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Der dritte Teil der Reihe „Geschehen, neu gesehen“ auf Arte befasst sich mit dem Atombombenabwurf in Hiroshima.
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Der dritte Teil der Reihe „Geschehen, neu gesehen“ auf Arte befasst sich mit dem Atombombenabwurf in Hiroshima.

TV-Kritik

Themenabend auf Arte: „Geschehen, neu gesehen“ erzählt die wahre Geschichte vom Zweiten Weltkrieg

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Die Reihe „Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“ läuft am Dienstag (05.01.2021) auf Arte. Die drei Filme befassen sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen.

  • Die Reihe „Geschehen, neu gesehen“ läuft am Dienstag (05.01.2021) ab 20.15 Uhr auf Arte.
  • Die Autoren haben sich mit Nationalsozialisten, der Schweiz und dem Atombombenabwurf in Hiroshima auseinandergesetzt.
  • Auf eine Nacherzählung der Geschichte durch Experten wird verzichtet.

Sonderlich einladend klingt der deutsche Titel nicht gerade. Die Reihe „Geschehen, neu gesehen“ ist eine Produktion des französischen Zweigs des Kultursenders Arte. Im Original heißt sie, frei übersetzt, „Hinter den Kulissen der Geschichte“. Produziert wurden zwei Staffeln á vier Filme, die im weiteren Sinne den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und deren Folgen zum Thema haben. Für die deutsche Ausstrahlung wurden ein Film der ersten Staffel und zwei der zweiten ausgewählt. Arte Deutschland zeigt die drei Beiträge am selben Abend (Dienstag, 05.01.2021, ab 20.15 Uhr), quasi als Themenschwerpunkt. Sie beginnen jeweils mit dem Motto „Um der Wahrheit nahe zu kommen, sollten Gewissheiten infrage gestellt und Fakten neu betrachtet werden.“

„Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“ (Arte): Auf den Spuren des Nationalsozialismus

Wahrlich ein löbliches Vorhaben, auf die Gegenwart und ihre Medienmythen ebenso anwendbar wie auf historische Ereignisse. Die Programmabfolge auf Arte beginnt mit dem Beitrag „Entnazifizierung – Eine Geschichte vom Scheitern“. Der Autor Mickaël Gamrasni eröffnet mit den letzten Tagen des Dritten Reichs und verfolgt von da die Spuren des Nationalsozialismus durch die west- und ostdeutsche Geschichte bis hin zum Mauerfall.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs sahen sich die Siegermächte vor die Aufgabe gestellt, die NS-Täter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Eine schier unlösbare Aufgabe. Einigen Verbrechern wie dem KZ-Arzt Mengele und Adolf Eichmann gelang die Flucht. Andere suchten Schutz in der Masse, entlasteten sich gegenseitig oder hatten das Glück, von den US-Amerikanern in Dienst genommen zu werden, weil sie, wie beispielsweise der Raketeningenieur Wernher von Braun, über begehrtes technisches Wissen verfügten. Auch in der DDR waren Karrieren möglich: Ernst Großmann, als SS-Angehöriger im KZ Sachsenhausen eingesetzt, wurde Mitglied im Zentralkomitee der SED. Zwar erfolgte 1958 auf öffentlichen Druck hin der Ausschluss, doch blieb er in der Partei und in verschiedenen Funktionen tätig.

„Geschehen, neu gesehen“ auf Arte: Heuchelei und Opportunismus bilden den roten Faden

Heuchelei und Opportunismus bilden so etwas wie den roten Faden aller drei Filme der Reihe „Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“, die am Dienstag (05.01.2021) auf Arte ausgestrahlt wird. Der Kasus Wernher von Braun zeigt schon an, dass in mehrfacher Hinsicht mit zweierlei Maß gemessen wurde und weder die Justiz der Siegermächte noch die ab 1949 tätigen bundesdeutschen Rechtsinstitute wenig Vertrauen verdienen. Beispielsweise wurde Heinrich Hoffmann, Adolf Hitlers Leibfotograf, zu zehn Jahren Haft verurteilt. Hans Globke, Mitverfasser der Nürnberger Rassegesetze, gab sich nach dem Krieg als Widerständler aus und wurde unter Bundeskanzler Konrad Adenauer Leiter des Bundeskanzleramts und erhielt später das Bundesverdienstkreuz.

Mickaël Gamrasni hat wissenswerte Fakten zusammengetragen, geht oftmals ins Detail, wo andere nur oberflächlich berichten. Anders als das oben zitierte Motto erwarten lässt, bietet er indes keine neue Sichtweisen an, sondern vielmehr eine durchaus sinnvolle und oftmals erhellende Vertiefung.

Das Gleiche lässt sich über den zweiten Beitrag der Reihe „Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“ (Arte) sagen. „Die Schweiz im Visier“ widmet sich der vermeintlichen Neutralität der Schweiz zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die ausgebreiteten Tatsachen sind nicht neu, werden aber vom Filmautor Philippe Saada sinnvoll aufbereitet, verknüpft und verdichtet.

„Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“ (Arte): Zwangsarbeiter in der Schweiz

Auch zu diesem Komplex gibt es unliebsame, teils wenig bekannte Tatsachen. Die Schweiz verkaufte Waffen an alle Kriegsparteien und tauschte deutsches Raubgold gegen die von der NS-Regierung dringend benötigten Franken. Die deutschen Niederlassungen Schweizer Unternehmen handelten antisemitisch und beschäftigten Zwangsarbeiter. Grotesk: Der Jurist Max Huber saß in den Verwaltungsräten der Waffenschmieden Oerlikon und Aluminium-Industrie, vertrat antisemitische Positionen und fungierte zeitgleich als Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes.

Einer Korrektur des allgemein geläufigen Geschichtsverständnisses kommt der dritte Film der Reihe „Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“ auf Arte am nächsten. In „Hiroshima – Stalins Niederlage“ befasst sich Cédric Condon mit der Legende, der Abwurf einer US-Atombombe über Hiroshima habe die japanische Kapitulation bewirkt. Condon erinnert unter anderem daran, dass es neben der US-amerikanisch-japanischen eine weitere Front gab: In der Mandschurei standen sich japanische und sowjetische Truppen gegenüber. Am 9. August 1945 trat Stalin in den Krieg gegen Japan ein. In diesem Zusammenhang wird beiläufig erklärt, warum Korea bis heute in zwei Teile mit unterschiedlichen politischen Systemen geteilt ist.

„Geschehen, neu gesehen“ auf Arte ist keine Nacherzählung der Geschichte

Die wechselnden Autoren der Reihe „Geschehen, neu gesehen - Wahre Geschichte“, die von dem Dokumentarfilmer David Korn-Brzoza und dem Historiker Olivier Wieviorka ins Leben gerufen wurde, verzichten erfreulicherweise darauf, den Lauf der Geschichte von Experten nacherzählen zu lassen. Zu diesem Thema steht ausreichend dokumentarisches Material zur Verfügung, wobei jedoch zu beachten ist, dass manche Szenen keine authentischen Zeitzeugnisse darstellen, sondern nur symbolischen Wert haben, und dass auch gestellte Bilder Verwendung finden. Allerdings förderte die Recherche aussagestarkes und gut erhaltenes Material zutage, das in russischen Archiven verwahrt und erst 2016 freigegeben wurde. (Harald Keller)

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