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Sprung ins kalte Wasser nördlich des Polarkreises: Die Rallyeteilnehmer rennen bei der Sommersonnenwende ins Meer.

„7 Tage: Rallye-Fieber“, NDR

Baltic Sea Circle: Einmal um die Ostsee

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Ungeschönt berichten zwei NDR-Reporter über ihre Teilnahme an einer 7.500-Kilometer-Rallye rund um die Ostsee.

Seit 2011 versammeln sich einmal jährlich bis zu 250 Besitzer von Young- und Oldtimern, um von Hamburg aus in großem Bogen die Ostsee zu umrunden. „Baltic Sea Circle“ nennt sich die Veranstaltung, die die Erkundung der nördlichen Länder mit einer Spendenaktion verbindet. Neben einer Anmeldegebühr in Höhe von 890 Euro müssen auch mindestens 750 Euro für einen gemeinnützigen Zweck beigebracht werden. Die Tour ist als Rallye organisiert. Sie führt über Nebenstraßen, Navigationsgeräte sind verpönt, und unterwegs müssen immer wieder diverse Aufgaben gelöst werden. Wer schick sein will, sagt „challenges“. 

Da gilt es zum Beispiel, eine Ziege hinter das Steuer zu hieven und ein Beweisfoto zu schießen. Organisieren Sie das mal, wenn Sie die Landessprache nicht beherrschen. Die Schikane hat einen tieferen Sinn: Die Teilnehmer sollen mit den Einheimischen ins Gespräch kommen. Und sei es auch nur gestisch.

Nicht immer einer Meinung. Ob NDR-Reporter Tobias Lickes und Martin Rieck auf dem richtigen Weg sind ist manchmal auch Verhandlungssache.

Anders als bei anderen Rallyes kommt es hier nicht auf die Geschwindigkeit an. Und doch geht Tobias Lickes und Martin Rieck alles zu schnell. Die 7.500 Kilometer durch Dänemark, Norwegen, Finnland, Russland müssen binnen sechzehn Tagen bewältigt werden. Irgendwann heißt das Mantra nur noch: „fahren, tanken, fahren, tanken“. Die beiden nehmen als Reporter an der Rallye teil und genießen Sonderrechte: Sie fahren ein geräumiges Wohnmobil, bei dieser Rallye eigentlich nicht zugelassen, muss aber sein. Wegen des „Filmgedöns“. Und realiter sind sie ja zu viert. Lucas Stratmann und Josefine Schemionek führen die Kameras. Stratmann gerät gelegentlich ins Bild, wenn er von hinten aus dem Camper filmt.

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„7 Tage... Rallye-Fieber“

NDR, Mittwoch, 6. Februar 2019, 23:50 Uhr

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Die Autoren treiben kein Versteckspiel. „Rallye-Fieber“ ist keine dieser Reisereportagen, bei denen das Team auf schönes Wetter wartet, ehe es mit dem Filmen beginnt. Auch hier gibt es schöne Landschaftsbilder, bisweilen augenscheinlich mit der Drohne gefilmt. Aber Fjorde, Wälder und Tundra liegen nicht selten im Regen, die Sonne macht sich rar. Am Nordkap herrscht gar undurchdringlicher Nebel. Die Reisenden können gerade mal den Ausläufer des Meeres erkennen. Die Lösung im technischen Zeitalter: Sie rufen auf dem Handy ein Filmchen auf, das das Nordkap bei klarer Sicht zeigt.

Hochsommer in Skandinavien – Torsten Voller grillt Burger und Spiegelei im Regen.

Eine ungewöhnliche Tonart: Lickes und Rieck stehen im Mittelpunkt der Reportage, schonen sich aber kaum. Während die meisten Rallyeteams das nötige Knowhow mitbringen, bezeichnen sich die NDR-Reporter als „Sonntagsfahrer“. Als ihr Fahrzeug in Russland auf unebener Strecke Schaden nimmt, stehen sie ratlos am Straßenrand. Sie haben nicht einmal Werkzeug an Bord. Nur gut, dass ein anderes Team – Peter Drischel und Torsten Voller – umkehrt und technische Hilfe leistet.

Pannen, Stimmungstief, trübe Tage – auch das gehört zu einer solchen Rallye, und die NDR-Reporter machen kein Hehl daraus. Ein erfrischender Unterschied zum vorherrschenden Sonnenschein-Reisejournalismus. Unterhaltsam ist der Beitrag dennoch, und er kitzelt trotz allem die Entdeckerlust. Man weiß ja jetzt, was einen gegebenenfalls erwartet.

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