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Im besten Fall der Beginn einer Freundschaft.

Bärenmarke

Schutz vor Vampiren

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Von den kulinarischen Schwierigkeiten des Berlinale-Besuchs. Die Kolumne zum Filmfestival..

Jeder isst so viel er kann, nur nicht seinen Nebenmann“, sagt Benni im tollen Film „Systemsprenger“ in einem glücklichen Moment. Wer mit halbwegs leerem Magen ins Kino geht, wo es ja während der Filmfestspiele kein Popcorn gibt, sollte sich den Nachbarn vor dem Hinsetzen anschauen. Nicht wenige professionelle Festivalbesucher bereiten ihren Tag akribisch vor, indem sie portionsweise Nahrungsmittel auf Alufolie und Plasteschachteln verteilen. Da ist es für empfindliche Naturen sicherer, sich neben eine Frau zu setzen, weil weibliche Kinoesser eher zur vegetarischen Produktpalette greifen, während Männer traditionsbewusst Fleisch bevorzugen.

Am frühen Morgen (die Pressevorführungen beginnen um 9 Uhr) und am späten Abend (um 22.30 Uhr laufen ja immer noch interessante Filme) riechen Wurst, Schinken und vorgebratene Schnitzel besonders auffällig. Was natürlich durch den Knoblauchduft eines vorgefertigten Salats oder Humus-Brots noch übertroffen werden kann. Ich hatte deshalb gar keine Angst, als Udo Kier im Film „Holy Beats“ seine Dracula-Zähne ausfuhr und lüstern von der Leinwand blickte. Ich saß in der dritten Reihe des Cinemaxx und war ihm sehr nahe. Doch die Zuschauerin neben mir hatte so viel Vampirschutz zu sich genommen, dass er auch für mich reichte.

Es gibt noch andere Gründe zu schauen, wen man neben sich hat. Müde Filmfans können einem den schönsten Wettbewerbsbeitrag vergällen, wenn sie nicht nur schlummern, sondern schnarchen. Egal zu welcher Tageszeit. Zwar hat sich ein giftiges Zisch-Geräusch als Wecker bewährt, aber wer nimmt schon gern die Rolle der Dschungelbuch-Schlange ein? Den Röchler neben sich nur anzutippen, kann allerdings zur Folge haben, dass der seinen Kopf anlehnungsbedürftig zur Seite neigt. Das mag der Beginn einer Freundschaft sein. Muss aber nicht.

Leider habe ich mich nicht getraut zu fragen, für welches Medium die junge Frau neben mir wieder und wieder ihren Videokommentar zum Eröffnungsfilm mit dem Handtelefon aufnahm.

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