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Emilio Sakraya: „Kino ist die Königsklasse!“

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Von: Marc Hairapetian

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Berlinale 2022: Emilio Sakraya im Exklusive-Interview.
Berlinale 2022: Exklusive-Interview mit Shooting-Star Emilio Sakraya. © Joerg Carstensen/DPA

Interview mit Schauspieler Emilio Sakraya, Deutschlands „European Shooting Star“ der Berlinale 2022.

Berlin – Vom Deutschen Meister im Karate zum Film- und Pop-Star: Das ist in einer Überschrift der Werdegang von Emilio Sakraya Moutaoukklil, der sich Ende 2016 entschloss, seinen Nachnamen nicht mehr öffentlich zu verwenden und stattdessen seinen zweiten Vornamen als Künstlernamen einzusetzen.

Seit seinem neunten Lebensjahr steht der am 29. Juni 1996 in Berlin geborene Sohn einer marrokkanischen Mutter und eines serbischen Vaters vor der Kamera. Seinen ersten Auftritt hatte er 2005 in dem Werbefilm „Kinder erzählen“. In jenen Jahren entdeckte der junge Emilio seine Begeisterung für die Kampfkunst.

Berlinale 2022: Emilio Sakraya - der Shooting-Star mit dem Meistertitel im Karate im Interview

Er errang 2010 einen Deutschen Meistertitel im Karate in der Version der World Karate and Kickboxing Association (WKA). Mit elf Jahren brachte er sich selbst Klavier, Gitarre und Schlagzeug spielen bei. Mit 15 schrieb er bereits eigene Songs. 2010 hatte der vielseitige Sonnyboy seinen ersten Kinoauftritt in dem von Bernd Eichinger produzierten Bushido-Film „Zeiten ändern sich“.

Als Tarik Schmüll war er seit 2014 in drei Filmen der Kinoreihe „Bibi & Tina“ zu sehen. Seit dem Übergang ins Erwachsenenalter ging es dann für Emilio Sakraya Schlag auf Schlag: Er war der Indianer Neke Bah in der RTL-Produktion „Winnetou – Der Mythos lebt“ (2016), spielte an der Seite von seinem Kumpel Frederick Lau in der TNT-Serie „4 Blocks“ (2017), drehte den Horror-Film „Heilstetten“ (2017), spielte die Hauptrolle im Kinofilm „Kalte Füße“ (2018) und erhielt für den NDR-Tatort „Das verschwundene Kind“ (2018) den Studio Hamburg Nachwuchspreis.

Til Schweiger über Emilio Sakraya: „Emilio ist gekommen, um Elyas M‘Barek in Rente zu schicken!“

Ende 2020 erschien sein Debüt-Album „Roter Sand“, das sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Charts platzieren konnte. Große Aufmerksamkeit erlangten auch die beiden Netflix-Serien „Warrior Nun“ (2020) und „Tribes of Europa“ (2021) sowie Til Schweigers Tragikomödie „Die Rettung der uns bekannten Welt“ (2021), wo er als bipolarer, Selbstmord gefährdeter Paul die emotionale Achterbahnfahrt von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt gekonnt bewältigte.

Und bei seinem gerade abgedrehten Film „Rheingold“ schwärmte Fatih Akin von ihm. Auch Til Schweiger war zuvor voll des Lobes: „Emilio ist gekommen, um Elyas M‘Barek in Rente zu schicken!“ Unser Autor Marc Hairapetian traf Emilio Sakraya während der Präsentation der „European Shooting Stars“ der Berlinale 2022 im Berliner Meistersaal, dem ehemaligen Studio 2 der legendären Hansa-Tonstudios, wo einst David Bowie und Depeche Mode ihre Platten aufnahmen.

Emilio Sakraya im Interview

Emilio, bei der diesjährigen Berlinale wurdest du zu einem der „European Shooting Stars“ ernannt. Was bedeutet dir das? Und glaubst du, dass deine Karriere dadurch noch gepuscht wird?

Schauen wir mal. Ich glaube, dass man dadurch eine gute Aufmerksamkeit erhält, vor allem auch international. Es ist eine große Ehre für mich, als Vertreter Deutschlands einer der „European Shooting Stars“ zu sein. Ich kenne die letzten Shooting Stars und viele davon sind Freunde von mir - wie die Portugiesin Alba Baptista mit der ich 2019 für die Netflix-Serie „Warrior Nun“ gemeinsam vor der Kamera stand und die im letzten Jahr bei der Berlinale zum „European Shooting Star“ wurde. Da stelle ich mich gern mit auf ein Podest.

Du bist gebürtiger Berliner mit marokkanischen und serbischen Wurzeln. Kannst du dir vorstellen auch in den Herkunftsländern deiner Eltern zu drehen?

Meine Mutter ist Marokkanerin, mein Vater ist Serbe. Das sind meine Roots .Ich grenze mich nicht ein. Ich bin da für alles offen. Für mich geht es hauptsächlich ums Drehbuch, die Figur und den Regisseur. Deshalb halte ich mir das komplett offen. Ich finde es aber total interessant, in andere Filmkulturen reinzuschauen. Nach Marokko und Serbien, was mit mir zu tun hat, aber auch nach Frankreich oder Portugal. Da gibt es generell sehr viel zu erkunden - und ich finde, dass kann ich auch irgendwann machen.

FR-Autor Marc Hairapetian und Emilio Sakraya.
FR-Autor Marc Hairapetian und Emilio Sakraya. © Julien Antonio Greco

Es gibt viele Ansätze, warum man überhaupt Schauspieler werden will. Ich habe vor vielen Jahren Anthony Perkins, den legendären Norman Bates aus Alfred Hitchcocks „Psycho“, danach gefragt und er sagte mir ganz ehrlich: „Zu spielen, ist Selbsttherapie für mich.“ Andere wollen sich selbst verwirklichen oder der Kunst dienen. Warum liebst du diesen Beruf?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich wusste sehr jung schon, was ich machen wollte -und das war für mich ein Teil dieser Branche zu sein und Leute zu faszinieren, die vor einem Bildschirm oder einer Leinwand sitzen. Und deshalb habe ich einfach diesen Traum zielstrebig verfolgt. Wenn man lange genug etwas verfolgt, funktioniert es auch meistens. Der lange Atem zählt sich bei allen Steinen, die einem mitunter in den Weg gelegt werden, einfach irgendwann aus.

Bist du selbst eine cineastische Person, die gern Filme sieht? Gehörst du mehr der Netflix-Generation an oder bevorzugst du das Kino?

Ich bevorzuge persönlich definitiv das Kino und bin kein Netflix-Jünger. Ich denke, dass da die jüngere Generation noch mehr drin hängt. Ich komme schon noch aus der Zeit, wo man in der Jugend gern am Wochenende ins Kino gegangen ist. Deswegen ist Kino für mich auch als Schauspieler in diesem ganzen Filmkonstrukt die Königsklasse! 

Zeit für ein kleines Brainstorming: Nenne mir bitte deine drei Lieblingsfilme mit kurzer Begründung!

Das ist echt schwer. Es sind so viele Filme, die ich mag. Ich nehme jetzt einfach mal Martin Scorseses „Shutter Island“ mit Leonardo DiCaprio. Das war ein Film, der mich sehr überrascht hat. Ich mag es, wenn es zum Schluss für das Durchhalten eine Belohnung gibt. Ich fand Christopher Nolans „Interstellar“ fantastisch, einfach weil ich großer Astro-Fan bin. Das ganze Universum haben die extrem gut filmisch dargestellt. Als letztes nehme ich - bitte jetzt nicht lachen - die Harry-Potter-Filme. Seit meiner Kindheit liebe ich sie. Das Fantasy-Thema wurde noch nie so gut umgesetzt wie dort. Es ist natürlich auch zu meiner Zeit als Kind und Heranwachsender gewesen und es hat mich sehr lange begleitet.

Man kann dir Vielseitigkeit wahrlich nicht absprechen. Du filmst, singst melancholische Pop-Songs und hast im Jahr 2010 einen Deutschen Meistertitel im Karate in der Version der World Karate and Kickboxing Association (WKA) errungen. Woher rührt dein Interesse für Kampfkunst?

Das verdanke ich auch meiner Liebe zum Film. Leute wie Jackie Chan oder Jean-Claude Van Damme waren zu meiner Teenager-Zeit die großen Action-Stars, und haben mich zum Kampfsport gebracht.

Trainierst du noch regelmäßig oder lässt sich das das mit dem Schauspielerberuf nicht vereinbaren?

Ich habe das sehr lange gemacht, aber bestimmt schon seit fünf Jahren kein richtiges Kampfsport-Training mehr absolviert. Ich trainiere jetzt nur noch für mich, weil in einem Verein zu sein, da gehören für mich Regelmäßigkeit und Disziplin dazu. Das ist für mich schwer, weil ich als Schauspieler und Musiker einfach soviel unterwegs bin. Deswegen arbeite ich jetzt lieber mit mir selbst oder ziehe noch einen Personaltrainer hinzu.

Welche Martial-Arts-Stile hast du bevorzugt?

Ich fing mit Karate und Kung Fu an. Dann zog es mich immer mehr Richtung Kickboxen. Für mich ging es dabei auch viel um die Akrobatik. Am meisten Spaß hat mir einfach das ganze Kung-Fu-Showtime-Thema gemacht, wenn man bestimmte Formen auswendig lernen muss und mit Akrobatik die Kampfeinlagen verschmelzen lässt. Auch da war ich schon ganz der Schauspieler, der ich jetzt bin. (lacht)

Bald wirst du im Kino als Gangster-Rapper Xatar in Fatih Akins „Rheingold“ zu sehen sein. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit einem der besten Regisseure hierzulande?

Ich war gerade im Urlaub. Da klingelte mein Handy: „Hier Fatih Akin!“ Er erzählte mir die Story und sagte: „Würde mich freuen, wenn du darauf Lust hättest.“ Nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub musste ich zum Kameratest. Dann war es relativ schnell klar, dass wir das zusammen machen. Jetzt sind wir fertig und es heißt erstmal schneiden, schneiden und dann kommt noch das Grading, also die Farbkorrektur. Gucken wir mal, was dabei herauskommt!

Wie war das mit einem an sich sehr lockeren Typen wie Fatih, der auch mal gern alle Fünfe gerade sein lässt und gern feiert, zu drehen?

Ach, du, filmisch war das für mich einfach ein Riesengeschenk! Wir haben schon hart daran gearbeitet, auch wenn der Spaß dabei nicht zu kurz gekommen ist. Fatih ist für mich ein Ausnahmeregisseur. Jeder Schauspieler, der mit ihm dreht, kann ihm dafür einfach nur dankbar sein.

Laurence Olivier sagte einmal: Als Schauspieler geht es darum, Illusionen zu kreieren. Oskar Werner, der 1968 mit ihm den utopischen Vatikan-Film „In den Schuhen des Fischers“ drehte, widersprach dem, weil er dem Publikum dem Traum schenken wollte. Was findest du davon richtig? 

Ich glaube, dass man bei einen Film, der gut gemacht ist, der Geschichte folgt und nie etwas in Frage stellt, weil man einfach reingesaugt wird und dann keine Fragen mehr im Kopf entstehen. Das ist wohl eher die Illusions-Aussage, der ich da zustimmen würde. Jeder hat da seine eigene Art und Weise, die Dinge zu sehen, zu hören und sie auch darzustellen. Das gilt für die größten Filmemacher und auch die besten Schauspieler. Und genau das macht ja auch einen guten Film so komplex und besonders. (Marc Hairapetian)

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