Jana und die aufgekauften Leute von „Green Wallet“: Paula Beer, Elisabet Johannesdottir, Noah Saavedra (v.l.n.r.).
+
Jana und die aufgekauften Leute von „Green Wallet“: Paula Beer, Elisabet Johannesdottir, Noah Saavedra (v.l.n.r.).

Zweite Staffel

„Bad Banks“ 2: Sieht gut aus, ist aber nichts drin

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
    schließen

„Bad Banks“ 2 bleibt am Puls der Zeit, aber am Puls der Zeit ist mit Bankern wohl kein Staat zu machen. Stattdessen kommen Verbrechen, Sex und Familie zum Zug.

Noch während sich nach und nach zeigt, dass die zweite Staffel von „Bad Banks“ misslungen ist, ist sie sogar noch darin am Puls der Zeit. Das Investmentbanking aus der ersten Staffel ist zum Probleminvestmentbanking geworden. Es braucht eine neue Richtung. Man würde sogar sagen: Es braucht inhaltlich eine neue Richtung, wenn die Geschäfte der „Bad Banks“-Figuren nicht so atemberaubend inhaltsleer wären. Sie merken das gar nicht in ihrem Eifer.

Es ist eine grandiose Szene, wenn Paula Beer als Jana Liekam zu dem Mitgründer eines auf nachhaltige Wertanlagen spezialisierten Start-Ups sagt, nie habe sie sich so lebendig gefühlt wie im Kontakt zu „Green Wallet“ und ihm (der auch ihr Geliebter war, melancholisch angelegt vom noch in großer Not ansehnlichen Noah Saavedra). Denn von dieser Lebendigkeit war nicht viel zu sehen. Das coole kleine Hinterhof-Unternehmen entwickelt Algorithmen für sogenannte Robo-Adviser, an die sich wenden kann, wer in klimafreundliche und ökonomisch faire Projekte investieren will. Zuerst ist es von den Gründern halbfreiwillig verkauft worden, dann geschluckt, dann unterminiert mit schlechter Ware.

Jana Liekam immer dabei, mal betroffen und auch heulend, weil die Welt noch schlechter ist, als sie sich das vorstellt (sofern sie sich etwas vorstellt). Aber dann wird das Haar glatt gezogen, und weiter geht’s. Mit Robo-Advisern kennt sie sich nicht aus, aber das ist egal, dafür gibt es Computerspezialisten (in einer voll irren Szene gibt es dann auf einmal nur noch einen, der vor Erschöpfung und nach Tabletteneinnahme schier tot umfällt – Kapitalismus, rätselhaftes System). Mit nachhaltigen Projekten kennt sie sich noch weniger aus, aber das ist noch gleichgültiger. Ihr ist das nicht klar, vielleicht hat sie wirklich den Eindruck, einmal etwas zu tun, was einen Sinn hat.

Die Serie

„Bad Banks“ 2:  Auf Arte ab Do., 20.15 Uhr, im ZDF ab Sa., 21.45 Uhr, außerdem komplett in den Mediatheken beider Sender sowie auf DVD.

Das ist die starke und unheimlich böse Seite der neuen Staffel: Während die Menschen um die Investmentbankerinnen und Investmentbanker herum anfangen, nach Sinn zu suchen und auf Wertschöpfung zu blicken – solche Leute gibt es –, ist das Leben Janas und ihrer Clique (Albrecht Schuch als Adam und Mai Duong Kieu als Thao) leerer denn je. Es sieht aber hipper aus.

Dass die Fahrt in „Bad Banks“ 2 von Frankfurt nach Berlin geht, nervt die Frankfurterin zwar ganz automatisch, es wird von Autor Oliver Kienle und Regisseur Christian Zübert aber ironisch ostentativ präsentiert: Dort (also hier in Frankfurt) die glatten Bankentürme, die in den oberen Etagen unter sich sind und von unvorstellbarer Reinlichkeit – außer um Luc, Marc Limpach, herum, wir erinnern uns an den verlotterten Sohn vom bösen Ties, Germain Wagner. In Berlin hingegen wohnt man in Lofts, von denen aus man Bäume (!) und handverlesene Graffiti sieht und soll in den Waben des „Inkubators“ tolle neue Ideen entwickeln. Im Film sieht man aber immer nur geschäftige Leute bei Tätigkeiten, die die Kreativität fördern sollen. Musikhören, digital und analog spielen, auf schneeweißen Kissen regenerieren.

Mit dem „Inkubator“ will die in Verruf und in die Jahre gekommene Global Invest aus Staffel 1 sich wieder an die Speerspitze der Finanzbranche setzen. Dass ausgerechnet der alte Ties es hierher geschafft hat, ist allerdings verdächtig. In Frankfurt balgen sich die üblichen Verdächtigen, Désirée Nosbusch (Leblanc), Tobias Moretti (Sydow), Jan-Marc Barr (Khano) bei einem über alle sechs Folgen sich hinziehenden Shootout, dessen Einzelheiten sich kaum mehr erschließen. Auch Gabriël Fenger, Barry Atsma, wird aus der Haft entlassen und lässt sich in einer jener großen leeren Szenen mit Applaus am alten Arbeitsplatz begrüßen. Eine gespenstische Euphorie, ein kurioses Ritual unter jungen Männern und jungen Frauen, die mitmachen.

Vielleicht merkt man beim Lesen schon, dass sich im Grunde genommen nicht viel entwickelt. Der „Inkubator“, auf den alle so heiß sind: ein Spielplatz für junge Leute. Die Bank: ein Spielplatz für alte Leute. Drum herum ist dafür viel los. „Bad Banks“ 2, das ist nun die ernsthafte Schattenseite, ist über weite Strecken die unkonzentrierte Soap-Version dieser harten Serie: Verbrechen, Sex, Familie. Dazwischen immer wieder die schluchzende Jana Liekam, eine Karte, die Erfahrung sagt es, die man nicht zu oft spielen darf.

„Weil du mir gehörst“ (ARD): Ein deprimierendes, aber herausragend gut gespieltes Drama mit Felix Klare und Julia Koschitz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare