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Sechs deutsche Produktionen und Ko-Produktionen werden im Wettbewerb Kplus der Berlinale laufen. 

„Generation“

Berlinale-Sektion für Kinder und Jugendliche: „Mit kraftvollen Argumenten“

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Leiterin Maryanne Redpath zur Sektion „Generation“.

Frau Redpath, 2019 sorgte „Systemsprenger“ im Wettbewerb für Furore. Hätte er auch in der Sektion „Generation“ laufen können?

Uns ist wichtig, wie Kinder in Filmen gezeigt werden, insbesondere wenn sie schwierige Verhaltensmuster haben. Junges Publikum identifiziert sich gern mit den Figuren auf der Leinwand. Ich finde das Mädchen Benni in „Systemsprenger“ toll gezeichnet, aber ich glaube, es sollte von einem erwachsenen Publikum wahrgenommen werden. Ich fand den Film im Wettbewerb sehr gut aufgehoben.

„Generation 14plus“ hat mit einem Berlin-Film von Leonie Krippendorf eröffnet, „Kokon“. Gibt es mehr deutsche Beiträge in Ihrer Sektion?

Wir haben sechs deutsche Produktionen und Ko-Produktionen. Im Wettbewerb Kplus zeigen wir „Die Adern der Welt“ von Byambasuren Davaa, die durch den Film „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ bekannt ist. Zwei deutsche Dokumentarfilme gibt es, einer spielt in Nicaragua, einer in Bulgarien. „Yalda, la nuit du pardon“ bei 14plus spielt im Iran und führt in eine Reality-TV-Show, in der vor Millionenpublikum über die Begnadigung einer Frau entschieden werden soll.

Nach wie vor laufen wenige Filme, die man bei „Generation“ sehen kann, später im Kino. Kann man nicht mehr dafür tun?

Wir tun etwas: Ab diesem Jahr gibt es die neue unabhängige Jury AG Kino Gilde 14plus. Sie vergibt einen Preis an einen Film aus dem 14plus-Programm, der mit der Finanzierung der deutschen Untertitelung beziehungsweise – wenn es ein deutscher Film ist – mit der Gehörlosenfassung oder Audiodeskription des prämierten Films verbunden ist. So unterstützen wir einen wichtigen ersten Schritt hin zu einer Kinoauswertung in Deutschland.

Ich höre öfter, dass es ein Problem ist, wenn die Filme ab 14 ausschließlich englische Untertitel haben. Viele fühlten sich dadurch überfordert.

Ich erlebe das ganz anders. Das Feedback, das ich vom Publikum der verschiedenen Altersstufen bekomme, ist ausschließlich positiv. Als wir anfingen mit den englischen Untertiteln, schrieb mir etwa ein Schüler der Rütli-Schule, er habe ein bisschen Probleme gehabt, das zu lesen, denn er sei nicht so gut in Englisch. Aber er habe verstanden, dass ein Film aus mehr als Sprache bestehe, also habe er sich auf die Töne und die Bilder konzentriert. Es sei ein sehr schönes Erlebnis gewesen, den Film so zu erleben. Das ist das Gegenteil von einer Beschwerde, sondern eine Aha-Erfahrung. Es ist mir ein großes Anliegen, dass sich die jungen Menschen hier – wie in vielen anderen Ländern der Welt längst üblich – daran gewöhnen, Untertitel zu lesen und in den Genuss kommen, eine fremde Sprache zu hören.

In die Filme des Wettbewerbs Kplus geht das Publikum in der Regel mit den Eltern oder der Klasse. Die Beiträge von 14 aufwärts wenden sich an Menschen, die selbst entscheiden. In dem Alter ist aber die Konkurrenz der Medien sehr stark.

Bei „Generation Kplus und 14plus“ gibt es Jahr für Jahr bis zu 70 000 Zuschauer innerhalb von zehn Tagen, darunter sehr viele Kinder und Jugendliche. Sie sind nicht nur zahlreich, sondern lassen sich auf die Filme ein, diskutieren und geben anregendes Feedback. Und wenn wir um die Welt schauen, sehen wir, dass es die jungen Menschen sind, die sich bewegen, mit kraftvollen Argumenten auf die Straße gehen, um sich und ihre Umgebungen systematisch zu verändern.

Allerdings war im Vergleich von 2017 zu 2018 der Rückgang der Kinobesucher bei den 10- bis 19-Jährigen in Deutschland besonders gravierend. Können Filmemacher darauf reagieren?

Durchaus. Wir haben seit einiger Zeit Filme, die aufgreifen, auf welche Weise junge Menschen heute mit neuen Kommunikationsmitteln umgehen. Die Filmsprache stellt sich darauf ein. Im „Generation“-Programm ist alles dabei, vom klassischen Spielfilm bis zu experimentellen und dokumentarischen Formen. Die Jugendlichen erwarten die Herausforderung von unserem Programm, sie wollen eigentlich gerade etwas Neues, das ihre Sehgewohnheiten nicht nur einfach bedient.

Interview: Cornelia Geißler

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