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Bill Gates Sandra Maischberger
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Bill Gates bei Sandra Maischberger: Mit Impfungen gegen Corona und mit Atomkraft gegen den Klimawandel. (Screenshot)

TV-Kritik: maischberger. die woche

Bill Gates bei Maischberger (ARD): Pandemien gefährlicher als Atomwaffen – Ihm war das bereits klar

  • VonMirko Schmid
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Bill Gates verzaubert Sandra Maischberger in der ARD und spricht sich für die Atomkraft aus. Schon Jahre zuvor habe er betont, wie gefährlich Pandemien sind.

  • Bill Gates ist in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger zu Gast und scherzt über Impfgegner und Donald Trump.
  • Im Vorprogramm von maischberger. die woche. treten Pinar Atalay, Constanze von Bullion, Ulrich Reitz sowie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer auf.
  • Sandra Maischberger spricht mit Bill Gates über die Gefahr durch das Coronavirus und die Chance durch Atomkraft.

Frankfurt – Sandra Maischberger lädt in der ARD zum spätabendlichen Bühnenprogramm, und das klingt vielversprechend: Microsoft-Gründer und Multimilliardär Bill Gates als Headliner, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sowie eine illustre journalistische Runde im Vorprogramm.

Sein Problem ist es, dass er von Leuten umgeben ist, sagt er, die ihm immer wieder sagen, wie begeisternd, großzügig, sympathisch, schlau und reich er sei. Wie geschmackvoll, couragiert, verantwortungsvoll, natürlich bescheiden und reich. Die Leute, sagt er, sagen ihm immer wieder, wie göttlich er sei. Ganz genau, sagt er, die Leute sind Speichellecker.

Bevor Bill Gates auf die Bühne tritt, lässt Maischberger (ARD) Journalisten als Vorgruppe von der Leine

Henryk Ingenieur ist Gründer von „TheShop“, dem größten Versandhandel in „Quality Land“, und eine Romanfigur des gar nicht mehr so kleinen Känguru-Kleinkünstlers Marc-Uwe Kling. Mit seinem Klagegesang steht er sinnbildlich auch für Bill Gates. Der ist einer der reichsten Menschen der Welt. Und einer der verantwortungsvollsten und humorvollsten Menschen obendrein.

Das zumindest steht Sandra Maischberger ins Gesicht geschrieben, während sie in ihrer ARD-Sendung maischberger.die woche ihrem Gast Bill Gates beeindruckend distanzlos und charmant lächelnd Stichworte zuwirft. Doch bevor der Stargast auf die Bühne tritt, die wie in diesen schwierigen Zeiten inzwischen unwirklich gewohnt aus einem Flachbildschirm besteht, dürfen die Vorbands ran. Den Anfang machen neben Maischberger die Fernsehmoderatorin Pinar Atalay, die Journalistin Constanze von Bullion und der ehemalige Focus-Chefredakteur Ulrich Reitz. Gemeinsam spricht das journalistische Quartett über Corona. Über ihre persönlichen Verlierer der Woche. Und über Fußball.

Vorprogramm von Bill Gates bei Maischberger (ARD): Fußballer-Bashing und Parade der Stereotype

Die Verlierer Armin Laschet (von Bullion), Altmaier (Reitz) und wir alle (Atalay) sind schnell abgearbeitet, da begibt sich die Runde auf ein ganz, ganz sensibles und schwieriges Parkett - das Bashing von Profifußballern. Geradezu mutig wird Thomas Müller an den Pranger gestellt, weil der Bajuware eingemummelt in einen Ganzkörperschutzanzug von Katar nach München zurückgeflogen war, anstatt sich sozial vorbildlich in einem schicken Hotel (von Bullion) im Wüsten- und Folterstaat in die Quarantäne zu verschanzen.

GastBeruf
Pinar AtalayTV-Moderatorin
Constanze von BullionJournalistin
Ulrich ReitzJournalist
Michael KretschmerMinisterpräsident Sachsen
Bill GatesStiftungsgründer

Sie selbst sei, sagt von Bullion bei Maischberger in der ARD, „keine Bayern-Hasserin“, aber das muss ja wohl noch mal gesagt werden dürfen, traut sich ja sonst keiner in diesem Land, mit dem Finger auf die hoch bezahlte und privilegierte Zunft der Kicker zu zeigen. Andererseits, findet sie, dürften Fußballtrainer - sie meint Bayern-Coach Hansi Flick, der sich über all diese Experten da draußen im Allgemeinen und Karl Lauterbach im Speziellen echauffiert - der Politik ja ruhig mal vors Schienbein treten. Die müssen schließlich nicht so glatt reden und dürften sich so ein bisschen unflätig ausdrücken, findet sie. So sind sie halt, diese Fußballer.

Maischberger (ARD): Gates rettet die Welt, Sachsen-Ministerpräsident Kretschmer nicht mal Ostern

Pinar Ataly verwandelt die per feiner Stereotypen-Flanke ins Halbfeld gebrachte Vorlage mittels perfekt abgedroschener Phrase direkt unter die Latte: „Da kommt der Ball ins Rollen.“ Und Ulrich Reitz bestätigt auf Nachfrage, dass alles okay sei, solange man es sich nur leisten könne. Nachdem Maischberger in der ARD den Fußball dann als leuchtendes Beispiel bezeichnet, von dem eine Signalfunktion für die Gesellschaft ausgehe, wenden die vier sich dem sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer zu.

Der hatte sich erdreistet, bereits jetzt anzudeuten, dass es wohl nichts wird mit dem Osterurlaub und lustigen Superspreader-Touren durch das ganze Land. Ganz schlimm sei das, findet Ulrich Reitz, man solle doch bitte weiter auf Sicht fliegen. Mit Ansage verhagelt habe der Politiker die Hoffnungen der Menschen. Es fehlt eigentlich nur noch, dass er die Ostereier-Suche zum Menschenrecht ausruft. Pinar Atalay findet, dass man in diesen Zeiten doch bitte aufpassen möge, was man sagt.

Einzig von Bullion bekommt Kretschmer gepackt, als sie noch einmal nacherzählt, dass der CDU-Politiker noch im Frühjahr letzten Jahres einen Lockdown um Himmels willen verhindern wollte, im Dezember auf einmal gemerkt hat, dass es sich bei Corona ja wider aller Erwartungen doch um eine gefährliche Krankheit handelt und auf einmal nicht schnell und hart genug schließen wollte.

ARD: Als Anheizer für Bill Gates will Michael Kretschmer bei Sandra Maischberger nicht so recht zünden

Und wie das so ist, wenn man vom Teufel spricht, gesellt sich der inzwischen dann doch über dieses Corona informierte sächsische Landesvater Michael Kretschmer in die Runde und meckert erst einmal über die Presse. Eine Zeit ohne Zwischentöne sei das, eine Freude am Missverständnis herrsche vor. Der Journalismus, findet er, hat da auch seinen Anteil dran. Später sieht man ihn in einem Einspieler eine Gruppe erboster Gegner der Corona-Maßnahmen mit einem sensiblen „Ruhe!“ zusammenstauchen, die ihn - ebenfalls mit äußerst viel Gefühl in den Fingerspitzen - beim Schneeschippen vor dem eigenen Haus zur Rede stellen wollten. Ja, das war tatsächlich nicht so nett, bekennt Kretschmer.

So richtig zündet er an diesem Abend nicht. Man kennt es: Im Grunde ist die Performance der letzten Vorband sowieso egal, begeistern wird er heute niemand. Das Publikum ist langsam ermüdet vom Warten und will den Hauptact sehen. Und dann endlich ist es soweit. Der große Moment. Bill Gates. Zunächst einmal als Prophet: Sandra Maischberger kündigt einen Einspieler an, in dem „ein Mann“, wie sie gleich zweimal erwähnt, schon „vor sechs Jahren“ alle gewarnt hatte. Damals beschrieb Gates Pandemien gefährlicher als Atomwaffen, wenn etwas in den kommenden Jahrzehnten mehr als 10 Millionen Menschen töte, dann ein Virus.

Bill Gates gibt bei Sandra Maischberger (ARD) seine Audienz und zerlegt Donald Trump

Der Einspieler endet, die Audienz beginnt. Und Maischberger, vorher gewohnt süffisant und zuweilen bissig, schmilzt fast ein wenig dahin. Einer der bekanntesten und berühmtesten Menschen der Welt sei er, wie er sich denn jemandem vorstellen würde, der ihn nicht kenne, will sie wissen. Überraschender Weise stellt sich Gates als ehemaliger Softwareentwickler und nun im Stiftungswesen aktiver Privatier vor. Schon an dieser Stelle kichert Sandra Maischberger im Hintergrund. Und so geht es weiter. Ihre Fragen klingen wie Einladungen an Bill Gates, sich im richtigen Lichte darzustellen. Und das tut er.

Durchaus mit einem gewissen Charme spricht Gates über die Bekämpfung von Infektionskrankheiten und Klimawandel, erzählt, wie die reichen Länder bis Ende des Jahres gegen Corona geimpft sein können und die ganze Welt bis Ende 2022 und lässt nur ein einziges gutes Haar an vier Jahren Donald Trump: Der nämlich habe Programme seiner Vorgänger neu etikettiert und als seine verkauft, aber immerhin eine gigantische Menge Geld in die Herstellung von Impfstoffen gesteckt. Ansonsten, findet Gates, hätte Trumps Amtszeit der USA sehr geschadet.

Joe Biden hingegen dulde im Gegensatz zu Trump keine Trottel in seiner Corona-Task Force und verlasse sich auf Experten. Das, so findet Gates, sollten so langsam auch mal die Impfgegner tun, von denen einige so abgedrehte Verschwörungstheorien spinnen würden, dass er gar nicht wisse, wie er ihnen noch darauf antworten könne. Denn dem Virus könne man nur mit Vernunft beikommen. Eine Impfpflicht will er niemandem vorschreiben, das müsse jedes Land für sich entscheiden. Akzeptanz müsse her. Und Vertrauen. Die Beweise für die Wirksamkeit lägen schließlich vor. Und Impfstoffe hätten schließlich mehr Leben gerettet als jedes andere medizinsiche Werkzeug.

Für die Verschwörungstheorien der Impfgegner zeigt Bill Gates bei Maischberger (ARD) kein Verständnis

Der wahnwitzigen Idee, dass er Menschen Nanochips per Impfung implementieren wolle, um sie zu kontrollieren, wirft Bill Gates grinsend ein entwaffnendes Argument entgegen: Er verstehe schlicht nicht, warum er den Wunsch haben solle, Menschen zu überwachen, und wie Impfstoffe mit Mikrochips in Verbindung gebracht werden könnten. Sandra Maischberger lächelt in sich hinein. Er selbst verdiene darüber hinaus keinen Cent an den Impfstoffen und selbst wenn, dann gebe er es sofort wieder dafür aus, Menschen impfen zu lassen.

Anschließend geht es um ein andres Welt-Thema, den Klimawandel. Bill Gates beteuert, seinen Privatjet mit Biokraftstoffen zu betanken, CO2 aus der Luft fischen und lagern zu lassen, und gibt ein ambitioniertes Ziel aus: Die CO2-Emissionen müssten auf null gesenkt werden, um die Erderwärmung aufzuhalten. Doch Maischberger entdeckt auf den letzten Metern die Journalistin in sich und spricht Gates darauf an, dass die Atomkraft Teil seines Planes sei, dieses Ziel zu erreichen. Das fänden die Deutschen schließlich nicht so toll. Gates malt das Bild einer ganz neuen, supersicheren Atomkraft, deren Entwicklung er fördere.

Maischberger in der ARD: Bill Gates will den Klimawandel mit supersicherer Atomkraft stoppen

Sandra Maischberger erinnert Bill Gates daran, dass die Atomkraft auch vor Tschernobyl und Fukushima immer als super sicher gepriesen wurde. Gates will den Vergleich so nicht stehen lassen, dennoch läge es bei Deutschland und Angela Merkel selbst, wie sie diesbezüglich empfinden wollen. Zum Ende hin menschelt es, als sich Gates als Nerd bezeichnet, der nicht dafür gemacht sei, als Politiker Reden zu schwingen, und davon berichtet, wie sehr ihn seine Ehefrau Melinda zum Besseren verändert habe.

Den Schlusspunkt setzt Bill Gates mit der Anmerkung, dass er im Gegensatz zu Tesla-Gründer Elon Musk kein Mars-Mensch sei und sich lieber um die Probleme auf dieser Erde kümmern möchte. Und nicht nur Sandra Maischberger könnte sich zu diesem Zeitpunkt dabei ertappt fühlen, diesen reichen Mann dann doch irgendwie auch als couragiert, humorvoll, kompetent, verantwortungsvoll, sympathisch und natürlich bescheiden wahrgenommen zu haben. (Mirko Schmid)

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