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Suchbild mit Mietshaus, Rubin und Karow: Szene aus dem Berlin-Tatort „Die dritte Haut“.
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Suchbild mit Mietshaus, Rubin und Karow: Szene aus dem Berlin-Tatort „Die dritte Haut“.

Krimi im Ersten

Tatort (ARD) aus Berlin: „Die dritte Haut“ macht ein großes Fass auf

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der Tatort „Die dritte Haut“ im Ersten thematisiert die dramatische Mietsituation in Berlin. Die TV-Kritik.

Im falschen Moment, selbst in den Grundfesten erschüttert, sollte man sich diesen Tatort nicht ansehen. Dabei ist er gut und düster, und auch wenn er der Schlechtigkeit besonders viel Raum zubilligt (mehr Raum, als unsereiner zum Wohnen hat, um ein Beispiel zu nennen), handelt es sich unter dem Strich um einen bitteren Blick auf einige Realitäten. „Die dritte Haut“ sind die eigenen, die eigens angemieteten vier Wände gemeint, eine weitere Hülle nach Körper und Kleidung. Sie ist ebenso existenziell, auch wenn nicht jeder Mensch jeden Tag darüber nachdenkt.

Das Haus im Film, ansehnlich, gute Lage, lange nicht saniert, wird gerade „entmietet“. Viele sind schon weg. Es ist ein Berlin-Tatort. In Berlin eine neue bezahlbare Wohnung zu finden: Schwierig für die, die nicht viel Geld haben und darum noch nicht ausziehen wollten/konnten. Am Anfang steht eine Zwangsräumung, am Ende eine Verhaftung, durch die die Welt nicht besser werden wird.

Tatort: „Die dritte Haut“ (ARD) – Bitterer Blick auf einige Realitäten in Berlin

Tot vor dem Haus liegt am Tag nach der Zwangsräumung der Vermieter, es fällt den verbliebenen Mieterinnen und Mietern schwer, traurig auszusehen. Aber auch seine Familie kommt in den Blick, eine bürgerliche Konstellation, die von einer Matriarchin (Özay Fecht) gelenkt wird. Die Tochter (Sesede Terziyan) hat Wirtschaft studiert, trotzdem blieb auch geschäftlich alles auf den Sohn konzentriert, der jetzt nicht mehr lebt. Türkisch wird hier nur noch selten gesprochen. Die kleine Familie hat sich mühevoll nach oben gearbeitet.

Tatort: Die Dritte Haut

ARD, Sonntag, 6. Juni 2021, 20.15 Uhr

Die Härte der Mutter spiegelt sich in der Tochter. Obwohl das Illegale und das Legale gut zu unterscheiden sind, ist das Legale nicht unbedingt gut. Oder einleuchtend. Zu einer das Tragische nicht herunterspielenden Musik von Max van Dusen machen Katrin Bühlig (Buch) und Norbert ter Hall (Regie) in „Die dritte Haut“ durchaus das große Fass der Gerechtigkeit angesichts von ungerechten Besitzverhältnissen auf. Der zwangsgeräumte Busfahrer (Peter René Lüdicke) sagt im ARD-Tatort: „Ich hab mein ganzes Leben gearbeitet, bin sogar systemrelevant und kann mir keine Wohnung mehr in Berlin leisten.“

Die fleißige Hospitantin der Mordkommission, Anna, hat sich unterdessen nach Bielefeld aufgemacht, eine Stadt, die von Berlin aus besonders unwirklich zu sein scheint. Der Ersatz hält sich an die Arbeitszeiten, das ist nichts für Karow, Mark Waschke, der besonders unruhig und unfreundlich durch die Folge streift. Rubin hingegen, Meret Becker, gerät selbst alsbald in ein Entmietungsszenario. Das Flackernde von „Tatort: Die dritte Haut“ mag damit zu tun haben. Instabilität überall. In einer bizarren Choreografie probiert Karow aus, ob er Rubin vom Balkon werfen könnte. Nachher kommt es zu einer abwegigen, nervösen Sexszene. Es spricht für Becker und Waschke, dass sie uns selbst dafür interessieren können.

„Tatort: Die dritte Haut“ (ARD): Atmosphäre und Sozialkritik

Überhaupt mangelt es dem ARD-Tatort nicht an Atmosphäre und Sozialkritik und beidem zugleich. Zu dick aufgetragen? Angesichts der Lage eigentlich nicht. Tatsächlich geht es vielen Menschen im Film nicht gut, und ganz kurz sind auch weitere zu sehen und werden semidokumentarisch mit einem Satz zitiert. Was sie sich wünschen, zum Beispiel: wieder eine Wohnung zu finden. Auch Frau Kirschner (Friederike Frerichs) muss aus ihrer Wohnung. Dafür interessiert sich im Film außer Buch und Regie niemand. Und hier draußen sind nicht mal die beiden dabei, wenn einem Menschen jugendlich frisch gesagt wird, er sei ein „Verwertungshemmnis“.

„Tatort: Die dritte Haut“ - Die Besetzung des ARD-Krimis

NameRolle
Berit KünneckeJenny Nowak
Timo JacobsMicha Kowalski
Sesede TerziyanYaliz Dahlmann
Özay FechtGülay Ceylan
Friederike FrerichsIlse Kirschner
Tijmen GovaertsPeter de Boer

Noch kein Tatort spielte bisher so offensiv während der Corona-Krise. Faszinierend zu sehen, dass es nicht so einfach ist, die maximale Aktualität direkt in einen Film fließen zu lassen. Das Hantieren mit den Masken, an das wir uns längst gewöhnt haben, wirkt im Film eigenartig künstlich. Angefangen damit, dass es den Figuren anscheinend nicht möglich ist, mit Mundnasenschutz auch nur ein Wort zu sprechen.

  • „Tatort: Die dritte Haut“ in der ARD
  • Musik: Max van Dusen
  • Kamera: Richard van Oosterhout
  • Buch: Katrin Bühlig
  • Regie: Norbert ter Hall

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