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Die Mitunterzeichnerin Dorothee Schön (r.) bei einer Preisverleihung in Frankfurt.

Filme

"Die Basis und das Herz eines jeden Films"

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Drehbuchautorinnen und -autoren wollen mit einem Sechs-Punkte-Katalog ihre Position stärken.

Fast alle sehen gerne Serien und seit neuestem auch deutsche Produktionen. Fiktionales Erzählen im Fernsehformat erlebt seit einigen Jahren einen Boom, der in kürzester Zeit zu Innovationen innerhalb des Genres geführt hat, die man getrost als revolutionär bezeichnen kann. Alles ist möglich, das kreative Spiel mit Figuren, Orten, Zeiten scheint keine Grenzen zu kennen. Jedenfalls ist das in den USA, in Skandinavien Großbritannien und Frankreich so, wo die Autorinnen und Autoren oft nicht nur die Drehbücher schreiben, sondern ein Projekt von der Idee bis zum fertigen Film künstlerisch begleiten und mitverantworten. 

Hierzulande gibt es da noch reichlich Nachholbedarf. Als Ende Januar der Deutsche Fernsehpreis vergeben wurde, waren zu der Gala in Köln Autorinnen und Autoren von TV-Filmen ausdrücklich nicht eingeladen worden – mit der skandalösen Begründung, „dass der Deutsche Fernsehpreis dadurch, dass es in diesem Jahr eine Serienkategorie gibt, ein deutliches Platzproblem hat ...“

Weil die Serien so gut sind, dass sie Preise verdienen, müssen nun die, die sie geschrieben haben, draußenbleiben. Es ging dann noch ein paar Mal hin und her zwischen Veranstaltern und Autoren, deren Unmut ja nicht nur dieser Einladungspraxis galt, sondern dem Umgang mit dem schreibenden Personal überhaupt. Noch immer ist es allzu oft die Praxis, dass Drehbücher von Produzenten, Redakteuren und Regisseuren im Zuge der Verfilmung umgeschrieben werden – mitunter so brachial, dass Autoren ihren Namen zurückziehen. 

Um ihre Position in der Branche zu stärken, haben sich Ende Mai zahlreiche Autorinnen und Autoren auf einen Sechs-Punkte-Katalog verständigt, der mittlerweile 89 Unterschriften trägt. Zu den Unterzeichnenden zählen Kristin Derfler („Brüder“), Annette Hess („Weissensee“), Orkun Ertener („KDD“), Andreas Pflüger („Tatort – Weimar“) und Dorothee Schön „Charité“). 

Ab dem 1. Juli 2018 werden sie nur noch dann in Vertragsverhandlungen für neue Film- oder Serienprojekte eintreten, wenn ihnen mehr Kontroll- und Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden. „Es geht dabei unter anderem um die künstlerische Kontrolle über das Buch, eine einvernehmliche Einigung bei der Besetzung der Regie sowie um die Einbeziehung der Autoren bei Leseproben und Rohschnitt“, heißt es in dem Papier, das als „Kontrakt 18“ veröffentlicht wird. 

Es enthält nicht nur Forderungen an die Produzenten, sondern auch eine kollegiale Initiative in eigener Sache. Alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner verpflichten sich dazu, Aufträge zu Buch-Überarbeitungen „nur noch dann anzunehmen, wenn sie sich zuvor mit den aus dem Projekt ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen verständigt haben“. 

Eine Zeile Pathos ist auch dabei: „Unsere Bücher sind die Basis und das Herz eines jeden Films“, heißt es in der Präambel.

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