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Anke Engelke mit Gürtelkleid und Dieter Kosslik.

Berlinale

Die Frau, die jeden Knackpunkt findet

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Anke Engelke wird vermutlich zum letzten Mal eine Berlinale-Gala moderieren.

Ihr erstes Interview mit Nina Hagen und Udo Lindenberg sei so schlimm gewesen, dass es ihr noch in der Hölle vorgespielt werde. Das sagte sie mal im Gespräch. Wir konnten uns das gar nicht als so schrecklich vorstellen, weil wir ihre Art des Fragenstellens doch als so charmant wie klug kannten. Aber sie war noch ein Kind.

Richtet man eine Kamera auf Anke Engelke, geht sie so beherzt auf Prominente zu, findet sie für jeden noch so kleinen Dialog unerwartete Knackpunkte, dass es immer unterhaltsam ist. Legendär in der Kategorie Festival-Eröffnung war ihre Begegnung mit James Franco 2015 im Berlinale-Palast. 

Ohne Kamera, mit normalen Menschen im Kinosaal, scheut sie ein offenes Gespräch auch nicht, wie regelmäßige Berlinale-Besucher wissen, die zufällig vor oder neben ihr sitzen. Da sind ihre Sätze nicht geplant provokant oder witzig. Da zeigt sich Anke Engelke einfach als Kinoliebhaberin. 

Wahrscheinlich braucht es diese Grundlage, die Liebe zum Film, um auf den Berlinale-Galas so munter und vorgeblich respektlos auftreten zu können. Da quasselt sie auch über ein verunglücktes Kleid hinweg wie zur diesjährigen Eröffnung (über einem weißen Trägerhemdchen schlangen sich kreuz und quer grüne Bademantelgürtel). Hoffentlich hat man für Samstagabend etwas Schöneres für sie ausgesucht. Es wird ja aller Voraussicht nach ihre letzte Berlinale-Gala-Moderation sein. Wer weiß, ob die Filmfestspiele ab dem nächsten Jahr überhaupt noch so glamourös eröffnet und beschlossen werden, wie in den Jahren mit Dieter Kosslick und Anke Engelke an seiner Seite. 

Im Jahr 1965 als Tochter eines Lufthansa-Managers und einer Fremdsprachenkorrespondentin im kanadischen Montreal geboren, wuchs Anke Engelke dreisprachig auf – mit Deutsch, Englisch und Französisch. 1971 zog die Familie nach Rösrath bei Köln. Schon früh moderierte sie Kindersendungen im ZDF, und als sie am 25. September 1980 furchtlos in „Bios Bahnhof“ (WDR) auftrat, sagte Alfred Biolek, so habe schon manche Fernsehkarriere begonnen.

Der große Showmaster sollte recht behalten. Lange Zeit war sie eine der wenigen witzigen Frauen im deutschen Fernsehen, in der Sat.1-„Wochenshow“, in der Comedy-Serie „Anke“, als „Ladykracher“. Inzwischen bekommt sie mehr und mehr Rollen im Kino, meist ulkige wie in „Frau Müller muss weg“ oder „Happy Burnout“. Für die neue Zeitrechnung wünschen wir uns Anke Engelke noch mehr im ernsten Fach. Das kann sie auch.

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