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Ben Stiller - "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty".
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Ben Stiller - "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty".

„Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Ein Bild geht um die Welt

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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In Ben Stillers überzuckertem Remake „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ sieht alles aus wie in einem amerikanischen Weihnachtsfilm – eingewickelt in warme, erdige Farben, aus denen man besser Wollmützen gestrickt hätte.

Ben Stillers Neuverfilmung von „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ fühlt sich an wie ein Tag bei „Starbucks“: Die Musik, die man hört – ein gut gelaunter Mix aus Of Monsters and Men, Arcade Fire und David Bowie – und die farbenfrohen Landschaftsbilder von überall, wo man auf faire Weise Kaffee handelt oder wenigstens gerne welchen trinkt.

Wie gerne haben wir Ben Stiller intelligente Außenseiter spielen sehen (wie in „Greenberg“) oder sich über sein verbissen ernstes Gesicht gefreut, wenn ihn nichts als Albernheit umgab (wie in „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“). Doch nun dreht er selbst einen Film als Regisseur über einen phantasiebegabten Außenseiter, und alles sieht aus wie in einem amerikanischen Weihnachtsfilm – eingewickelt in warme, erdige Farben, aus denen man besser Wollmützen gestrickt hätte.

Das Gedächtnis auffrischen

James Thurbers klassische Kurzgeschichte „The Secret Life of Walter Mitty“ erzählt von einem weltflüchtigen Tagträumer, den unscheinbare Alltagsgeschehnisse zu Heldenphantasien in eigener Sache inspirieren. Ein paar Handschuhe zum Beispiel lassen ihn von einer Karriere als Star-Chirurg träumen. Oder die Phrase: „Vielleicht frischt das Ihr Gedächtnis auf“ ein Gerichtsdrama imaginieren.

Hollywood konnte gar nicht anders, als dieses Medley stereotyper Kinostoffe zu verfilmen. So entstand 1947 die surreale Musicalphantasie „Das Doppelleben des Herrn Mitty“ mit Danny Kaye, der als Lektor eines Groschenheftverlags in einen knallbunten „film noir“ gerät.

Unentschlossen, welche dieser beiden berühmten Vorlagen er nun verfilmen sollte, entschied sich Stiller für einen Mix: Sein Mitty, den er selbst verkörpert, ist ein kleiner Angestellter – soviel „retro“ muss sein – beim großen „Life“-Magazin. Das allerdings wird auf „online“ umgestellt, doch bei der letzten Print-Ausgabe passiert ein Malheur: Das Fotonegativ des Titelbilds, vom Starfotografen (Sean Penn) zu Mittys Händen adressiert, geht verloren. So macht sich Mitty auf eine abenteuerliche Suche nach dem Kamera-Heroen, die ihn an einige der Spielorte der alten Kurzgeschichte führt – ein Schiff in Seenot oder ein Kriegsgebiet.

Doch auch wenn sich das Negativ schließlich findet – verloren geht das Entscheidende: Das Spiel mit dem Traum, den Schnittstellen zwischen Realität und Phantasie. Vom hinreißenden Slapstick und Wortwitz der Erstverfilmung mit dem unvergleichlichen Danny Kaye einmal ganz zu schweigen. Auch wenn diese Hinzufügungen dem Schriftsteller James Thurber auch schon nicht gefallen haben sollen. Denn wie so viele Meister der amerikanischen short story liebte er die Kürze – seine Geschichte umfasst nur zwei Druckseiten. Eine Tugend, die im heutigen Hollywoodkino nun wirklich nichts mehr wert ist.

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