Berlinale

Festival der Tiere

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Tiere spielen im Wettbewerb der Berlinale oft eine zentrale dramaturgische Rolle.

Kurz bevor die Preise der Berlinale vergeben werden, ist es höchste Zeit, hier einen großen Kreis von Kreativen zu würdigen, der am Ende wie immer mit leeren Pfoten, Tatzen, Tentakeln, Hufen oder Krallen nach Hause gehen wird. Das ist in diesem Jahr besonders ärgerlich, da Tiere im Wettbewerb oft eine zentrale dramaturgische Rolle spielten. Das Private ist nicht nur politisch, sondern in den meisten Fällen auch irgendwie animalisch.

Zu nennen wäre da in erster Linie das würdevolle Paar aus Esel und Hund in Angela Schanelecs Beitrag „Ich war zuhause, aber“. Mit welch einer Grandezza der Vierbeiner die Stube betrat! Realismus kann im Film schnell zur Falle werden. Dem Esel ist es auf wunderbare Weise gelungen, das Uneigentliche im Eselsein mit einer postphilosophischen Introspektion zum Ausdruck zu bringen, die eine Erwähnung als beste künstlerische Einzelleistung verdient hat. Beim Hund hat mich irritiert, dass er den Hasen gefressen hat. 

Hunde waren reichlich vertreten, was in der Natur der Spezies liegt. Viel zu oft wurden die besten Freunde des Menschen leider wieder nach Typ besetzt, als bester Freund des Menschen. Hier ist die Fantasie der Autoren gefordert. Der Bronzene Bär geht an „Porter“, einen Border Collie, der in dem norwegischen Film „Out Stealing Horses“ eine Ewigkeit seinem Mitspieler beim Monologisieren beisaß – und zwar ohne mit den Ohren zu wackeln. Das ist Körperbeherrschung pur. 

2019 war auch das Jahr, in dem Tiere den Durchbruch schafften, die sonst selten auf der großen Leinwand zu sehen sind. Der Tintenfisch, die Schnecke und der Skorpion, um einige Newcomer zu nennen. Der Silberbär geht daher an die kleine Made, die in Fatih Akins Film „Der goldene Handschuh“ mit schmerzhafter Genauigkeit von der Zimmerdecke in die Suppe fiel. Das beste Tier jedoch war für mich das mongolische Kamel im Steppenthriller „Öndög“. Wie es da mit spöttischem Blick die erotischen Bemühungen eines Paares an seiner wärmenden Flanke begleitete, das zeugte von jenem phänomenalen mimischen Spiel, wie es nur den ganz großen Kamelen gegeben ist.

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