Im Halbfinale mit von der Partie: Ivy Quainoo.
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Im Halbfinale mit von der Partie: Ivy Quainoo.

The Voice of Germany

Der beste Rest

  • Marie-Sophie Adeoso
    vonMarie-Sophie Adeoso
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„The Voice of Germany“ scheitert am Abwählprinzip der Castingshow: Wo ausschließlich starke Stimmen gegeneinander antreten, kann es keinen Besten geben. Doch das Regelwerk wird eisern eingehalten. Und so müssen auch nach dem Viertelfinale wieder Favoriten nach Hause gehen.

Vielleicht ist gar nicht wahr, was Moderator Stefan Gödde zu Anfang der Viertelfinalshow von „The Voice of Germany“ verkündet. Von zwölf verbliebenen Kandidaten werden an diesem Abend vier nach Hause geschickt. Die Sendung werde in zwei Wochen „mit einem Knall zu Ende gehen“, sagt Gödde, und: „Dann wissen wir, wer die beste Stimme Deutschlands ist.“

Genau an diesem Anspruch aber muss diese Sendung scheitern. Und das nicht, weil sie wie die längst uralt aussehende Konkurrenz von „Deutschland sucht den Superstar“ keine guten Sänger zu bieten hätte, die diesen Titel verdienten. Sondern weil sie zu viele hat und hatte. Wo starke, individuell völlig unterschiedliche Stimmen sich miteinander messen, kann es keinen Besten geben – diese Castingshow führt seit dem Ende der Blind Auditions das Ene-mene-muh-raus-bist-du-Prinzip der Castingshows ad absurdum und sprengt den sich selbst gesetzten Rahmen.

Reihenweise Kandidaten, darunter hochgehandelte Favoriten, mussten die Show schon früh verlassen, weil aus Duellen, die oftmals perfekt gesungene Duette waren, eben laut Regelwerk nur ein Sieger hervorgehen durfte. Jury-Mitglied Xavier Naidoo musste in einer der ersten Live-Shows sogar den zuvor als „besten Sänger des Universums“ betitelten Rüdiger Skoczowsky nach Hause schicken.

So entscheiden in dieser Show, die sich rühmt nur auf die Stimme der Sänger zu achten, am Ende vielleicht gerade wegen ihres Anspruchs eben doch Kriterien wie Sympathie, Bühnenpräsenz oder persönlicher Geschmack über In oder Out. Denn die gesangliche Qualität ist auch an diesem Abend fast durchweg wieder auf so Fernsehshow-untypisch hohem Niveau, dass sie als Entscheidungskriterium nur in wenigen Fällen taugt – etwa bei Ivy Quainoo und Kim Sanders, deren Weiterwahl durchs Fernsehpublikum wenig überrascht.

Die Jury kultiviert ihre Spleens

Sie werde die Show „so lässig und spaßig wie möglich angehen“, verkündet Jurorin Nena fast trotzig zu Beginn des Viertelfinales. So kultiviert die Jury weiterhin ihre langsam sattsam bekannten Spleens. Boss Hoss lümmeln auf ihren Jury-Stühlen, wie vor der Glotze auf der Couch und mögen noch immer keinen Mainstream-Pop. Xavier Naidoo alias „Doktor Ton“ tadelt den unfuckingfassbar-fluchenden Rea Garvey für seine Songauswahl und Mama Nena schwafelt sphärisch-esoterisch daher und findet die Kandidaten alle „absolut toll“.

Die wiederum klammern sich an diese sympathische Wohlfühlstimmung, die gezwungenermaßen mit dem Konkurrenzprinzip kollidieren muss. Nach jedem Auf- und Abtritt liegen Sänger und Sängerinnen, Jury-Mitglieder und Moderatoren sich reihum in den Armen. Ivy, Ramona und Ole aus Team BossHoss halten sich während der Ergebnis-Verkündung an den Händen. Rino Galliano trägt ein Fan-Shirt mit dem Konterfei seines Team-Xavier-Kollegen und -Konkurrenten Mic Donet. Paradiesvogel Percival aus Team Rea weint bitterlich über das Ausscheiden von Ramona. Nur Sänger Behnam verlässt die Bühne nach einer von Xavier Naidoo als „avantgardistisch“ bestaunten Beatles-Interpretation mit stoischer Gelassenheit.

Dass das Publikum aus Team Rea den ruhigen YouTube-Star Michael weiter wählt statt der scheinbar favorisierten Rampensau Percival, bringt Juror Rea Garvey jedoch kurzzeitig aus der Fassung. So hat Xavier Naidoos Kandidat Rino am Ende das Ausscheiden von Percival zu betrauern, ehe auch er den Hut nimmt. Im Halbfinale stehen nun Ivy Quainoo und Ole (Team Boss Hoss), Kim Sanders und Sharron Levy (Team Nena), Michael Schule und Jasmin Graf (Team Rea), sowie Mic Donet und Max Giesinger (Team Xavier).

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