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CSU-Chef Söder zeigt sich im ZDF-Sommerinterview gewohnt großspurig und arrogant

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Von: Maximilian Hübner

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Im ZDF-Sommerinterview zeigte sich einmal mehr wie schwer dem bayrischen Ministerpräsidenten der Umgang mit Kritik fällt.
Im ZDF-Sommerinterview zeigte sich einmal mehr wie schwer dem bayrischen Ministerpräsidenten der Umgang mit Kritik fällt. © Daniel Karmann/dpa

Beim ZDF-Sommerinterview mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder geht es um die Energiekrise und die bayrische Rolle in der Energiewende.

Moderatorin Shakuntala Banerjee hat sich im ZDF-Sommerinterview mit Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder viel vorgenommen. Mit ihren Fragen versucht sie dem Chef der CSU zumindest ein Mü Selbstkritik oder Reflexion zu entlocken. Ein Versuch, der zum Scheitern verurteilt scheint.

Denn Söder zeigte sich in gewohnt großspuriger und arroganter Manier. Den Bayern ginge es besser als allen anderen. So gut, „dass wir neun Milliarden (Euro) Länderfinanzausgleich an andere zahlen.“, betont Söder beim Sommerinterview, das am frühen Sonntagabend in Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum aufgezeichnet und 19:10 Uhr im ZDF ausgestrahlt wurde.

ZDF-Sommerinterview: Söder warnt vor „erheblichen Verwerfungen und Problemen“

Angesprochen auf die Energiekrise sieht der bayerische Ministerpräsident große Probleme auf Deutschland und Bayern zukommen. Aufgrund explodierender Preise und schwieriger Versorgungslage drohten „erheblichen Verwerfungen und Problemen.“ Es fällt ihm leicht, hierbei die Ampel in die Verantwortung zu nehmen, die nun Ersatz beschaffen müsse. Die Reisen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach Qatar, Kanada und Norwegen hätten bisher keinen adäquaten Ersatz gebracht. „Deutschland hat eine Entscheidung getroffen, nämlich weniger Waffen zu liefern, dafür bei der Energie einen anderen Weg zu gehen. Jetzt muss aber auch Deutschland, die Bundesregierung, einen Weg finden, dass unser Land nicht so leidet“, sagte Söder und bemängelt, dass man aufgrund der gestiegenen Preise gerade mehr Geld als je zuvor an Russland zahle.

Ein Weg, energieunabhängig zu werden, wäre aber eben auch eine gelungene Energiewende hin zu erneuerbaren Energien. Den Vorwurf, dass er und die CSU diese verschlafen hätten, kann Söder nicht verstehen. „Bayern leistet mit den größten Anteil an erneuerbaren Energien in Deutschland. Das ist einfach Fakt.“ Fakt ist jedoch auch, dass die CSU jahrelang Stimmung gegen Windräder machte und beim Ausbau der bundesweiten Stromtrassen auf der Bremse stand.

Söder verspricht im ZDF-Sommerinterview 1000 neue Windräder

Selbst als Banerjee die bayerische Landtagspräsidentin und Parteigenossin Ilse Aigner (CSU) zitiert, die meint „Der Stromengpass von Nord nach Süd sei auch selbst verschuldet“ gilt für Söder nur eins: Bayern macht es besser als alle anderen und Schuld sind immer die anderen. Wirklich gebremst habe nicht er oder der damalige Innenminister Horst Seehofer (CSU), sondern der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel (SPD). Auch beim Protest gegen Windkrafträder sei es nicht die CSU gewesen, die Stimmung gemacht habe, sondern „grüne Gruppen und freie Wähler.“ Eigene Verantwortung Fehlanzeige. Stattdessen überrascht Söder mit einem plakativen Versprechen: „Wir machen beim Wind jetzt mehr, wollen bestimmt am Ende über 1000 neue Windräder aufstellen“ - bestimmt.

Kritik an dieser Rhetorik voller Lippenbekenntnisse kam zuletzt immer wieder von den Landtagsgrünen in Bayern. Die Zustimmungswerte Söders und der CSU sind angesichts des eigenen Selbstbildes seit Monaten im Keller. 54 Prozent der Bayern sind nach einer Umfrage der Augsburger Allgemeine unzufrieden mit der Arbeit ihres Ministerpräsidenten. Söder scheint sich in seiner Kommunikationsstrategie, jedoch sicher zu sein. Viel Versprechen, dick auftragen und bei Kritik den Kritiker angreifen.

ZDF-Sommerinterview: Söder vergleicht Energiepolitik mit FC Bayern München

So auch als Shakuntala Banerjee den Verband der Energie- und Wasserwirtschaft Bayern anführt, der zu dem Schluss kommt, dass die bayerische Energiepolitik angesichts des hochgesteckten Ziels „Klimaneutralität bis 2040“ in allen Bereichen zu langsam sei. Warum die selbst gesteckten Ziele immer wieder nicht erreicht werden, kann Söder nicht beantworten und betont stattdessen, dass seine Regierung mehr Geld als alle anderen ausgebe. „Wir geben pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro für die erneuerbaren Energien aus“, sagt Söder und sucht den Vergleich zu anderen Bundesländern. „Aber ist das dann auch gut angelegtes Geld?“, fragt Banerjee, was Söder unbeachtet lässt.

Stattdessen hohle er lieber zu einem Vergleich mit dem deutschen Fußballrekordmeister aus. Bei der Sonnenenergie sie man „wie Bayern München beim Fußball – wir wollen natürlich immer besser werden, aber die anderen, die sehen wir da nicht einmal.“ Dennoch bleibe der Freistaat auch bei der Solarenergie im Moment hinter den selbstgesetzten Zielen, wie Banerjee betont.

Wenig bis nichts Neues im ZDF-Sommerinterview mit Markus Söder

Im kommenden Jahr wird sich bei der Landtagswahl in Bayern zeigen, ob Söders Kurs weiter Erfolg haben wird. Die absolute Mehrheit, die lange für das Selbstbild der CSU stand wie Weißwurst und die Maß Bier hält Söder derzeit für nicht mehr möglich. Eine absolute Mehrheit wirke heutzutage wie eine „Hybris“. Söder selbst ist zufrieden mit seiner Regierungsbilanz. So hätte seine Corona-Politik 130.000 Menschen das Leben gerettet und auch in der jetzigen Energiekrise reagiere man in Bayern besser als im Rest der Republik. 

Inhaltlich brachte das Sommerinterview wenig bis nichts neues. Doch dies schien auch nicht das Ziel der Moderatorin Shakuntala Banerjee gewesen zu sein. Viel mehr zeigte sie mit ihrer Fragetechnik die Kritikunfähigkeit des bayrischen Ministerpräsidenten auf. (Maximilian Hübner)

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