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Eisner und Fellner im Schnürlregen.

"Tatort: Wahre Lügen", ARD

A bisserl kürzer treten

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Kürzer treten - das tut diesmal auch der schwächelnde Österreich-Tatort "Wahre Lügen".

Bibi Fellner und Moritz Eisner haben den Blues. Fellner, Adele Neuhauser, jammert, „warum zieh ich das Unglück an?“ (Na ja, was heißt hier Unglück, sie tut halt ihre Arbeit.) Eisner, Moritz Krassnitzer, philosophiert über Schusswaffengebrauch und darüber, wie verdammt lange er schon Polizist ist. Er soll üben, er trifft nicht gerade gut, er behauptet, die Waffe habe „an Linksdrall“. Die junge Beamtin am Schießstand beweist ihm sogleich, dass dem nicht so ist.

Blamage. Zum Glück, findet er, muss er dann auch schon hurtig an den Wolfgangsee, dort wurde ein Auto aus dem Wasser (und in den Schnürlregen) gezogen – und in dem Auto eine Leiche. 

Die Tote war Journalistin, sie war an einer brisanten Geschichte dran, die mit Waffenschiebereien zu tun hat, aber auch mit dem Selbstmord (oder war es Mord? Wikipedia spricht von „ungeklärtem Todesfall“) des ehemaligen österreichischen Verteidigungsministers Karl Lütgendorf im Jahr 1981. Die beiden Wiener Sonderermittler kommen langsam in Schwung, da taucht die „Generaldirektion für Innere Sicherheit“ auf, spricht von einem „Routineprozedere“ und möchte aber haarklein auf dem Laufenden gehalten werden. Da muss noch der Dümmste die Nachtigall trapsen hören. „Ernstl“, Hubert Kramar wie stets als hübsch lässiger Oberst Ernst Rauter, tut immerhin, was er kann, um sich vor seine naturgemäß widerspenstigen Ermittler zu stellen. 

Der gewissenlose Journalist, der dubiose Firmenchef 

Denen hat Thomas Roth, Regie und Buch, eine verspätete Midlife-Krise auf den Leib geschrieben in einem an Klischees nicht gerade sparenden Tatort mit dem auch nicht sehr originellen Titel „Wahre Lügen“. Das können die Österreicher eigentlich besser, bisweilen viel besser; aber jeder sollte mal schwächeln dürfen. 

Roth versucht mittels Krimi-Versatzstücken und den Erwartungen, die der Zuschauer mit diesen verknüpft, falsche Fährten zu legen. Aber es bleiben halt Versatzstücke. Da sind die undurchsichtigen, gern vage drohenden Kollegen von der Inneren Sicherheit („die beiden Kollegen müssen a bisserl kürzer treten“, sagen sie zu Fellner und Eisner). Da ist der ebenfalls verdächtig undurchsichtige Unternehmer, der möglicherweise Politiker besticht, Waffen in Krisengebiete verschiebt und gefährliche Sexpraktiken schätzt. Und der jedenfalls irgendwas mit der Toten im Auto zu tun gehabt haben muss, er leugnet es nicht einmal. Da ist der Chef des politischen Magazins, für das die Tote arbeitete, er ist ein Abziehbild des gewissenlosen Journalisten, der sich für schlauer hält als die Beamten. Ein ehemaliger Polizist gibt den Informanten in Sachen Lütgendorf, er tut das häppchenweise und erstaunlich ungeschickt. 

Von diesen Figuren aus, die man aus anderen TV-Krimis nur zu gut zu kennen meint, versucht sich „Wahre Lügen“ mal mehr, mal weniger erfolgreich am Hakenschlagen und Überraschen. Klar ist bald, dass fast alle ihr eigenes Süppchen kochen. Klar ist bald, dass auch die Lebensgefährtin der Toten, obwohl sie anfangs so ergreifend schluchzt, durchaus eigene Pläne und Ziele hat. 

Immerhin kann man sich wie immer am niedlichen Österreich-Sound freuen: „Schimpfi“, „Karli“, „Gschäftl“. Immerhin kann man sich den Rat Moritz Eisners für die traurige Bibi Fellner merken: „Lass des ned immer so tief in dein Herz rein.“ Keine Angst, bei diesen Figuren ist die Gefahr nicht groß, man könnte zu heftig mit ihnen leiden. 
 
„Tatort: Wahre Lügen“, ARD, So., 20.15 Uhr. 

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