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„Fantasia“, 1940: Auch der kultivierte Zentaur spaziert mit der interessierten Zentaurin zur Musik aus der Pastorale.
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„Fantasia“, 1940: Auch der kultivierte Zentaur spaziert mit der interessierten Zentaurin zur Musik aus der Pastorale.

Filmmusik

Beethoven und das Kino: Schicksalssinfonien

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Seit der Stummfilmzeit hat Ludwig van Beethoven mit seinen Melodien Filmgeschichte geschrieben.

Wer bei einem populären Streamingdienst und Internethändler nach Filmen über den großen Komponisten sucht, wird schnell auf einen gewissen „Hund namens Beethoven“ verwiesen. Dass es der Bernhardiner mit seiner Vorliebe für die Fünfte Sinfonie bislang auf acht Auftritte gebracht hat, bestätigt nur, wie volkstümlich sein Namensgeber geblieben ist – zumindest mit seinen populärsten Werken.

Vermutlich wurde Beethoven-Musik schon in der frühesten Stummfilmzeit zur Untermalung der kurzen Bildstreifen eingesetzt, denn was käme einem Klavierspieler bei einer romantischen Nachtszene eher in den Sinn als die Mondscheinsonate? Was wäre für eine ländliche Morgenszene passender als der erste Satz der Sechsten Sinfonie, der „Pastorale“?

Beethovens Naturverbundenheit, die sich immer wieder in seinem Werk niederschlägt und der Musik der Romantik den Weg bereitete, prägt die Geschichte der Filmmusik bis heute. Schon als junger Klaviervirtuose beeindruckte er durch eine besondere Fähigkeit zur Improvisation, wie sie später von Stummfilmpianisten angestrebt wurde. Und was die sinfonischen Hollywood-Soundtracks betrifft, orientieren sie sich bis heute zumindest indirekt am Lieblingskomponisten Richard Wagners, wenn sie in den musikalischen Idiomen der Spätromantik schwelgen.

Immer wieder gelangen Beethoven-Stücke auch direkt auf die Tonspur. „Für Elise“ erklingt, in grimmig konnotierter Unschuld, in Roman Polanskis Horrordrama „Rosemary’s Baby“. In „The King’s Speech“ leistet das 5. Klavierkonzert wichtige Hilfe beim Kurieren des königlichen Stotterns. Zwei Höhepunkte der frühen Schaffensperiode Beethovens fanden stimmungsvoll Verwendung in jüngeren Filmklassikern – die Erste Cellosonate (in Robert Redfords „Der Pferdeflüsterer“) und die Achte Klaviersonate (unter anderem in „Zeit der Unschuld“ und „Before Sunrise“). Besonders in Erinnerung bleibt Stanley Kubricks bitterböse Verwendung der Neunten Sinfonie in „A Clockwork Orange“ – als humanistisches Gegengift ist sie ein wichtiges Mittel bei der Umerziehung des Gewaltverbrechers Alex. Doch so schnell Beethovens Werke in den letzten Jahrzehnten auf den Schneidetischen der Filmemacher zur Hand waren, scheute man doch auch lange die Vermischung von Hoch- und Populärkultur.

Als Walt Disney die „Pastorale“ in seinem Zeichentrickfilm „Fantasia“ verfilmte, fiel er bei weiten Teilen der seriösen Kritik in Ungnade. Der Musikkritiker der „New York Times“, Olin Downes, giftete über den pastellfarbenen Ausflug in die griechische Mythologie mit seinen liebestollen Faunen und Zentauren: „Musikalische Meisterwerke haben schon Schlimmeres erlebt und überlebt. Was Beethovens ‚Pastorale‘ betrifft: Je weniger man dazu sagt, desto besser.“

Wer bis dahin von Beethoven-Musik im Kino profitieren wollte (immerhin kostete sie ja nichts) drehte am besten ein „Biopic“. Jüngst vom Sender Arte wiederentdeckt, ist nun der österreichische Stummfilm „Beethoven“ von 1927 auf DVD und Blu-ray erschienen. Bühnenlegende Fritz Kortner spielt darin schon zum zweiten Mal die Titelrolle. Filmhistorisch bedeutender ist der frühere, leider selten gezeigte Beethoven-Stummfilm mit ihm, „Der Märtyrer des Herzens“, den Emil Justitz 1918 inszenierte. Aber auch dieser zum 100. Todestag realisierte Pastiche mit herrlichen Naturaufnahmen kann sich sehen lassen: Es greift vielen späteren Beethoven-Filmbiografien vor, wenn wichtige Lebensstationen mit der Entstehung großer Werke und der unglücklichen Liebesgeschichte zur Gräfin Giulietta Guicciardi verbunden werden. Für die restaurierte Fassung arrangierte der Komponist Malte Giesen Beethovens Werke so unbefangen um, wie es Disney nie gewagt hätte – und scheut auch nicht die Kakophonie, wenn der ertaubte Komponist bei einer Orchesterprobe scheitert.

Natürlich ist das Ertauben des Komponisten gerade in einem Stummfilm ein dankbares Sujet. In einem Medium, das üblicherweise von einem durchgehenden Musikteppich umhüllt wird, ist plötzliche Stille ein unfehlbarer Effekt.

Wohl kein Filmemacher, der sich später Beethoven widmete, visualisierte dessen rauschhafte Naturbegeisterung aber so poetisch wie der Franzose Abel Gance. In seinem Melodram „Beethovens große Liebe“ (1936) schwelgt er in virtuosen Bildmontagen. Hier spielt Harry Baur die Hauptrolle – wie schon in einem der frühesten Beethoven-Filme von 1909.

Immer wieder hat sich das Kino diesem vermeintlichen Archetypus des tragischen Genies gewidmet – und dabei selten mehr reproduziert als eben dieses Klischee. Es wurde ihm eine der Forschung kaum bekannte Geliebte angedichtet (1995 in „Ludwig van B. – Meine unsterbliche Geliebte“) oder die Hilfe einer Kopistin beim Vollenden der Neunten Sinfonie (in Agnieszka Hollands „Klang der Stille“).

Zu den liebenswertesten dieser stark fiktionalisierten Biografien zählt abermals eine Walt-Disney-Produktion: „The Magnificent Rebel“ (1961, a. Dt. „Schicksals-Sinfonie“) widmet sich ausführlich dem jungen, künstlerisch und politisch gleichermaßen unangepassten Komponisten, gespielt von Karlheinz Böhm. Regie führt ein weiterer Österreicher, Georg Tressler, der Regisseur des Jugenddramas „Die Halbstarken“. Leider existiert Disneys zweiteiliger Fernsehfilm nur gekürzt in einer deutschen Kinofassung. Vielleicht wäre ja das nächste Beethoven-Jahr ein Anlass zur Wiederentdeckung – bereits 2027 feiert die Musikwelt seinen 200. Todestag.

Der Autor arbeitet im Nebenberuf als Stummfilmpianist.

Beethoven (Das Leben des Beethoven), 1927, Regie: Hans-Otto Löwenstein, als DVD und Blu-ray erschienen bei Absolut Medien.

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