in Uganda und aufgewachsen in Essen, studierte Gesang, Tanz und Schauspielerei in den Niederlanden, bevor sie sich auf deutschen Musical-Bühnen einen Namen machte.

Vor der Kamera gelang ihr nach zahlreichen kleinen Rollen im deutschen Fernsehen der Durchbruch, als sie in „The First Avenger: Civil War“ erstmals als Wegbegleiterin des Superhelden Black Panther zu sehen war. Die Figur der Ayo spielte sie seither auch in „Black Panther“, „Avengers: Infinity War“ oder der Serie „The Falcon and the Winter Soldier“.

Darüber hinaus ermittelt Kasumba, die mit ihrer Familie in Berlin lebt, als Kommissarin Anaïs Schmitz im niedersächsischen „Tatort“ und war auch in Serien wie „Deutschland 89“, „Spides“ und „Kitz“ zu sehen.

„Black Panther: Wakanda Forever“ läuft ab heute (9. November) in deutschen Kinos. Es ist der zweite Film der Reihe, innerhalb der größeren Marvel-Franchise, von Regisseur Ryan Coogler.

Sie selbst feiern seither einen Erfolg nach dem anderen, egal ob im Marvel-Universum oder als „Tatort“-Kommissarin. Vermissen Sie manchmal noch die Welt der Musicals, in der Sie einst Ihre Karriere begannen?

Durchaus, aber im Moment hätte ich keine Zeit, in dieser Hinsicht wieder aktiv zu werden. Wenn ich für ein Bühnenmusical unterschreibe, dann bin ich anderthalb Jahre damit beschäftigt. Im Moment passiert aber so viel, dass ich mich ungern für einen so langen Zeitraum festlegen möchte. Außerdem ist meine Basis ja Berlin – und durch die fünf Marvel-Produktionen in den letzten Jahren war ich wirklich viel zu selten hier. Ich habe auch Lust, mal wieder zu Hause sein. Manchmal treffe ich Leute, die sich freuen mich zu sehen und fragen, wie lange ich denn in der Stadt bleibe. Weil die sich schon gar nicht mehr erinnern, dass ich hier wohne!

„Ich darf das ganze Jahr über tolle Kostüme tragen“.
„Ich darf das ganze Jahr über tolle Kostüme tragen“. © AFP

Mit Blick auf dieses Arbeitspensum haben Sie vor ein paar Jahren mal gesagt, dass Sie Stress eigentlich nicht kennen, weil Sie tun, was Sie lieben. Gilt das immer noch?

Ja, denn ich darf das ganze Jahr über spielen und tolle Kostüme tragen. Wer würde denn dazu nein sagen? Mir macht dieser Beruf so viel Spaß, dass mich selbst das Reisen und das viele Hin und Her nicht anstrengt. Auch weil ich auf Reisen gut lernen kann. Im Zug oder Flugzeug zu sitzen, empfinde ich nicht als Stress, denn da geht der Text gut rein, und außerdem weiß ich, dass beim Aussteigen tolle Kollegen auf mich warten und eine spannende Produktion beginnt.

Ist es mitunter ernüchternd, nach einer großen Hollywood-Produktion zurück ins deutsche Fernsehen zu kehren? Rein was den finanziellen Rahmen und den Komfort der Arbeitsbedingungen angeht?

Natürlich gibt es da einen Unterschied. Aber ich mag es einfach, auch immer wieder in deutscher Sprache zu arbeiten. Wenn ich ein ganzes Jahr im Ausland war, ist es jetzt auch mal wieder schön, jedes einzelne Wort zu verstehen und zu wissen, wie ich Dinge betonen soll. Und ich mag die Abwechslung, deswegen macht es mir Spaß, hier wie dort zu drehen.

Wo könnte sich die deutsche Filmbranche von der amerikanischen noch etwas abschneiden?

Diverser casten und besetzen. Vielleicht auch mit Quoten arbeiten, um wirklich etwas zu verändern. Es tut sich in dieser Hinsicht ja zum Glück schon etwas, das freut mich sehr.

Interview: Patrick Heidmann

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