Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Man redet und versteht sich nicht: Meret Becker als Rubin, Jule Böwe als Mutter.
+
Man redet und versteht sich nicht: Meret Becker als Rubin, Jule Böwe als Mutter.

TV-Kritik

„Die Kalten und die Toten“ (ARD): Tatort Berlin

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
    schließen

Der Berlin-Tatort „Die Kalten und die Toten“ ist ein Vorgeschmack auf einen langen Winter.

Frankfurt am Main - Dies ist ein Tatort der traurigen Eltern-Kind-Beziehungen, eigentlich der traurigen Eltern. Die einen verdrängen, die anderen sind über- oder unterbesorgt. Da „Die Kalten und die Toten“ (ARD) ein beklemmender Kriminalfilm ist, sind die Folgen teilweise katastrophal, teilweise abgrundtief tragisch.

Es gibt zum Beispiel die Eltern der Toten, gespielt von Andreja Schneider und Rainer Reiners, brave Leute, die nicht alles über ihre Tochter wissen, aber jetzt wollen sie vor allem nicht wissen, dass sie tot ist. Sei ein DNA-Test nicht so ungenau wie ein Corona-Test? (Und bleibt es nicht seltsam, wie wenig die Tatort-Reihe bisher aus dem Corona-Thema macht?) Markus Busch (Buch) und Torsten C. Fischer (Regie) skizzieren in kurzen Szenen, wie das Bewusstsein, alles verloren zu haben, über Tage allmählich nach oben ins Bewusstsein kriecht. Um die Tragödie von Angehörigen zu erzählen, braucht es nicht viel Sendezeit, es braucht einen Einfall. Hier ist es das kleine Familienfest, das die Eltern der Toten zunächst weiter vorbereiten, die Dekoration, die Tafel. Bis sie es am Ende doch absagen.

Tatort „Die Kalten und die Toten“ (ARD): Berlin, die eiskalte Stadt

Bei einem anderen Elternpaar zeigt sich, dass man auch alles drei zugleich sein kann: überbesorgt, was das Kind betrifft, unterbesorgt, was die Welt betrifft, ein Verdränger obendrein, oder eine Verdrängerin. Wie die Polizistin Ziegler, Jule Böwe, die Grund hat anzunehmen, dass ihr Sohn, Vito Sack, ein Mörder ist. Auch das Fernsehpublikum wird zu diesem Zeitpunkt eins und eins zusammenzählen und zu einer Vermutung dieser Art kommen. Böwe spielt einen Menschen im Tunnel, eine unangenehme, intensive Situation, zumal der Sohn offensichtlich der größte Nichtsnutz auf Gottes weiter Erde ist. Das mag nicht sehr empathisch klingen, aber Empathie ist zwar ein Thema, aber nicht die Stoßrichtung. Die Stoßrichtung ist ein Unbehagen an- und ein Grausen voreinander.

„Tatort: Die Kalten und die Toten“, ARD
RolleDarsteller:in
Nina Rubin\tMeret Becker
Robert Karow\tMark Waschke
Doris Ziegler\tJule Böwe
Claus Ziegler\tAndreas Döhler
Dennis Ziegler\tVito Sack
Julia Hoff\tMilena Kaltenbach

Zwischen den traurigen Eltern bewegen sich Rubin und Karow, Meret Becker und Mark Waschke, nämlich eher wie die Äxte im Walde, nein, nicht wie die Äxte im Walde, die vielleicht psychologisch viel geschulter sind, als unsereiner annimmt. Sie gehen also umher wie Menschen, denen das Wort Empathie höchstens einfällt, wenn sie sie selbst brauchen können (Rubin, wenn sie ihren Moralischen hat). Das heißt: Sie gehören ihrerseits zu den Kalten aus dem Titel. In einigen Szenen liegt Schnee, Berlin, eiskalte Stadt.

Zur Sendung

„Tatort: Die Kalten und die Toten“, ARD, Sonntag, 14.11.2021, 20.15 Uhr.

Ein geringer theoretischer (unempathischer) Trost: Das Holzen bringt die Ermittlungen nicht weiter, im Gegenteil. Die Ermittlungsarbeit ist zum Teil zum Heulen und der Schwachpunkt des Drehbuchs, das ferner die einerseits tristen, andererseits fröhlichen Amüsierversuche von Großstadtmenschen dokumentiert. Ein echter Höhepunkt: die Szene, in der die Polizei die Dating-Bekanntschaften der Ermordeten befragt: Die ganz unterschiedlichen Leute, Männer, eine Frau, sprechen nett von ihr, lächeln erfrischt beim Erzählen. Die Frau bricht in Tränen aus, als sie erfährt, was passiert ist. Man kann auf den Gedanken kommen, dass der einzige wirklich freundliche Mensch des Films eingangs umgebracht worden ist.

Tatort „Die Kalten und die Toten“ (ARD): Wieder eine explizite Berlin-Tatort-Sexszene

Es gibt wieder eine explizite Berlin-Tatort-Sexszene, diesmal ohne Polizei. Und es gibt eine neue interessante Figur auf dem Kommissariat, den Assistenten Malik Aslan, gespielt von Tan Caglar, einem professionellen Rollstuhlbasketballer und inzwischen auch Schauspieler. Er ist, wie man liest, neuerdings als Arzt in der Serie „In aller Freundschaft“ zu sehen (wer nur die Wiederholungen zu unmöglichen Sendezeiten sieht, ist überhaupt nicht auf dem Laufenden). Der „physisch herausgeforderte Kollege“ (er über sich) leistet am Schreibtisch nicht nur gute Arbeit, sondern belebt das Geschäft auch mit flotten Formulierungen, und schließlich singt er noch ganz gut.

Kann man in „Die Kalten und die Toten“ etwas fürs Leben lernen? Chlorbleiche ist die richtige Wahl, wenn es einmal gilt, DNA wegzuschrubben. (Judith von Sternburg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare