Berlinale

Im Wurmloch

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Mit dem Berlinale-Rucksack ist man zum Teil der Bewegung geworden, die im Wurmlochdunkel haust und sich mit der indigenen Bevölkerung Kanadas oder Widerstandskämpfern irgendeines Krieges identifiziert und natürlich weder den Abwasch noch die Tagespost erledigen kann.

Jedes Fest braucht sein Kostüm. Bei der Berlinale sind es die grauen oder weißen Rucksäcke mit dem großen Bärenmotiv und dem kleineren Audi-Logo. Als Stoff gewordene Behauptung, dass in diesen Tagen nur das Kino zählt, wird er auch von jenen getragen, die Funktionsästhetik im echten Leben ablehnen und sonst nie Werbeträger sind.

Jetzt ist das egal. Mit dem Berlinale-Rucksack ist man zum Teil der Bewegung geworden, die im Wurmlochdunkel haust und sich mit der indigenen Bevölkerung Kanadas oder Widerstandskämpfern irgendeines Krieges identifiziert und natürlich weder den Abwasch noch die Tagespost erledigen kann. Stattdessen geistert man nämlich in freundlicher Abwesenheit durch den Absperrungsparcours des Potsdamer Platzes. Wobei auch die Freundlichkeit Teil des Berlinale-Kostüms ist. Wann sonst ist das Lächeln, das Danke-Sagen und die herzliche Form des Wegweisens in Berlin zu Hause? Nur wenn internationales Publikum dergleichen für so selbstverständlich hält, dass auch unser Festivalpersonal nicht anders kann.

Noch in einer anderen Hinsicht heißt, vom weltweiten Standard zu lernen, möglicherweise siegen lernen: Im temporären Norway House, direkt neben dem Abgeordnetenhaus – in dem jeder siebte ernsthaft daran festhält, die Notwendigkeit von Diversitätspolitik infrage zu stellen –, wurde von der internationalen Filmfrauen-Initiative WIFT die Kampagne „10 % for 50/50“ vorgestellt. Die Idee ist, dass Filmproduktionen, die an leitenden Stellen Frauen beschäftigen, bei Postproduktionsfirmen zehn Prozent Rabatt bekommen. Man braucht vier Punkte in acht Kategorien, wobei Diversität doppelt zählt, was einem nicht seltsamer vorkommen sollte als die Tatsache, wie homogen die Filmwelt im Vergleich zur übrigen Welt noch immer ist. Ein handfestes Bekenntnis an wirksamer Stelle. Schon mehr als 40 Firmen machen mit.

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