Dritte Staffel

„Babylon Berlin“ in der ARD: Nazis machen sich breit

  • Judith von Sternburg
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Die dritte Staffel von „Babylon Berlin“ startet in der ARD und nimmt Kurs auf den Börsenkrach.

  • Die ARD zeigt die dritte Staffel von „Babylon Berlin“.
  • „Babylon Berlin“: Die Serie von Tom Tykwer spielt in den 1920er-Jahren in Berlin.
  • Die Party in „Babylon Berlin“ ist vorbei: In Staffel drei machen sich die Nationalsozialisten so breit es geht.

Berlin - Die Zeiten werden härter, aber selbst der große Börsenkrach im Herbst 1929 sieht zu Beginn der dritten Staffel von Babylon Berlin bildschön aus. Drinnen ein Papierschnipselregen – alles nichts mehr wert –, draußen muss man sich warm anziehen. Die Eingangsbilder sind ein Vorgriff, wenige Wochen vor dem großen Zusammenbruch setzt die Staffel ein.

Die Stimmung ist aber schon gedämpft, der Ermittler Gereon Rath, Volker Bruch, nun ganz unverhohlen ein Schatten seiner selbst. Und selbst die blasse, aber doch springlebendige, wenn auch permanent & penetrant von den älteren Herrschaften abgestoppte Jungkriminalistin Charlotte Ritter, Liv Lisa Fries, tanzt nur noch ausnahmsweise und in kaschemmenartigem Ambiente.

„Babylon Berlin“, die dritte Staffel: Serie von Tom Tykwer spielt in Berlin der 20er Jahre

Das Moka-Efti ist gegenwärtig unbenutzbar. Im Polizeiapparat und anderswo machen sich die Nationalsozialisten so breit es geht. Da geht einiges. Auch die – erst wir wissen es: auf verlorenem Posten befindliche – Gegenwehr bekommt mehr Gesichter, unter anderem durch Martin Wuttke als Chefredakteur (Heymann sein Name, aber offenbar soll man an Theodor Wolff denken). Wer Zeitungen von innen kennt, hat seine helle Freude an diesen Szenen. Der linke Rechtsanwalt Hans Litten, Trystan Pütter, tritt ganz ohne Namenscamouflage auf.

Dramaturgisch ist es ein trefflicher Kniff, dass Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendrik Handloegten, die Buch und Regie untereinander ausgemacht haben, zugleich mit dieser Ernüchterung in eine künstliche Glamour-Szene überwechseln. Der Kriminalfall spielt auf dem Set, wo zunächst die Hauptdarstellerin eines opulenten Musikfilms spektakulär zu Tode kommt. Es wird weitere Opfer geben.

So theatralisch die Morde und der Phantom-in-der-Oper-mäßige Mörder, so fabelhaft die Szenen zum Film im Film. Die Hektik und den Pragmatismus vorzuführen – durch die finanzielle Beteiligung aus der Unterwelt nur noch weiter gesteigert –, mag für Filmprofis ein besonderer Spaß sein, aber für das Publikum ist das ebenfalls ansehnlich.

Bilder wie Gemälde: Meret Becker als elegisch gestimmter Star von gestern.

Deutsche Stars in der dritten Staffel von Tom Tykwers Serie „Babylon Berlin“

Zur Sendung

„Babylon Berlin 3“: Episoden 1-3 und die Dokumentation „Herbst 1929 – Schatten über Babylon“, So., 20.15 Uhr, ARD. Weitere Teile am 14., 15., 21., 22. Oktober sowie vorab in der Mediathek.

Wie selbstverständlich schmiegen sich auch an dieser Stelle zudem neue Figuren ins Geschehen: Meret Becker als melancholischer Star von einst, jetzt kostbarer Besitz ihres Mannes, des bereits vertrauten „Armeniers“, Mišel Maticevic. Was sie nicht an einer Affäre hindert, mit Ronald Zehrfeld als soeben aus der Haft entlassenem Mann fürs Grobe.

Die betrüblichste Schwäche nach den ersten Folgen „Babylon Berlin“: Dass gar so viele episodische „Sturm der Liebe“-Elemente Unterschlupf gefunden haben, ohne die Dinge voranzubringen: Techtelmechtel, in Frage gestellte Vaterschaft, Ehekrach, und auch der bizarre Ausflug in den Okkultismus ist nun nicht direkt ein Gegengewicht. (Von Judith von Sternburg)

Rubriklistenbild: © Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

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