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Wartende Berlinale-Bären.
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Wartende Berlinale-Bären.

Berlinale 2021

Optimismus ist Pflicht

  • VonSusanne Lenz
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Die Berlinale tut ihr Bestes, um sich im virtuellen Raum zu behaupten.

In einem normalen Jahr hätte die Berlinale längst begonnen, auch wenn noch gar nicht Februar ist. Unbemerkt vom Berliner Publikum werden bereits im Januar Filme gezeigt, finden Pressevorführungen statt. Und vor allem wurde regelmäßig in diesen Tagen das wie ein Staatsgeheimnis gehütete Wettbewerbsprogramm bekannt gegeben. Nichts davon in diesem Corona-Jahr. Oder – was die Wettbewerbsfilme angeht – eben erst später, Mitte Februar wahrscheinlich. Doch es gibt Lebenszeichen, zumindest was die erste Hälfte des zweigeteilten Festivals angeht, die vom 1. bis zum 5. März stattfindet.

Was feststeht: Die noch unbekannte Jury wird in diesen Märztagen Filme aus der jeweiligen Sektion sichten, dem Wettbewerb, der von Carlo Chatrian eingeführten Encounters, dem Forum, Generation und so weiter. So sollen die Bären-Gewinner bekannt gegeben werden, auch wenn die Preisverleihung erst im Juni stattfinden soll, in der zweiten Berlinale-Hälfte. Nur wird außer den Marktbesuchern und akkreditierten Filmjournalisten kaum jemand die Filme gesehen haben, die die Trophäen gewinnen. Im vergangenen Jahr sind 330 000 Karten verkauft worden.

Berlinale-Filme sehen, Leute treffen – das kann man wahrscheinlich erst im Juni. Der genaue Zeitraum steht noch nicht fest, und ganz ehrlich – ob die Sommer-Berlinale tatsächlich stattfindet, wird am Ende nicht von unseren Wünschen, sondern von Inzidenzzahlen abhängen. Sicher ist nur der virtuelle Raum im März.

Von den Berlinale Talents kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass das Programm live aus dem HAU zu den 200 jungen Filmtalenten aus 64 Ländern direkt nach Hause kommen wird – was für eine schöne und auch etwas beschönigende Umschreibung für ein Online-Event. Aber was soll’s: Sie machen das Beste draus. Dafür steht auch der Szenenbildner Uli Hanisch, der mit der Gestaltung des HAU beauftragt worden ist, er hat für so prominente Projekte wie „Babylon Berlin“ und „Damengambit“ gearbeitet.

Der Co-Production Market meldete, dass in diesem Jahr 35 Spielfilmprojekte aus 25 Ländern Co-Produzenten suchen. Was für ein Organisationsaufwand dahintersteht, macht eine Zahl deutlich: Die Produzenten treffen in mehr als 1000 vorab organisierten Meetings internationale Co-Produzenten, Vertreter von Weltvertrieben, TV-Sendern, Streamingplattformen, Verleihfirmen, Förderern und Finanziers – alles online.

Auch der World Cinema Fund findet statt, mit dem die Berlinale seit 2004 die Filmproduktion in infrastrukturell schwachen Regionen unterstützt. Es werden nicht nur einige der aktuell geförderten Filmprojekte vorgestellt, es wird auch Veranstaltungen geben, etwa unter der Überschrift „Decolonising Cinema“, denn zum größten Teil kommen die für eine Förderung eingereichten Projekte aus Ländern, die einmal Kolonien waren.

Aber es ist vor allem eine Veranstaltung, die im März in den Fokus rückt: der European Film Market (EFM), der neben dem Marché du Film in Cannes und dem American Film Market zu den bedeutendsten Branchentreffen der Filmindustrie gehört. Und der verantwortlich dafür ist, dass die Berlinale zweigeteilt wird.

Der Markt kann nicht warten

Der EFM kann nicht beliebig verschoben werden, er muss sich in den globalen Filmmarktreigen einsortieren, da eben im Mai Cannes folgt (jetzt verschoben auf Juli) und im November die Amerikaner. Dabei ist der Markt, der seit ein paar Jahren im Gropius-Bau stattfindet, eine Veranstaltung, von der man sonst sagt, sie finde am Rand der Berlinale statt. Doch das ist die Perspektive des normalen Festivalbesuchers und der Filmjournalisten, die sich für die Filme als Kunstwerke und für das Festival als Ereignis interessieren, nicht als ökonomisches Produkt. Beim EFM aber geht es ums Geschäft.

Kurz gefasst funktioniert das Geschäftsmodell des EFM so: Die Anbieter – es sind größtenteils sogenannte Weltvertriebsfirmen – fungieren als Agenten für fertige oder auch in Produktion befindliche Kinoproduktionen. Die potenziellen Käufer sind Verleihfirmen, Fernsehsender oder Streamingplattformen, die jeweils für eine bestimmte Region der Welt die Rechte kaufen. Verhandelt wird also darüber, ob und wo auf der Welt ein Film ins Kino kommt oder ob er im Fernsehen gezeigt wird, als DVD herauskommt oder bei einem Streamingdienst. Hier werden Filme und Rechte mit einem Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe gehandelt.

Im vergangenen Jahr kamen 11 423 Teilnehmer aus 114 Ländern, dabei mussten einige der wichtigen chinesischen Käufer schon coronabedingt absagen. 564 Ausstellern und Anbietern standen 1649 registrierte Käufer gegenüber. Ganz abgekoppelt war der EFM aber nicht vom eigentlichen Festival. Einkäufer konnten erleben, wie ein Film in einem gefüllten Kinosaal funktioniert. Das fällt dieses Jahr aus. Der neue EFM-Direktor Dennis Ruh ist erst seit ein paar Monaten im Amt und sagt: „Wir wollen mit dem digitalen EFM 2021 einen Impuls für den Neustart der internationalen Filmbranche geben.“ Optimismus ist Pflicht, auch in Zeiten, in denen die Kinos auf unabsehbare Zeit geschlossen sind.

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