US-Schauspielerin Elle Fanning bei der Berlinale 2020.
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US-Schauspielerin Elle Fanning bei der Berlinale 2020.

Filmfestspiele

Berlinale vor den Oscars: Wenn es wieder glamouröser wird

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Die Verschiebung der Oscars könnte den Berliner Filmfestspielen mehr Bedeutung verleihen.

Noch ist der materielle Schaden, den die Corona-Krise für die Filmbranche bedeuten wird, nicht zu beziffern. Um wenigstens den ideellen Schaden zu mindern, suchen Filmfestivals und Filminstitute derzeit nach Wegen, dass Preise und Würdigungen nicht auch noch ausbleiben oder nicht mehr gerecht ablaufen.

Um die verschobenen Kinostarts doch noch zu würdigen, hat die Academy in Los Angeles wie bereits gemeldet die Oscar Verleihung um zwei Monate verschoben; neuer Termin ist der 25. April. Eine Änderung in den Regularien erlaubt dazu, dass erstmals auch Streaming-Premieren berücksichtigt werden dürfen. Die britische Filmakademie folgte prompt und wird nun ihre wichtigen Bafta-Awards zwei Wochen vorher, am 11. April vergeben. Dagegen halten die Filmfestivals von Berlin und Cannes an ihren bekannten Terminen fest.

Das könnte der Berlinale, die im vergangenen Februar als letztes großes Festival noch vor den sich bereits abzeichnenden Pandemie-Beschränkungen wie gewohnt stattfinden konnte, zum Vorteil gereichen: Mit ihrem Termin vom 11. bis 21. Februar 2021 liegen sie nun in der heißen Phase des Oscar-Rennens – wie zuletzt bis 2003, als die Oscars zum letzten Mal in der zweiten Märzhälfte stattfanden.

Berlinale-Veteranen werden sich erinnern, wie prägend die zeitliche Nähe zu den Oscars in Berlin war – nicht nur liefen weit mehr hochkarätige US-Produktionen im Programm, auch die Bekanntgabe der Nominierungen während des Festival-Zeitraums sorgte für besonderes Medieninteresse. Die wird man diesmal zwar erst am 15. März erfahren, aber das ist sogar noch besser – ein möglicher Berlinale-Preis würde die Chancen, nominiert zu werden natürlich nicht gerade schmälern.

„In diesen speziellen Zeiten“

Im Branchenblatt „Variety“ wollte das Berlinale-Leitungsduo diese Umstände nicht kommentieren. Mariette Rissenbeek und Carlos Chatrian erklärten eher diplomatisch: „Wenn die Berlinale Filme auf ihrer Reise unterstützen kann, freuen wir uns, unseren Beitrag zu leisten – besonders in diesen speziellen Zeiten.“

Bereits im April hatte der Filmemacher Paul Schrader, selbst ehemaliger Jurypräsident der Berlinale, in einem Interview mit dem US-Magazin „Vulture“ eine grandiose Berlinale-Ausgabe in Aussicht gestellt – wegen der Vielzahl an erstklassigen Filmen, die sich über die Pandemie-Zeit angesammelt hätten. „Wenn die Berlinale 2021 stattfindet, wird jeder wichtige Film dabei sein wollen. Jeder Film, der sich in der Vergangenheit geweigert hätte, nach Berlin zu gehen, wird da sein wollen. Ich glaube Berlin wird wahrscheinlich das erste der großen Festivals sein.“

Auch wenn zur Zeit davon ausgegangen wird, dass das Venedig-Festival im September stattfinden und viele dieser Filme spielen wird, dürfte noch genug für die Berlinale übrig bleiben. Das heißt, wenn alles gut geht, und das Virus nicht zurückkehrt.

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