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Geraldine Chaplin beim Fototermin.

Geraldine Chaplin

Passt doch gut zu ihr

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Eine kurze Begegnung mit Geraldine Chaplin.

Sie ist eine nervöse Dame, in exzentrische Gewänder gekleidet, die schwarzen Haare streng nach hinten gegelt, die dünnen Arme von verschlungenen Tattoos bedeckt. Aber das ist nur eine Rolle. Im Film „Holy Beasts“, der im Panorama seine Weltpremiere feierte und noch einmal am Freitag zu sehen ist (14 Uhr, Cubix), verkörpert Geraldine Chaplin eine Punk-Diva mit Falten. Die findet sich mit alten Freunden zusammen, um des dominikanischen Filmemachers Jean-Louis Jorge (1947–2000) zu gedenken. 

Geraldine Chaplin trägt einen bunten Strickpullover, die gewellten Haare fallen ihr ins Gesicht. Beim Interviewtermin im Hotel, eine Viertelstunde zu Fuß vom Berlinale-Palast entfernt, zeigt sie der Reporterin bereitwillig ihre Arme. Die Muster sind weg. „Ich mochte diese Tattoos, weil sie aussahen, als wären sie Jahrzehnte alt“, sagt sie. „Als meine Figur jung war, in den 60er Jahren, da waren Tätowierungen noch etwas Besonderes, Rebellisches.“ Beim Dreh hielten sie 15 Tage lang. 

Regie führten Laura Amelia Guzmán und Israel Cárdenas, die Geraldine Chaplin noch von dem Film „Sand Dollars“ kannte, den 2015 auch in Berlin vorgestellt hatte. Da spielte sie eine europäische Sextouristin, die sich in der Dominikanischen Republik eine jungen Frau aushält. Sie hatte sofort zugesagt, wieder mit dem Team zu arbeiten. Vor allem wegen Guzmán: „Obwohl sie so jung ist, hat sie eine geradezu fantastische Wahrnehmung für die Einsamkeit des Alters.“ Schön sei das Altern nicht, da dürfe man sich keine Illusionen machen. 

Geraldine Chaplin, die als Kind in Filmen ihres Vaters Charles Chaplin erste kleine Rollen hatte und 1965 als Tonya Schiwago ihre jahrzehntelange Karriere startete, kann sich bis heute über mangelnde Rollenangebote nicht beklagen. Sie spielte bei allen Großen des Films, zum Beispiel Robert Altman, Pedro Almodóvar, Alain Resnais, Martin Scorsese. Heute ist sie 74 Jahre alt und hat allein in den vergangenen beiden Jahren acht Filme gedreht. Es gab eine Durststrecke, erzählt sie, als sie um die 50 war. „Da war ich zu jung für eine alte Lady, aber zu alt, um als Mutter besetzt zu werden. Aber jetzt mit den Falten ist es prima.“ Ihre Mimik unterscheidet sich deutlich von der ihrer operierten Kolleginnen. 

Was sind das für Pünktchen? 

Ein Rätsel muss noch gelöst werden: Wie kommt sie zu den Pünktchen unter den Augen, die sie mal schalkhaft, mal tragisch schauen lassen? Sind das Tattoos? „Nein, sie gehören zu mir, kleine Muttermale. Früher versuchte ich sie zu überschminken, da dachte manche, mein Mascara sei verwischt. Dann wies ein Fotograf mich darauf hin, dass sie doch zu mir passten.“ Vor einer Tätowierung hätte sie zu viel Angst. „An den Augen, das muss doch wehtun.“

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