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„Men in Black: International“ ist ein erfrischender Relaunch der charmantesten Blockbuster-Reihe.

„Men in Black“

„Men in Black: International“: Die Frau in Schwarz

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„Men in Black: International“ ist ein erfrischender Relaunch der charmantesten Blockbuster-Reihe.

Vielleicht sollte man zwei Sorten von Filmen einfach mal zehn Jahre lang nicht mehr produzieren. Diejenigen, in denen Polizeikommissare an Haustüren fragen, ob denn der Sowieso da sei. Und jene, in denen sich die Guten mit den Bösen um irgendeinen funkelnden Gegenstand streiten, der eine wundertätige Macht verleiht.

Allerdings lässt sich manchmal durch die bloße Kombination solch abgestandener Handlungsmuster schon etwas Besonderes kreieren. Vor nunmehr 22 Jahren gelang Barry Sonnenfelds Comicverfilmung „Men in Black“ genau das – eine Verbindung aus Agenten-, Science-Fiction- und Monsterfilm ohne Altersgrenzen.

Men in Black: USA 2019. Regie: F. Gary Gray 115 Min.

Die Betreiber dieses frühen, man verzeihe das böse Wort, Ankerzentrums für außerirdische Erdenbesucher, trotzten den filmischen Klischees ihres Berufsstandes mit dandyhafter Selbstverliebtheit. Gekleidet wie sich Karl Lagerfeld einen Türsteher vorgestellt hätte, wären sie auch bei jeder Geschmackspolizei willkommen gewesen. Ihren Humor und ihre Leichtigkeit hatten die Filme ihren dunklen Comicvorlagen voraus, die sie an Erfolg weit überflügelten. Zugleich waren sie Pioniere eines Zeitstils, der inzwischen als Retro-Futurismus fast ein eigenes Klischee geworden ist. Selbst die chromglänzenden Waffen erinnerten eher an italienische Expresso-Automaten. Das Schönste an diesem Überschuss an gutem Geschmack war freilich, dass niemand außerhalb der Agentur ihn je zu sehen bekäme. Denn per „Blitzdingsen“ verhinderten sie ja fleißig alle Zeugenschaft.

Das geht zu Beginn des vierten Films der Serie für einen kurzen Augenblick schief. Ein kleines Mädchen beobachtet unbemerkt die Jagd nach einem niedlichen außerirdischen Zottelfratz, vor dem das von Liam Neeson und Chris Hemsworth gespielte Agentenpaar allerdings nur warnen kann. „Noch sind sie süß, aber wenn sie groß sind …“

Das Ergebnis dieser Nachlässigkeit: Als das schwer beeindruckte Mädchen selbst groß ist, sucht es sich den Weg zu diesem geheimsten aller Geheimdienste, für den sie unbedingt arbeiten möchte. Nun von Tessa Thompson gespielt, dem afroamerikanischen Jungstar aus dem letzten „Avengers“-Film, rennt sie trotz aller Verschwiegenheit bald offene Türen ein. Vor 22 Jahren mag Geschlechtergerechtigkeit noch weniger als heute auf der Tagesordnung gestanden haben. Aber eine Behörde, die „Men in Black“ heißt, steht natürlich unter Sexismus-Verdacht.

Tommy Lee Jones und Will Smith werden nicht vermisst

Fast haben wir sie also zurück, aber dann doch nicht ganz: „Men in Black: International“ ist ein sogenanntes Spin-Off, das die Behörde nun als Weltorganisation vorstellt. Für die Produzenten birgt das besondere Vorteile. Einerseits können sie nun potenziell auf europäische Filmförderungen zugreifen. Andererseits haben sie eine Ausrede, die Gagen für Tommy Lee Jones und Will Smith einzusparen. Aber man vermisst sie auch nicht allzu lange.

Chris Hemsworth, der gemeinsam mit Liam Neeson in der Rolle des gestandenen Weltretters eingeführt wird, besitzt als „Agent H“ nicht wenig von Smith’ jungenhaftem Charme. Tessa Thomsons hinreißende Agentin „M“ ist ihm intellektuell in jeder Hinsicht überlegen, stolpert allerdings ein paar Mal über ihren Übereifer. Es ist allein die Chemie zwischen diesen liebenswerten Stars, die diesen Film von Anfang an über das Niveau üblicher Blockbuster hebt. Die Geschichte selbst wirkt dagegen absichtsvoll minimalistisch. Es gibt einen Maulwurf in der Behörde, der eine wesentliche Information an die Aliens gegeben haben muss, weshalb auch ausgewiesene Weltretter wie Agent H in Verdacht der Fehlbarkeit geraten.

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Zu einer dubiosen Figur gerät auch der von Liam Neeson verkörperte Behördenchef. Allerdings sind die Aliens bekannt für ihre Fähigkeit, die Gestalt von Menschen annehmen zu können, was nicht gerade zur Entwirrung der Situation beiträgt. Ausgehend von seiner Londoner Operationsbasis jagt das Agententeam in James-Bond-Manier über den Globus, doch unter der Regie von F. Gary Gray, der Barry Sonnenfeld beerbt, wirkt das Konzept ein wenig aufgebrochen. Die Dialoge sind weniger witzelnd, was man bedauern kann, die Stilisierung weniger dominant. Dabei sind die Einfälle nicht weniger kulturaffin: Modedesigner Paul Smith hat einen Kurzauftritt, und das französische Tanzduo Les Twins (ehemals Tänzer bei Beyoncé) setzt einen eleganten Popakzent.

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Produzent Steven Spielberg scheint zugleich präsenter in Erinnerung an seine Gremlins-Filme; insbesondere, als sich ein winziger Alien-Ritter an die Fersen von Agentin M. heftet. Deutlich einem kleinen Disney-Helden nachempfunden, vielleicht Jiminy Grille aus „Pinocchio“, weicht er nicht mehr von ihrer Schulter. Hemmungslos ergeben, hält er sie für eine Prinzessin – und spricht dabei dem Publikum aus dem Herzen, das immerhin mit Tessa Thompson gerade einen neuen Stern aufgehen sieht.

Noch sind die Buchdeckel über den originalen „Men in Black“-Geschichten nicht ganz geschlossen, und vielleicht kommt es ja noch zu einer Rückkehr von Tommy Lee Jones und Will Smith. Würdige Nachfolger aber haben sie zweifellos gefunden.

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