Bärenmarke

Der giftige Cocktail

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Der erste Superman-Film aus dem Jahr 1978 beschreibt auch das Dilemma des Berlinale-Besuchers.

In dem ersten Superman-Film aus dem Jahr 1978 muss der Held eine furchtbare Entscheidung treffen. Sein Gegenspieler plant, durch ein Erdbeben die Westküste zu zerstören, gleichzeitig schickt er eine Rakete Richtung Ostküste los. Superman gibt sein Bestes, er repariert die Golden Gate Bridge, stoppt die Wassermassen des gebrochenen Hooverdamms – doch überall das Unheil zu verhindern, ist selbst für ihn nicht zu schaffen. Superman muss wählen.

Ich kann dieses Dilemma so gut nachfühlen. Während der Berlinale wäre ich am liebsten in allen Kinos gleichzeitig. Es ist das Unglück der schier unendlichen Möglichkeiten, die sich einem in den nächsten zehn Tagen bieten. Die angebliche Entscheidungshilfe „Programmheft“ ist doch auch nur eine Mischung aus Behauptungen, Ankündigungen, Versprechungen. Aber was soll man machen. Ich jedenfalls sauge an diesem giftigen Cocktail, als hinge mein Leben davon ab.

Ob man mit der Berlinale glücklich wird, hängt davon ab, was für ein Typ Mensch man ist. Ich gehöre zu den bedauernswerten Typen, die der amerikanische Psychologe Barry Schwartz als Maximizer bezeichnet. Als solcher will ich immer die bestmögliche Entscheidung treffen, und dafür wäge ich hin und her, und im Hinterkopf lauert die Angst, mir könne etwas entgehen. Schwartz sagt, solche Menschen neigten zu Depressionen. Ich weiß, was er meint.

Die glücklichen Satisficer

Von Freunden höre ich immer, das Schöne bei der Berlinale sei doch, sich durch das Programm treiben, sich überraschen zu lassen. Sie stellen sich an den Ticketschalter, kaufen, was es gibt, und erzählen später von ihren tollen Kinoerlebnissen. Diese Menschen definiert Barry Schwartz als Satisficer. Sie haben die Gabe, mit etwas zufrieden zu sein, solange es nicht ganz schlecht ist.

Mein Vorsatz für dieses Festival: keine Selbstzerfleischung. Vielleicht lerne ich dieses Jahr endlich das echte Berlinale-Gefühl kennen.

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